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Potsdam-Mittelmark Neuer Band der Belziger Stadtchronik liegt vor
Lokales Potsdam-Mittelmark Neuer Band der Belziger Stadtchronik liegt vor
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00:18 24.04.2016
Der Luisenbund in Belzig im jahre 1935, kurz vor seiner Auflösung. „Es flossen viele Tränen“, berichtet Chronistin Helga Kästner. Quelle: Repros: Kästner
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Bad Belzig

Heute sind wir alle schlauer, heute kann man den Weg der Nazis in den Krieg ganz klar aufzeigen. Doch dass die neue Reichsregierung schon mit ihrem Machtantritt 1933 so konsequent und zielgerichtet zu Werke geschritten ist, das habe sie bei ihrer Recherche dann doch überrascht, sagen Helga und Günter Kästner. Die beiden Stadtchronisten legen jetzt den 5. Band der Bad Belziger Stadtchronik vor, der die Jahre 1934 bis 1945 umfasst.

Kästners haben zuvorderst das Zauch-Belziger Kreisblatt gesichtet und alles, was sie für wichtig erachteten, dokumentiert. „Es war erschreckend zu sehen, wie früh die Menschen auf den Krieg vorbereitet worden sind“, sagt Helga Kästner. Ob nun „Die deutsche Hausfrau“ bei einem „Schau-Sparkochen“ im Hotel Burg Eisenhardt über die Vorzüge eines Dampfkochtopfes informiert worden ist oder das Winterhilfswerk für bedürftige „Volksgenossen“ sammelte – viele Annoncen im Kreisblatt machen diesen Weg ablesbar. „Die Menschen sollten opfern, spenden und genügsam sein“, sagt Günter Kästner. Immer mehr Sammlungen seien ins Leben gerufen worden, berichtet Helga Kästner. Was der Staat nicht leisten konnte oder wollte, sollten die Bürger aufbringen. Und haben es offensichtlich auch getan.

Helga und Günter Kästner haben die Chronik erarbeitet. Quelle: Heiko Hesse

Bei den ersten vier Bänden konnten die Kästners vor allem auf den Bestand des Kreisarchivs in Bad Belzig zurückgreifen. Jetzt war es schwieriger. „Hier gibt es das Kreisblatt nicht“, sagt Helga Kästner. Selbst im Landeshauptarchiv seien sie nicht fündig geworden. Erst die Staatsbibliothek in Berlin habe helfen können. Die Bände der Tageszeitung lagern in einem Depot am Westhafen in Charlottenburg.

Im April 1943 war Schluss mit dem Kreisblatt. Für die folgenden Jahre hat sich das Heimatforscherpaar auf Quellen gestützt. Derweil die Kästners das Jahr 1944 vergleichsweise knapp beleuchten, gibt es für 1945 mehr zu berichten. Darüber hinaus dokumentieren sie das Kriegstagebuch von Harry Geuert und private Briefe, die über die Verhältnisse deutscher Soldaten und das Geschehen in den Kriegsgebieten berichten.

Annonce im Kreisblatt von 1935. Quelle: Kästner

Dass Belzig im Visier der Alliierten gewesen ist, habe mit den besonderen Einrichtungen des Militärs und der Kriegswirtschaft zu tun. „Belzig war hochbewaffnet“, sagt Helga Kästner. Zwischen Belzig und Lübnitz befand sich eine Munitionsfabrik. Geschosse für Flugabwehr-Kanonen sind den Kästners zufolge hergestellt worden. Immerhin: „Das Werk, das im Zusammenhang mit der Fertigung in Treuenbrietzen zu sehen ist, ging 1935 in Betrieb“, berichtet Helga Kästner. Es etablierte sich auf Burg Eisenhardt die Reichsschule für technische Nothilfe, eine Art technisches Hilfswerk. Die Schüler waren in den Räumen untergebracht, die heute dem Hotel dienen. „Im Kreisblatt finden sich immer wieder Berichte über Besuche bei dieser Schule.“

Umzug im Jahre 1935 durch Belzig Quelle: Kästner

An der Straße zwischen der Belziger Bahnbrücke und Bergholz befand sich ein großer Militärstelle. „Auf der rechten Straßenseite war die Empfangsstelle des Oberkommandos der Wehrmacht, auf der anderen Straßenseite die dazugehörige Sendestelle“, sagt sie. Die Segelflieger bekamen nach 1933 spürbar Rückenwind. Auf den Anhöhen zwischen Belzig und Borne trainierten die jungen Leute voller Begeisterung. „Viele sind im Krieg Piloten geworden“, sagt Günter Kästner.

Chronik Teil 5

Der 5. Band der Stadtchronik umfasst die Jahre 1934 bis 1945.

Der Band ist im Treibgut-Verlag erschienen und 267 Seiten stark.

Das Buch kostet 24,90 Euro und ist in der Tourismus-Information und der Buchhandlung Ritter in Bad Belzig zu haben.

Zur klareren Gliederung haben die Kästners die Ereignisse in bestimmten Themen zusammengefasst, etwa Landwirtschaft, Gesundheit, Kirche oder Feuer. Um die lokalen Informationen besser in den großen Zusammenhang stellen zu können, haben die Autoren jedem Jahresabschnitt einen Überblicksbeitrag vorangestellt. So erfährt der Leser etwa im Abschnitt 1937 vom Luftangriff deutscher Flieger auf die spanische Stadt Guernica. Auch wenn der Band eine Menge bietet: „Für 1945 wollen wir noch ein Buch nachlegen“, kündigt Helga Kästner an. Darin wollen sie unter anderem die Stunde Null und der Neubeginn darstellen.

Von Heiko Hesse

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