Volltextsuche über das Angebot:

3 ° / 1 ° Regenschauer

Navigation:
Bad Belzig: Thermalsole vor 20 Jahren entdeckt

Stadtgeschichte Bad Belzig: Thermalsole vor 20 Jahren entdeckt

Am 5. Oktober 1996 wurden Bohrleute am nördlichen Stadtrand von Bad Belzig fündig. In 775 Metern Tiefe entdeckten sie Thermalsole, die für die Kurortentwicklung von Bedeutung war. Doch hatten einige Stadtväter zunächst andere Erwartungen gehegt.

Voriger Artikel
Naturbad-Verein zieht zufrieden Bilanz
Nächster Artikel
Wo Hans Grade gern in die Luft ging

Dank der heißen Sole ein Magnet für die Region: Die Stein-Therme zieht die Besucher von nah und fern an.

Quelle: privat

Bad Belzig. Im nächsten Jahr wird die Stein-Therme 15 Jahre alt. Doch auf die Quelle, die sie speist, stießen die Bohrleute schon früher. Immerhin: Auf der Entdeckung, die heute exakt 20 Jahre zurückliegt, fußt maßgeblich das Prädikat als Thermalsoleheilbad.

„Dass es am nördlichen Stadtrand warmes Wasser geben muss, war aus Gutachten bekannt“, berichtet Bernd Hänig. Denn die DDR hatte einst flächendeckend nach Rohstoffen gesucht und ihre Erkenntnisse dokumentiert. „Das Ausmaß und die Möglichkeit der Nutzung waren damals nur mit einer Bohrung zu ermitteln“, erinnert sich der ehemalige Mitarbeiter des Bauamtes.

Fast wie am Toten Meer

Die heilende Belziger Sole wird in rund 775 Metern Tiefe aus einer porösen Bundsandsteinschicht gepumpt, die fünf bis sechs Meter dick ist.

Das über 30 Grad Celsiu warme Heilwasser weist eine interessante Zusammensetzung auf. Neben einem fast 20-prozentigen Solegehalt – der des Toten Meeres liegt nur fünf Prozent höher – finden sich auch ein besonders großer Jodanteil und kleinere Mengen von Kalium, Kalzium, Schwefel und Magnesium.

Dies macht sie geeignet zur kurativen oder prophylaktischen Behandlung der Luftwege, der Haut und des Bewegungsapparates. Um das kostbare Nass anwenden zu können, wurde bald nach dem Auffinden der Quelle mit den Planungen für ein Thermalbad begonnen, das 2002 seine Pforten öffnete

550 Kubikmeter Sole werden jährlich gefördert und bis auf eine Salzkonzentration von 1,5 bis 4,5 Prozent verdünnt.

Mehr als 140 000 Besucher zählt die Stein-Therme jedes Jahr. Dort sind 50 Mitarbeiter beschäftigt.

Er und die Partner des Ingenieurbüros Geothermie Neubrandenburg hegten damals die Hoffnung, die geothermische Quelle für die an Rosa-Luxemburg-Straße und Lärchenweg wachsende mittelmärkischen Kreisstadt als Heizquelle erschließen zu können.

Drei Millionen Mark hatte die Landesregierung Brandenburg auf Antrag bereit gestellt und damit neben Rheinsberg und Templin ein drittes Vorhaben dieser Art gefördert. Die Kommune hätte bei einer geothermischen Nutzung in eine zweite Bohrung rund zwei Millionen Euro investieren müssen. Unter den Stadtvätern wurden die Ausgaben kontrovers diskutiert, gleichwohl beschworen sie vor allem die große Chance.

Fest am 26

Fest am 26. Oktober 1996 nach erfolgreicher Bohrung.

Quelle: Michael Greulich

Es war schließlich am 4. Juli 1996, als sich der erste Bohrkopf auf dem Ackerland in die Tiefe fraß. Es vergingen drei Monate zwischen Hoffen und Bangen. Am 5. Oktober herrschte schließlich die Gewissheit: Die Firma Bohr-Knecht war in rund 775 Metern Tiefe und damit laut dem ehemaligen Bauamtsmitarbeiter durchaus früher als erwartet auf 34 Grad Celsius warmes Thermalwasser gestoßen.

Doch zum Heizen der angrenzenden Siedlung – wie einst angedacht – reichten diese Temperaturen und vor allem die Menge nicht. Stattdessen verfügt die mehr als 160 Millionen Jahre alte Sole, deren Vorrat nach Angaben von Experten „mindestens die nächsten 100 Jahre“ reichen wird, über besondere Heilkräfte: knapp 20 Prozent Salzgehalt, geringe Konzentrationen von Jod sowie von anderen nichtmetallischen und metallischen Elementen.

Bernd Hänig war vor 20 Jahren beim Bauamt der Stadt beschäftigt

Bernd Hänig war vor 20 Jahren beim Bauamt der Stadt beschäftigt.

Quelle: MAZ

Somit ging zumindest der Ersatzplan auf, den vor allem Peter Kiep (SPD) geschmiedet hatte. Der Bürgermeister hatte nach dem Erreichen des Status als Luftkurort auf ein zweites Kurmittel gedrängt. Unvergessen bleiben die Bilder, als sich das Stadtoberhaupt und weitere Mutige am 26. Oktober 1996 in quer gestreiften Badeanzügen zum Anbaden in das seinerzeit noch etwas aufgewärmte Nass wagten, wie sich Bernd Hänig erinnert. „Es hatte etwas Triumphales“, berichtete die MAZ von dem Ereignis. Derweil die Herausforderungen erst begannen: Los ging’s mit Grundstücksquerelen, die dazu führten, dass der ursprünglich vorgesehene Standort um einige hundert Meter von der Bohrung verlegt wurde.

Später kam Baupfusch hinzu, der den Wohlfühlfindling schon bald nach der Eröffnung zum schmerzenden Sanierungsfall werden ließ. Schließlich versuchten sich mindestens ein halbes Dutzend Geschäftsführer mit den richtigen Betriebs- und Vermarktungskonzepten zum Erfolg zu kommen. Der 2009 schließlich verliehene Titel Bad Belzig muss bald schon das erste Mal verteidigt werden.

Statt der geothermischen Nutzung wurden inzwischen zwei Blockheizkraftwerke installiert, die die Wärmeversorgung der Kurparksiedlung übernahmen und mit dem erzeugten Strom einen Teil der Energieversorgung der Therme abdecken. Damit schließt sich für Bernd Hänig der Kreis.

Von René Gaffron

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Bad Belzig

Sollte Rauchen im Auto verboten werden, wenn Kinder dabei sind?

57811e88-cc1d-11e5-9fb5-3858ea6ed044
Babys aus Oberhavel (6)

Babys aus Oberhavel, Januar/Februar 2016

MAZab: Termine

Was geht ab? Jede Menge Events in Potsdam und im Land Brandenburg

Kinoprogramm

Alle aktuellen Filme in den Kinos von Potsdam und im ganzen Land Brandenburg