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Novum im Fläming: Bad Belziger Ärzte streiken

Tarifkonflikt am Krankenhaus Novum im Fläming: Bad Belziger Ärzte streiken

Die Ärzte im Ernst-von-Bergmann-Klinikum Bad Belzig haben am Donnerstag zum ersten Mal gestreikt. Denn sie fordern eine Entlohnung nach geregelten für Kliniken üblichen Tarifen. In der Kur- und Kreisstadt werden sie teilweise auf dem Niveau von 2007 und mit bis zu 20 Prozent weniger als Kollegen im Potsdamer Haupthaus der Gesellschaft entlohnt.

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Die Krankenhausärzte demonstrieren für ihre Forderungen in der Kur- und Kreisstadt

Quelle: René Gaffron

Bad Belzig. Die Beschäftigten im Krankenhaus in Bad Belzig sind mit ihrer Geduld am Ende. Das hat der Arbeitskampf am Donnerstag deutlich gemacht. Dort ist zum ersten Mal seit Bestehen der Einrichtung 1961 gestreikt worden. Der Aufruf kam vom Marburger Bund. Alle Mitglieder der Ärztegewerkschaft hatten für den Streik votiert, nachdem sich im seit Jahren schwelenden Tarifkonflikt am hiesigen Standort des Bergmann-Klinikums keine Lösung abzeichnet. Letztlich hat sich laut Firmenleitung ein Drittel der angestellten 49 Mediziner am Ausstand beteiligt.

Ein Drittel beteiligt sich am Ausstand

Ein Großteil von ihnen arbeitet für Entgelte auf dem Niveau von 2007. Außerdem liegt der Verdienst im Vergleich zu Kollegen im Potsdamer Haupthaus des Klinikkonsortiums bis zu 20 Prozent niedriger, wie es heißt. Deshalb wird eine Vergütung nach geregelten für Krankenhäuser üblichen Tarifen gefordert. „Dafür wird es womöglich einen längeren Atem brauchen“, ist sich Sebastian Hofer, Verhandlungsführer vom Marburger Bund bewusst.

Landrat: Spargelacker statt Streikfront

Die Belegschaft des Krankenhauses Bad Belzig hat offenkundig Rückhalt im Umfeld. Bürger wollten gestern mehrfach den Protest mit der Eintragung in Unterschriftenlisten unterzeichnen.

Bürgermeisterin Hannelore Klabunde-Quast (parteilos) hat ihre Unterstützung der Forderungen des Marburger Bundes zugesagt.

Vom Kreis Potsdam-Mittelmark, immerhin 25,1-prozentiger Anteilseigner am Krankenhaus, war für dessen Abordnung lediglich Vizelandrat Christian Stein (CDU) zu sprechen. Verwaltungschef Wolfgang Blasig (SPD) weilte zum Auftakt der Spargelsaison in Beelitz, was auf der Kundgebung mittags mit höhnischem Gelächter quittiert worden ist.

Alt-Chefärzte wie Manfred Herger und Hans Brosz reihten sich in den Protest mit ein.

Die Krankenhausgesellschaft hat noch kein neues Gesprächsangebot unterbreitet. Steffen Grebner kehrt nächste Woche aus dem Urlaub zurück, wie zu erfahren war. Bislang argumentierte der Geschäftsführer, dass Steigerungen wegen des nach wie vor negativen Betriebsergebnisses nicht im geforderten Umfang möglich seien. Der Arbeitgeber hat seinerseits für 1. Juli 2016 eine Lohnsteigerung von 3,0 Prozent und für 1. Juli 2017 von weiteren 2,5 Prozent für alle Mitarbeiter angekündigt.

Doch auch das nichtärztliche Personal betrachtet dies nach Aussagen von Verdi eher als Beruhigungspille. Deshalb hatte die Gewerkschaft Schwestern, Pfleger, Verwaltungs- und Service-Angestellten zur aktiven Mittagspause aufgerufen. So fanden sich insgesamt mehr als 60 Angestellte zur Willensbekundung zusammen.

Mehr als 60 Angestellte fanden sich zusammen

„Das ist ein schönes Bild“, lobte deshalb Wolfgang Neumann, der seit 1982 vor Ort tätig ist, den gemeinsamen Auftritt. Der Chirurg kann sich – zumindest momentan – obendrein eines großen Rückhaltes bei der Bevölkerung im Hohen Fläming gewiss sein. In seiner Rede ging er einmal mehr darauf ein, wie unter anderem die geringe Vergütung mit dazu beigetragen hat, das zuletzt häufig kein Fachpersonal gefunden wurde und so wirtschaftlich motivierte Umstrukturierungen durchgesetzt wurden. Aus dem Standort der Grundversorgung, einst Stolz der Bürger von Bad Belzig, sei ein Rumpfkrankenhaus geworden.

Sein Kollege Waldemar Kindsvater drückte es so aus: „Grundversorgung kostet Geld. Keine Grundversorgung wird Leben kosten.“ In der Zeit des Streiks ist es laut Geschäftsführung nicht zu Beeinträchtigungen für die Patienten gekommen. Obendrein hatten die Ärzte eine Vereinbarung zur Notfallversorgung unterschrieben. Außerdem sind etwa ein halbes Dutzend Operationen verschoben worden.

Von René Gaffron

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