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„Ein Menschenleben reicht nicht“

Paul Wernicke ist von der Natur begeistert „Ein Menschenleben reicht nicht“

Dass der 36-jährige Paul Wernicke die Sprache der Tiere zumindest in Ansätzen versteht, ist kein Zufall. In zahlreichen Kursen und Seminaren hat er sein Wissen vervollkommnet und gibt dieses heutzutage als Leiter der in Reetz/Mahlsdorf ansässigen Wildnisschule „Hoher Fläming“ gern an andere weiter.

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Gute Stimmung im Kleinkunstwerk Mühlenhölzchen: Paul Wernicke (vorn) und Bruder Uli Kempendorff studierten mit dem Publikum das Raben-Lied ein.

Quelle: Uwe Klemens

Bad Belzig. Paul Wernicke ist zu beneiden. Stundenlang dem Gesang der Vögel lauschen und die Tiere zu beobachten – wer würde sich nicht soviel Muße wünschen?
Dass der 36-jährige, gebürtige Berliner die Sprache der Tiere zumindest in Ansätzen versteht, ist kein Zufall. Die Liebe zur Natur entdeckte der gelernte Tischler schon vor vielen Jahren. In zahlreichen Kursen und Seminaren hat er sein Wissen vervollkommnet und gibt dieses heutzutage als Leiter der in Reetz/Mahlsdorf ansässigen Wildnisschule „Hoher Fläming“ gern an andere weiter. Bildhaft und mit einer großen Prise berührener Lyrik schilderte er am vergangenen Wochenende im Bad Belziger Kleinkunstwerk Mühlenhölzchen seinen Alltag als Naturpädagoge.

Die erste Voraussetzung, um Tieren überhaupt nahe zu kommen, ist, das oftmals ziemlich tollpatschig Spaziergänger-Verhalten im Walde abzulegen. Die Geschmeidigkeit des Fuchses zu erlernen, dessen Gang eher dem Fließen eines stillen Gewässers gleicht, ist das, was die Teilnehmer der von Paul Wernicke geleiteten Kurse erlernen. Der Lohn sind atemberaubende Begegnungen mit den Geschöpfen. Dabei muss es nicht gleich eine Begegnung mit dem sagenumwobenen Wolf sein, wie Paul Wernicke anhand zahlreicher, sowohl spannender als auch humorvoller Episoden zu erzählen weiß.
Jedem Wesen wohnt ein Zauber inne, könnte man in Abwandlung eines bekannten Spruches sagen. Die ungleiche Begegnung zwischen einem erfahrenen Hasen und dem recht unbeholfenen Waldkautz, der sein Beuteschema vergessen zu haben schien, oder die Beobachtung des waghalsigen Umzuges einer ganzen Marderfamilie hoch über den Wipfeln des Kiefernwaldes sind nur zwei der unzähligen Episoden aus dem Wernick’schen Schatzkästchen.

Wer es gelernt hat, sich geschmeidig und leise durch den Wald zu bewegen, wird Beobachtungen machen, die er sein Leben nicht mehr vergisst, ist Wernicke überzeugt, davon, dass ein Menschenleben lange nicht ausreicht, um all die Spuren des Waldes lesen zu lernen, ebenfalls. „Jeder Antwort, die ich finde, folgen zehn neue Fragen – doch das hindert mich ja nicht, weiter nach Antworten zu suchen – im Gegenteil: Es treibt mich an!“

Einfühlsame wie gewagte, musikalische Umsetzung des Themas

Dass die zahlreichen Zuhörer im Kleinkunstwerk die unterhaltsame Lese- und Plauderstunde wohl lange im Gedächtnis behalten werden, lag nicht nur an der Redegewandtheit und an den Sangeskünsten Wernickes, sondern an der ebenso einfühlsamen wie gewagten, musikalischen Umsetzung des Themas. Gewinnen dafür konnte Paul Wernicke seinen Bruder Uli Kempendorff, der auf Tenorsaxofon, Klarinette und Bassklarinette virtuose Akzente setzte. „Der gemeinsame Auftritt der beiden ist eine Premiere“, verriet Gerlinde Kempendorff-Hoene, die Mutter der beiden, der der Stolz über den gelungenen Nachmittag im Gesicht geschrieben stand.

Der Erkenntnis, dass die eigenen Erfahrungen weit wichtiger und nachhaltiger sind als jede andere Form der Wissensvermittlung, blieb Paul Wernicke auch an diesem Nachmittag treu. Das Rabenlied, das er mit seinen Zuhörern einstudierte, gehörte wohl zu den schönsten Passagen der Lesestunde.
Das Thema Wolf war das letzte, dem sich die Brüder am Ende noch widmeten. Dass er, trotz vieler gesichteter Wolfsspuren und als Teilnehmer des Wolfs-Monitorings lange Zeit selbst keinen sah, habe ihn lange gewurmt, gestand Paul Wernicke. Schließlich hatte mal wieder der Zufall seine Hand im Spiel. Frühmorgens, vor dem Beginn einer Weiterbildung in der Lausitz, still sitzend unter einem Baum, war es dann soweit: In zweihundert Meter Entfernung sah der Naturfreund „seinen“ ersten Wolf. Den kurzen Augenblick, als sich ihre Augenpaare trafen, wird auch er wohl nie vergessen.

Von Uwe Klemens

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