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Bad Belzig: Scheidungskrieg mit Müllbergen

Regelmäßige Angriffe seit einem halben Jahr Bad Belzig: Scheidungskrieg mit Müllbergen

Schmutziger Scheidungskrieg in Bad Belzig (Potsdam-Mittelmark): Eine Friseurmeisterin wird dort seit Monaten von ihrem Ex-Mann verfolgt. Und er findet immer wieder neue Formen, seine Ex-Frau zu terrorisieren. Vorläufiger Höhepunkt: In der vergangenen Nacht landete der Inhalt dutzender Müllsäcke vor dem Friseursalon der Frau.

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Manuela Hainke und ihr Lebenspartner Mario Beutler machten Fotos vom Angreifer, der in der Nacht in Bad Belzig Müllsäcke vor Friseurladen und Haus verteilte.

Quelle: Thomas Wachs

Bad Belzig. Auf diesen Geburtstagsgruß hätte Manuela Hainke verzichten können. Kurz nach Mitternacht zu ihrem Ehrentag macht sich am Dienstagmorgen ein dunkel gekleideter Mann in der Bad Belziger Johannes-R.-Becher-Straße daran, den Inhalt dutzender gelber Müllsäcke im Vorgarten und vor allem auf der Straße vor dem Wohn- und Geschäftshaus der Friseurmeisterin zu verteilen. Nur ein einziger der von den Nachbarn in der kleinen Eigenheimsiedlung zur Abholung bereitgestellten Säcke wird verschont.

Von Müll übersät ist  die Johannes-R-Becher-Straße in Bad Belzig noch am Dienstagvormittag

Von Müll übersät ist die Johannes-R.-Becher-Straße in Bad Belzig noch am Dienstagvormittag.

Quelle: Thomas Wachs

Beobachtungen und eilig vom Haus aus gemachte Handy-Fotos erhärten den dringenden Verdacht, dass einmal mehr der Ex-Mann der Friseurmeisterin zugeschlagen hat. Seit September lebt die 47-Jährige in Scheidung und in getrennten Wohnungen, erzählt sie der MAZ. Das Paar hat einen 13-jährigen Sohn. Seit Oktober habe es nunmehr elf Angriffe unterschiedlichster Art auf das kleine Wohnhaus von Manuela Hainke und ihren Friseurladen gegeben. Dabei ging es auch heftig zu. Steine flogen in der Neujahrsnacht durch das Badfenster. Auch die Schaufensterscheibe und der Laden selbst wurden demoliert.

Noch in der Nacht zu Dienstag ist die Polizei vor Ort. „Sie kennt den Verdächtigen schon aus den vorherigen Delikten“, berichtet Manuela Hainkes neuer Lebenspartner, Mario Beutler. Er wählt um 0.40 Uhr den Notruf der Polizei und dirigiert die Beamten des Streifenwagens via Leitstelle auch zum Scheunenweg, dem Wohnort des Verdächtigen. „Als wir Licht im Haus machten, floh der Angreifer“, erzählt Beutler.

Vandalismus dieser Art ist keine Straftat

Gegen 1.10 Uhr trifft die Polizei am Tatort ein. Eine Anzeige zu dem Müllangriff wird diesmal jedoch nicht aufgenommen. „Vandalismus dieser Art ist keine Straftat“, erfährt Manuela Hainke von den Beamten. „Sie haben vor Ort sie Situation geprüft. Auf begangene Straftaten gab es keine Hinweise“, erklärt Oliver Bergholz, ein Sprecher der Polizeidirektion West. „Der Sachverhalt wurde dem örtlichen Ordnungsamt übergeben, mit der Bitte um Einleitung eines Ordnungswidrigkeitsverfahrens“, sagte der Polizeikommissar. Auf die MAZ-Anfragen zum Stand der Ermittlungen in den seit Oktober immer wieder angezeigten Sachbeschädigungen macht der Polizeisprecher zunächst keine Angaben.

Angriffsopfer zunächst von der Polizei enttäuscht

Die Friseurmeisterin und ihr Lebenspartner sind von der Polizei enttäuscht. „Wir fühlen uns unsicher und wissen ja nie, was als Nächstes kommt“ , sagt Mario Beutler am Morgen nach dem Müllangriff. „Die Solaranlage auf dem Anbau, Dachziegel, Werbeanlagen und Briefkästen wurden schon beschädigt und der Laden unter Wasser gesetzt“, zählt Manuela Hainke auf. „Weil dazu Insiderkenntnisse nötig sind“, hat sie für diese Sachbeschädigungen bisher immer ihren Ex-Mann in Verdacht. Mit ihm kommuniziert sie längst nur noch über ihre Anwältin.

Vor  Wochen beschädigte ein Steinwurf das Schaufenster des Frisiersalons

Vor Wochen beschädigte ein Steinwurf das Schaufenster des Frisiersalons.

Quelle: privat

Am Dienstagmorgen steigen erste Kunden des Friseurladens dann verblüfft über die Müllhaufen vor dem Haus. Eine der beiden Angestellten von Manuela Hainke bedient sie. Der Inhaberin bleibt das Problem der Müll-Entsorgung. Ein Hilfsangebot gibt es vom Bauhof der Stadtverwaltung, obwohl der für Verpackungsabfall des Dualen Systems eigentlich gar nicht zuständig ist. Am frühen Nachmittag ist der Müll verschwunden. Dem auf Fotos festgehaltenen und namentlich bekannten Verursacher flattern dafür demnächst eine Rechnung und ein Anzeige zur Ordnungswidrigkeit wegen eines Umweltdeliktes ins Haus.

Überall Müll

Überall Müll: Auch auf der Hecke und im Vorgarten.

Quelle: Thomas Wachs

Unterdessen hat die Polizei in Bad Belzig das Handy erbeten, mit dem in der Nacht die Fotos gemacht wurden. „Beim Landeskriminalamt sollen die Täterfotos als Beweismittel qualitativ noch aufgebessert werden“, erzählt Mario Beutler nach dem Gespräch mit Kriminalisten. Sie seien optimistisch, angesichts der konkreten Zeugenhinweise nun auch in den Ermittlungen zu den früheren zehn Straftaten voranzukommen. Darauf hofft auch Manuela Hainke.

INTERVIEW

Christopher Rommel

Christopher Rommel.

Quelle: Johanniter-Kliniken

Christopher Rommel ist Chefarzt der Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik am Johanniter-Krankenhaus in Treuenbrietzen.

Herr Rommel, was passiert aus psychologischer Sicht mit Menschen, die in Beziehungskonflikten zu Sachbeschädigungen und Vandalismus fähig sind, wie jetzt in Bad Belzig geschehen?

Christopher Rommel: Allgemeingültig lässt sich das schwer beantworten, ohne die individuellen Umstände, die zu solchem Fehlverhalten führen, und die Person zu kennen.

Begegnen Ihnen in der Praxis häufiger derart scharfe Reaktionen in Beziehungskonflikten?

Rommel: Eher ist es so, dass wir Patienten erleben, die psychosomatisch erkrankt sind, weil sie berechtigten Ärger nicht konstruktiv genutzt haben, um Beziehungskonflikte zu klären.

Was raten Sie Betroffenen, um derartige Konflikte zu lösen?

Rommel: In der Psychiatrie ist es genau wie in der Allgemeinmedizin: Wenn mir der Zahn weh tut oder ein Gelenk schmerzt, gehe ich zu Fachärzten, von denen ich mir Hilfe verspreche. So ist es auch bei psychischen Problemen. Die moderne Psychiatrie steht ohne die oft befürchtete „Einlieferung“ jedem offen. Vieles lässt sich in Tageskliniken und Sprechstunde auch ambulant klären.

 

Von Thomas Wachs

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