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Potsdam-Mittelmark Bad Belzig bekommt ersten Stolperstein
Lokales Potsdam-Mittelmark Bad Belzig bekommt ersten Stolperstein
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06:09 30.06.2017
Foto vom 1.Mai 1933: Vorne rechts ist Dagobert Bornheim als Fahnenbegleiter. Quelle: Repro Christiane Sommer
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Bad Belzig

Dem einstigen jüdischen Kaufmann Dagobert Bornheim soll mit einem Stolperstein gedacht werden. Er war einer von fünf im Jahr 1930 registrierten jüdischen Einwohnern in Bad Belzig. Bornheim starb 1942 in Auschwitz. Am 17. Dezember jährt sich sein Todestag zum 75. Mal.

Seit eineinhalb Jahren widmen sich Wolf Thieme und Benjamin Stamer vom Verein „Neues Forum“ der Erforschung jüdischen Lebens in der Kur- und Kreisstadt. „Das ist kein stochern in der Vergangenheit, sondern Aufarbeitung der Geschichte“, sagte Thieme jüngst in der Sitzung des städtischen Sozialausschusses. Er und Stamer haben sich zum Ziel gesetzt, Lücken in der Geschichtsschreibung der Stadt zu schließen. Die ersten Ergebnisse ihrer Forschungsarbeit haben die Männer jetzt darin bestärkt, sich für das Setzen eines Stolpersteines für Dagobert Bornheim einzusetzen.

1902 nach Bad Belzig gezogen

Der jüdische Kaufmann zog 1902 aus der Gegend um Düsseldorf in den Hohen Fläming. Der damals 30-Jährige erwarb in der Stadt zwei Grundstücke und eröffnete bald darauf ein Kaufhaus. Bot er anfangs noch in der Großen Wiesenburger Straße 7 – das Haus steht heute nicht mehr – Damen- und Kinderkleidung an, handelte er ab 1908 in der Brandenburger Straße 59 – heutige Straße der Einheit 8 – mit Herren- und Kinderkleidung.

Schaufenster von Bornheims einstigem Geschäft in der Straße der Einheit heute. Quelle: Christiane Sommer

Regelmäßig inserierte der Kaufmann in der hiesigen Presse und widmete sich in seiner Freizeit der Schützengilde der Stadt. Dort war Bornheim ein angesehenes Mitglied. Eine alte Fotografie, sie entstand am 1. Mai 1933, zeigt den Kaufmann in der Uniform der Schützen und geschmückt mit Orden als Fahnenbegleiter beim Festumzug. Diese Aufnahme ist zugleich die Letzte, die ihn im öffentlichen Leben der Stadt zeigt.

Stolperstein vor letztem selbst gewählten Wohnsitz

Noch im gleichen Jahr drohte die Einziehung seines Vermögens. Dagobert Bornheim gelang es jedoch den Besitz in letzter Minute an seine Ehefrau zu überschreiben. 1942 wird Dagobert Bornheim nach Aussage von Benjamin Stamer von den Nazis abgeholt, ins Gestapogefängnis nach Potsdam überführt und von dort in das Konzentrationslager Auschwitz abgeschoben. Weil seine Ehefrau keine Jüdin war, wurde zwar ein Totenschein ausgestellt – die Todesursache auf dem Papier jedoch nicht genannt.

Im Anschluss an Wolfgang Thiemes Ausführungen empfahlen die Ausschussmitglieder die Verlegung des Stolpersteines vor Bornheims letzten selbst gewählten Wohnsitz in der heutigen Straße der Einheit 8. Dass die Stadtverordnetenversammlung in ihrer nächsten Sitzung diesem Votum folgt, steht außer Frage.

Stolpersteine in 20 Ländern Europas

Bisher sind in 1099 Orten Deutschlands und in zwanzig Ländern Europas Stolpersteine verlegt worden. Die Idee geht auf den Künstler Gunter Demnig zurück.

Der Dagobert Bornheim gewidmete Stein wird der erste seiner Art in Bad Belzig sein.

Mit den kleinen quadratischen Messingtafeln wird jeweils an ihrem letzten frei gewählten Wohnort der Opfer des Nationalsozialismus gedacht.

An Herbert Loewy, der 1924 nach Belzig kam und 1926 zum Richter am hiesigen Amtsgericht berufen wurde, erinnert bereits ein Stolperstein in Senftenberg.

Die Kosten für die Verlegung des Stolpersteins in Höhe von 120 Euro will Wolf Thieme übernehmen. „Das ist mir persönlich ein tiefes Bedürfnis“, sagte er. „Auch wenn ein Stolperstein eine radikale Art der Erinnerung ist.“ Den Vorschlag des Stadtverordnetenvorstehers Ingo Kampf (SPD), dass die Kommune diese Summe übernimmt, lehnte Thieme ab. Deshalb empfahl der Ausschuss weiter, die Arbeit der beiden Geschichtsforscher, die zwischenzeitlich eine kleine Forschungsgruppe hinter sich wissen, durch eine Spende zugunsten der weiteren Erforschung jüdischen Lebens in Belzig zu unterstützen.

Noch heute in der Stadt lebende Nachfahren Bornheims wurden über das Vorhaben informiert und würden nach Aussage des Bauamtsleiters Christoph Grund eine Gedenktafel am Haus als würdevoller empfinden.

Von Christiane Sommer

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