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Bad Belzig: Künstlerduo will es noch mal wissen

Potsdam-Mittelmark Bad Belzig: Künstlerduo will es noch mal wissen

Das Künstlerduo Büssow und Grimbs kennt sich bereits seit Studienzeiten. Etwa 20 Jahre lang waren die beiden Männer immer wieder mit dem Wohnmobil unterwegs, um das zu fotografieren, was normalerweise gern übersehen wird. Dann trennten sich ihre Wege. Als Rentner wollen die beiden aus Bad Belzig es jetzt aber noch mal wissen.

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Martin Büssow (l.) und Walter Grimbs bezeichnen ihre Freundschaft als Wesensverwandtschaft.

Quelle: Josephine Mühln

Bad Belzig. „Mit 66 Jahren, da fängt das Leben an“, sang Schlagersänger Udo Jürgens 1977. Eine Liedzeile, die perfekt zum Vorhaben der Künstler Martin Büssow und Walter Grimbs passt. Ersterer hat die 66 schon hinter sich gelassen, Letzterer hat sie noch vor sich. Der ideale Zeitpunkt also, um wieder gemeinsam durchzustarten und da anzuknüpfen, wo das Duo vor gut zwölf Jahren aufgehört hat.

Begonnen hat die gemeinsame Geschichte der Männer in Frankfurt am Main, wo beide studiert haben. Walter Grimbs im Bereich der Bildhauerei und Kunstpädagogik, Martin Büssow wurde Sozialpädagoge – und ist seit jeher Autodidakt was die Fotografie angeht. Sie wurde schließlich auch zum gemeinsamen Nenner der beiden Hessen.

Zigtausend Fotos im persönlichen Archiv

Ihrer Leidenschaft frönten sie ab 1985 vor allem auf kleineren Reisen mit dem Wohnmobil, die sie quer durch Deutschland sowie ins benachbarte Ausland führten – sie machten zum Beispiel auch Halt in Holland oder Frankreich, drangen dabei immer wieder in Gebiete vor, die anderen Menschen normalerweise verborgen bleiben. „In unserem Archiv haben wir zigtausend Fotos, teilweise auch noch nicht geordnet“, sagt Walter Grimbs und holt eine große schwarze Mappe, um einen Teil der Werke zu präsentieren.

Das Künstlerduo will mit seinen Aktionen aufrütteln – hier im Jahr 2016 auf dem Marktplatz von Bad Belzig gegen Ausgrenzung

Das Künstlerduo will mit seinen Aktionen aufrütteln – hier im Jahr 2016 auf dem Marktplatz von Bad Belzig gegen Ausgrenzung.

Quelle: René Gaffron

Das Duo hat sich der analogen Fotografie verschrieben. „Die digitale Fotografie ist ein Feld, das die Fotografie kontaminiert“, sagt Martin Büssow. „Weil Originalität dadurch heute manipuliert werden kann. Was wir sehen, ist höchstens auf dem Bildschirm echt.“ Der 67-Jährige ist vor vier Jahren nach Bad Belzig gezogen.

„Wir fotografieren mit der Kamera, wie andere malen – ohne Nachbearbeitung am PC“, ergänzt Walter Grimbs. Mittels Dauerbelichtung werde beispielsweise ein impressionistisch anmutendes Foto erzeugt, Verfremdung bringe dagegen eine besondere Dynamik ins Bild. „Wenn wir 30 Bilder machen, kommen aber am Ende vielleicht auch nur zwei brauchbare raus.“

Das Wohnmobil steht schon bereit

2005 etwa trennten sich die Wege der reiselustigen Senioren vorerst. Martin Büssow verschlug es auf die Insel Rügen, Walter Grimbs pflegte Mutter und Schwiegermutter. „Jetzt wollen wir noch mal richtig durchstarten“, sind sich beide einig. Das Wohnmobil steht schon bereit, im Frühsommer des kommenden Jahres soll das erste Abenteuer beginnen. Geplant sind kurze Etappen, 14 Tage bis drei Wochen lang – und gerne wieder auf mehrere Jahre verteilt.

„Wir haben mittlerweile etlichen Ballast abgeworfen und sind heute in jeder Hinsicht frei – auch von ökonomischen Zwängen“, sagt Martin Büssow, der sich ein Mal pro Woche ehrenamtlich in einem Berliner Hospiz engagiert. „Es ist ein Privileg, dass wir diese Reisen machen können, ohne zu verhungern.“ Kollege Grimbs ergänzt: „Ab einem bestimmten Alter hat man einen anderen Blick auf die Welt. Auch das wollen wir mit den Fotos dokumentieren.“ Wenn er nicht mit Büssow auf Tour ist, lebt der 65-Jährige in Zwickau.

Ergebnisse der Reisen sollen in Ausstellung präsentiert werden

Ziel der neuen fotografischen Erkundungstouren ist, die Dinge abzulichten, die gerne übersehen werden. „Wir wollen das sichtbar machen, wovon zwar jeder eine Ahnung hat, worüber aber sonst nicht weiter gesprochen wird.“ Auch sozialkritische Fotos waren bei Büssow und Grimbs nie ein Tabu. „Im Frühsommer haben wir eine Serie über Obdachlose in Berlin gemacht, die gegenüber vom Kanzleramt zelten“, sagt Büssow. „Wir haben mit den Menschen gesprochen, wollten die Gegensätze deutlich machen.“ Auch bei künftigen Reisen soll ihr „Atelier auf Wanderschaft“, wie sie den Wohnwagen nennen, dazu dienen, mit den Menschen ins Gespräch zu kommen.

Die beiden sind schon jetzt voller Vorfreude. „Wir machen das, weil wir wahnsinnig gern unterwegs sind und es für uns verdammt viel Spaß bedeutet“, sagt Walter Grimbs. Und Büssow ergänzt: „Wir haben uns gesucht und gefunden.“ Die Ergebnisse der Reisen sollen dann auch in einer Ausstellung präsentiert werden – vielleicht schon im kommenden Jahr. „Aber vorher müssen wir natürlich sortieren, was wir zeigen wollen und mit welchem Ziel“, sagt Büssow.

Ihre Ehefrauen lassen die beiden Männer übrigens zu Hause. „Die würden sich da nur langweilen“, sagt das Duo wie aus einem Mund und lacht.

Von Josephine Mühln

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