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Potsdam-Mittelmark Eine Stadt kämpft gemeinsam gegen die Rattenplage
Lokales Potsdam-Mittelmark Eine Stadt kämpft gemeinsam gegen die Rattenplage
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02:15 10.02.2018
Fachmann Marcel Barduhn ist mit der Rattenbekämpfung in der Kur- und Kreisstadt beauftragt. Quelle: René Gaffron
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Bad Belzig

Wenn es jetzt kälter wird, suchen Ratten noch mehr Schutz im Feuchtwarmen und scheuen die Nähe von Menschen dabei nicht. Diese Erfahrungen haben einige Einwohner der Stadt zuletzt schon gemacht. Deshalb sieht sich die Verwaltung veranlasst, gegen die Ausbreitung des Nagers vorzugehen. „Es hat immer wieder vereinzelte Hinweise aus der Bevölkerung gegeben“, bestätigt Petra Tersch. „Die Begegnung mit den Tieren ist nicht nur unangenehm, sondern mit ihren Flöhen können sie Überträger von Krankheiten sein“, mahnt die Ordnungsamtsleiterin.

Letzte Bekämpfung 2015

Die Kommune hat deshalb die ebenso tiefgreifende und umfassende Bekämpfung der Ratten im Stadtgebiet beschlossen – bereits zum zweiten Mal nach 2015 in größerem Stil. Der Einsatz seinerzeit wird durchaus als erfolgreich bewertet; wobei keine getöteten Tiere gezählt werden konnten, wohl aber Meldungen von Sichtungen für eine Zeit lang ausblieben. „Die Ratte ist in Bad Belzig nicht mehr verbreitet als in vergleichbaren Städten“, erklärt Marcel Barduhn. Die Population nehme nicht dramatisch zu, aber – gerade bei der zuletzt milden Witterung – eben auch nicht ab, so der Juniorchef des ortsansässigen Schädlingsbekämpfungsunternehmens.

Stadtwerke-GmbH und die großen Wohnungsunternehmen wirken wieder an der Aktion, wie sie in märkischen Kommunen dem Vernehmen nach noch eher selten ist, mit. Sie teilen sich nicht nur die Kosten von rund 10 000 Euro, sondern sind mit in die Befallserhebung einbezogen. „Mithin soll versucht werden, andere (private) Haus- und Hofbesitzer für den gemeinsamen Einsatz zu sensibilisieren“, sagt Marcel Barduhn. Hinweise zu Vorkommen können jederzeit dem Ordnungsamt oder Bürgerbüro gemeldet werden.

Einige Hundert Schächte zu kontrollieren

Etwa 500 Schächte von Regen- und Abwasserkanal sind das Betätigungsfeld des Kammerjägers. Er muss für die Verwendung des Rattengiftes qualifiziert sein. Vier bis sechs Wochen stehen zur Verfügung. Gleichwohl die Ratte als Schädling für Flora und Fauna eingestuft ist, gilt für die Kreatur der Tierschutz. Eine durchgehende Beköderung ist deshalb nicht gestattet, erklärt Seniorchef Wolfgang Barduhn. Die gesamte Kernstadt gehört zum Einsatzgebiet. Von Montag an wird zunächst zwischen Turnplatz, Fläming-Bahnhof und Wiesenburger Brücke jeder zweite Kanalschacht mit Ködern belegt, heißt es in einer Mitteilung von Rathaus und Unternehmen.

Langfristige Wirkung

Ratten sind fruchtbar und leben oft in Großfamilien mit bis zu 100 Mitgliedern. Der Clan hat kein Problem, Vorkoster in den Tod zu schicken. Ein schneller Fresstod warnt den Rest.

Deshalb werden Gifte verwendet, die erst Tage später wirken; das haben die Ratten dann vergessen. Die Mittel führen zu inneren Blutungen, können aber schmerzvoll sein.

Schlagfallen töten Ratten durch Genickbruch schnell; Klebefallen bringen einen schmerzvollen Tod und sind so verboten wie Ertränkungsfallen.

Zum Einsatz komme ein Fraßköder mit dem Wirkstoff Difenacoum. Bei der Ausbringung des Biozides werde darauf geachtet, dass es sicher gegen Ausschwemmen oder Verschleppen befestigt sei. „Die Gefahr, dass Menschen oder deren Hunde, Katzen oder andere Tiere damit in Berührung kommen könnten, besteht also nicht”, sagt Marcel Barduhn

Verschlossene Köderkisten

Am Belziger Bach sowie an zentralen Müllsammelstellen der Wohnungsgesellschaft und -genossenschaften werden verschlossene Köderkisten aufgestellt, die im Boden verankert sind, so der 42-Jährige. Nach einer guten Woche erfolgt die Kontrolle und nötigenfalls eine Zweitbelegung mit dem Fraßköder des gleichen Wirkstoffes. Ende Februar/Anfang März wird dann laut Plan das Wohngebiet Klinkengrund in Angriff genommen, zum Schluss das Areal am Weitzgrunder Weg/Kurparksiedlung. „Die Strategie ist, von innen nach außen zu arbeiten“, erklärt Marcel Barduhn

Das Bad Belziger Rathaus appelliert indes an die Bürger, zur Eingrenzung des Rattenbestandes beizutragen. „Dazu gehört, dass Speisereste nicht in die Toilette gegeben und deren offene Kompostierung sowie das Herumstehen von Tiernahrung ebenfalls vermieden wird”, sagt Petra Tersch. Wilde Müllablagerungen seien ähnlich förderlich wie der bisherige Mangel an Frost und Schnee, wenn der Kulturfolger sich ausbreiten will.

Von René Gaffronb

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