Volltextsuche über das Angebot:

8 ° / 5 ° Schneeregen

Navigation:
Bauernhof und Borstenvieh

Die Landpartie im Fläming lockte mit bäuerlicher Idylle Bauernhof und Borstenvieh

Die Landpartie im Fläming machte nicht nur hungrig, sondern auch schlau. Unzählige Besucher dränglten sich bei der Ausflugsaktion im Hohen Fläming unter anderem rund um den Tresen der Backschweintenne im Brücker Stadtteil Gömnigk.

Voriger Artikel
Aus fünf mach eins
Nächster Artikel
Trockenzeit in der Therme Bad Belzig

Schweinisches Empfangskomitee.

Quelle: Uwe Klemens

Bad Belzig. Was dem einen der Stubentiger, ist für Bernd Schulze das Borsten-Vieh. Wenn sich die etwas schwergewichtige, aber zufrieden grunzende Muttersau in der Schlammkuhle suhlt, ist der Bio-Landwirt ebenso zufrieden.
Noch mehr Grund dazu hatte er am Wochenende. Unzählige Besucher drängelten sich während der Brandenburger Landpartie mit insgesamt 15 Teilnehmern im Hohen Fläming auch am Tresen der Backschweintenne, die seine Frau Gudrun Brinschwitz und Tochter Henriette betreiben. Seit 17 Jahren gehört das Unternehmen im Brücker Stadtteil Gömnigk zu den Garanten für zufriedene Gäste. Wenngleich wohl die meisten Besucher einen ordentlich durchgegarten Schinken dem Knuddelschwein im eigenen Garten vorziehen würden, fährt das Trio jedes Jahr zur Landpartie besonders viel Lob in Sachen artgerechter Tierhaltung ein. Anders als Schweine aus der Massentierhaltung, haben alle eigenhändig dort aufgezogenen Borstentiere wenigstens ein paar glückliche Monate hinter sich – Schulzes Beitrag in Sachen Umwelt- und Tierschutz.
Nicht zuletzt die Bundeskanzlerin sprach ihm dafür und für seine Kreativität in Sachen Bio-Vermarktung ihre Anerkennung aus. „Na ja, geknutscht hat sie mich ja nicht, aber mir auf die Schulter geklopft“, sagt Schulze und eilt mit dem Tablett zur Terrasse, wo Gäste Landleben nebst Blasmusik und Gaumenfreuden genießen.
„Sie essen wie die Scheunendrescher“, sagt Roland Strehle 20 Autominuten später in Dahnsdorf. Dabei denkt er nicht an Schulzes Tafelrunde, sondern an die Herkunft des altbekannten Ausspruches, den jeder kennt, aber kaum jemand erklären kann. Wer Antworten auf solche Fragen sucht, ist in Strehles Museumsscheune am Wachtelberg richtig. Dass der Museums-Chef und Ehefrau Petra die Gäste mit einem Gläschen Sekt empfangen, geschieht nicht alle Tage und auch nicht zu jeder Landpartie. Zu verdanken war die Geste dem Doppeljubiläum. Vor 20 Jahren machte sich der VEB-erprobte Fliesenleger selbstständig. Vor zehn Jahren kam Strehles Vater auf die Idee, die eigene Sammlung bäuerlicher Gerätschaften zur Landpartie zu präsentieren.

Was vor 20 Jahren mit einem von Rost befreiten und bunt angestrichenem Zweischarpflug begann, treibt heute selbst ausgebufftesten Sammlern die Schweißperlen auf die Stirn. „Das Ziel, die Ausstellung jedes Jahr um mindestens 20 neue Exponate zu ergänzen, haben wir bisher immer weit übertroffen. Dass neu in diesem Fall natürlich alt bedeutet, versteht sich von selbst. Stolze 200 Jahre hat das älteste Exponat, eine mannsgroße Hirsestampe, auf dem Buckel. Mit Feldsteinen beschwerte Wäschemangeln, angescheuerte Kuh-Komets, Transportschlitten für Kälber, Schütten, Siebe, Sensen, Schleudern und unzählige weitere Exponate künden vom zumeist beschwerlichen, oft aber auch kreativen Alltag der Vorfahren, für die Landpartie wohl ein Fremdwort gewesen wäre.

So unzählig bei Strehles die Exponate, so unzählig ist die Zahl der Besucher, die Jahr für Jahr zur Landpartie der Gut Schmerwitz GmbH einen Besuch abstatten. Auf acht- bis zehntausend Besucher schätzt Betriebsleiterin Rita Neumann die Zahl, die an beiden Tagen den Mix aus Landwirtschaft zum Anfassen, Technikschau, Schlemmerstrecke und kulturellen Darbietungen nutzen. „Als ökologisch arbeitender Landwirtschaftsbetrieb wollen wir den Menschen erklären, was ökologischer Landbau bedeutet“, sagt Neumann, die seit 43 Jahren im Unternehmen tätig ist. Der volksfestartige Charakter der Schmerwitzer Landpartie ist der Rahmen, um neben Wissenswertem auch die hofeigenen Produkte an den erlebnishungrigen Besucher zu bringen. „Wir machen das Hoffest nicht so groß – wir sind so groß“, sagt die dynamische Landfrau, die sich auch mal selbst auf den Fahrersitz eines Traktors schwingt.(Von Uwe Klemens)

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Bad Belzig
MAZab: Termine

Was geht ab? Jede Menge Events in Potsdam und im Land Brandenburg

Kinoprogramm

Alle aktuellen Filme in den Kinos von Potsdam und im ganzen Land Brandenburg