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Malereien in Gertraudenkapelle restauriert

Relikt vergangener Tage Malereien in Gertraudenkapelle restauriert

In der Gertraudenkapelle auf dem gleichnamigen Friedhof in Bad Belzig werden schon seit Dezember hochwertige Deckenmalereien aus der Zeit der Renaissance restauriert. Sie waren im Zuge der Dachdeckerarbeiten zum Vorschein gekommen. Das Restauratoren-Ehepaar Petra und Udo Drott ist begeistert von dem einzigartigen Zufallsfund.

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Petra und Udo Drott restaurieren seit Dezember 2015 die Decke im Ostanbau der Bad Belziger Gertraudenkapelle.

Quelle: Josephine Mühln

Bad Belzig. Die Arbeiten an der freigelegten Decke im Ostanbau der Bad Belziger Gertraudenkapelle laufen auf Hochtouren. Seit Dezember vergangenen Jahres restauriert das Ehepaar Petra und Udo Drott die Deckenbemalung, die nach ihrem Kenntnisstand noch aus der Zeit der Renaissance – genauer aus dem Jahr 1615 – stammt. Mitte Juni wollen sie damit fertig sein.

Die Malerei in dem spätgotischen Bau sei ein Zufallsfund gewesen, niemand habe davon gewusst, sagt Restaurator Drott. Eigentlich sollte das Augenmerk auf die Sicherung der Statik der Kapelle am Gertraudenfriedhof gerichtet werden. „Die Dachdecker haben für ihre Arbeit einige Bretter entfernen müssen. Als sie diese umgedreht haben, konnten sie die historische Malerei schließlich erkennen.“

Vorsichtig von Spinnweben und ähnlichem befreit

Zunächst habe sie die Decke vorsichtig von Spinnweben und ähnlichem befreit, erzählt Petra Drott. Dann sei alles mit Störleim gefestigt worden – einem Kleber, der aus der Schwimmblase des Störs hergestellt werde. Außerdem musste die Decke gesäubert werden. Dafür haben die Drotts sie mit Zellstoff und destilliertem Wasser getränkt. „Das zieht den Schmutz raus und dadurch sind noch mehr schöne Details zum Vorschein gekommen.“ Zu guter Letzt sei alles noch mit Spiritus desinfiziert worden.

Sanierung für 150 000 Euro

Die Bad Belziger Gertraudenkapelle auf dem gleichnamigen Friedhof wird seit 2013 saniert. An der Statik des Sakralbaus aus dem 13. Jahrhundert waren erhebliche Schäden festgestellt worden, außerdem musste das Dach neu gedeckt werden.

150 000 Euro waren insgesamt für die Sanierung nötig. Der Bund hat sich mit Fördermitteln in Höhe von 50 000 Euro beteiligt.

Die Gertraudenkapelle wurde im 15. Jahrhundert erbaut und war damals an ein Hospital angeschlossen. Nach der Reformation kam es zunächst zur Entweihung des Gebäudes und einer anschließenden Erweiterung mit dem sechseckigen Anbau. 1615 erfolgte die neuerliche Weihung unter der Bezeichnung „Christkirche“.

Auch die Bricciuskirche neben der Burg Eisenhardt verfügt über einen sechseckigen Anbau mit Malereien – allerdings aus der Gründerzeit.

„Wir nehmen an, dass die Decke damals abgehangen wurde, weil sie so dreckig war“, mutmaßen die Restauratoren. „Das ist jetzt natürlich gut für uns, weil sie so geschützt wurde.“ Petra Drott ist aktuell dabei, die verschiedenen Bilder zu retuschieren. Dafür mischt die 58-Jährige sich aus angewärmtem Leim, Kreide und Pigmenten entsprechende Farben zusammen.

Die Decke ist durch Holzbalken in verschiedene, längliche Abschnitte unterteilt, die alle ganz unterschiedlich verziert wurden. „Das hier ist beispielsweise sogenannte Rollwerkmalerei, daneben Beschlagwerkmalerei“, erläutert Udo Drott. „Beides ist typisch für die Renaissance.“ In einem Abschnitt wurden weiße Ornamente auf hellblauem Grund gemalt. Der 50-Jährige erklärt, dass diese Art der Malerei als arabesk bezeichnet werde. Unweit davon sind groteske Malereien zu sehen. Hier entspringen Engelsköpfe aus einem Ornament, vom Hals gehen Flügel ab.

Übergang zum Manierismus

Insgesamt herrsche ein großes Durcheinander, wie das Bad Belziger Ehepaar feststellt. Das bestärke sie aber darin, dass die Malereien in die Zeit der Renaissance und den Übergang zum Manierismus – einer Form der Spätrenaissance – fallen. Das sei die Zeit der Übertreibung, des Komplexen und Verrückten gewesen.

„Es ist wirklich ein Glücksfall, dass die Decke die letzten 400 Jahre überstanden hat“, sagt Drott und erinnert an die Zerstörung Bad Belzigs während des Dreißigjährigen Krieges 1636. „Als sei das alles jetzt aus seinem Dornröschenschlaf erwacht“, ergänzt seine Frau. Es gebe sonst keine Oberflächen mehr aus der damaligen Zeit, sagt Drott. Vergleichbares finde sich lediglich im sächsischen Torgau. „Dort sind Dekorationen in groß zu sehen, wie wir sie hier in klein haben.“

Von Josephine Mühln

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