Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Bad Belzig Biografie für einen guten Freund
Lokales Potsdam-Mittelmark Bad Belzig Biografie für einen guten Freund
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
20:11 13.05.2018
Die Autorin Anna Schädlich hat dem Maler, Zeichner, Dichter und DDR-Dissidenten Roger Loewig ein Buch gewidmet. Im Loewig-Haus in Bad Belzig las sie daraus und signierte Exemplare.    Quelle: Christiane Sommer
Bad Belzig

Knapp 40 Interessierte folgen am Sonnabendnachmittag der Einladung der Roger-Loewig Stiftung, um im gleichnamigen Museum in Bad Belzig an einer Buchlesung teilzunehmen.

Die Kunsthistorikerin und Autorin Anna Schädlich aus Berlin liest dort, im einstigen Wohnhaus Loewigs aus ihrem frisch im März erschienenen Werk „Oh Ikarus, um deinen Flug beneid’ ich dich ...“.

Der Titel des Buches ist einer Gedichtszeile von Roger Loewig entliehen – dem Maler, Zeichner, Dichter, DDR-Dissidenten und guten Freund von Anna Schädlich.

Auf dem Lesetischchen in den Museumsräumen liegt ein Exemplar der 200 Seiten starken Veröffentlichung. Kleine gelbe Klebezettelchen markieren die Textpassagen, welche die 44-Jährige später lesen wird.

Anna Schädlich las im Loewig-Haus in Bad Belzig.    Quelle: Christiane Sommer

Der Bad Belziger Wolfgang Woizick, der wie sie ein enger Freund Roger Loewigs war, gehört zu denen wenigen, die das Buch bereits ganz gelesen haben. „Ich meinte alles zu kennen, was RL geschrieben, gezeichnet und gemalt hat – ich, der Wegbegleiter über lange Zeit“, sagt Woizick. „Nach dem Lesen von Annas Buch bekam ich eine Ahnung von der Tiefe und den Verzweigungen seines Wesens, seines Wollens“, so der Freund. Dann bittet er ins Haus. Die Lesung beginnt. „Roger Loewig. Noch nie gehört?“ Das sind die ersten Worte, die die Autorin der akribisch recherchierten Biografie mit den Zuhörern teilt.

Krieg mit Hunger und Tod erlebt

Diese lernen „RL“, wie Loewig im Verlauf der Lesung immer wieder genannt wird, erst einmal in der Kindheit kennen. Als einen Jungen, der den Zweiten Weltkrieg mit Hunger und Tod erleben muss und dessen Vater ein strammer Nazi war. Bei Kriegsende flieht die Mutter mit dem Sohn aus dem besetzten Polen. Eine Odyssee beginnt. Loewig wird entwurzelt. Es verschlägt beide nach Obercunewalde. Nach Kriegsende geht er wieder zur Schule, will Förster werden. Doch es kommt anders. Loewig wird Lehrer. Während der Ausbildung lernt er seine große Liebe kennen: Cenzi Troike. 1953 haben die beiden es geschafft. Sie sind Mittelstufenlehrer. Loewig ist es gern.

Aber noch lieber malt er. Die Autorin erzählt in ihrem Buch von entbehrungsreichen Jahren, in denen es auch an Mal- und Zeichenutensilien mangelt. Die Rückwand des Kleiderschranks, Unterseiten von Tisch und Stühlen werden dem Künstler zum Papierersatz. Zehn Jahre später wird Loewig inhaftiert. Einer Ausstellung wegen. Seine Kunst ist den DDR-Oberen zu undurchsichtig.

Im Westen entwurzelt

Nach der Haftentlassung arbeitet Loewig bis zu seiner Ausreise in die Bundesrepublik im Jahr 1972 als freiberuflicher Künstler. Im Westen angekommen, ist er wieder entwurzelt. Im Visier der Staatssicherheit bleibt Roger Loewig auch dort.

Für ihr Buch ging Anna Schädlich auf intensive Spurensuche. Sie reiste zu seinen Lebensorten, führte Gespräche mit Wegbegleitern und arbeitete sich durch die Berichte, die von der Stasi über ihn angefertigt wurden. „Es war mir ein inneres Bedürfnis“, sagt die 44-Jährige über ihre Beweggründe für diese Arbeit. Sie und Loewig teilten mit dem unvermeidlichen Weggang aus der DDR eine Gemeinsamkeit, aus der Freundschaft wuchs.

Spiegelbilder seines Lebens

„Oh Ikarus, um deinen Flug beneid ich dich ...“, waren auch die ersten Worte, die sie als kleines Mädchen von ihm hörte. Er breitete seine Arme aus. Sie sprang hinein. Er fing sie auf. Ihr „Flug“ war geglückt. „Das Gedicht hat sich mir eingebrannt. Ich höre noch immer seine Stimme“, bemerkt die Autorin später bei der Lesung.

Den tieferen Sinn der entliehenen Gedichtzeile erklären Loewigs Zeichnungen und Gedichte. Sie sind Spiegelbilder seines Lebens, in dem Krieg, Flucht, Vertreibung und die Spaltung Deutschlands tiefe Narben hinterlassen haben. Im Mythos um den gestürzten Ikarus findet er sich wieder. Wolfgang Woizick sagt dazu: „Er war sein Tarnhut, genutzt, sein Gesicht unverwundbar zu machen.“

Interview

Der Bad Belziger Wolfgang Woizick, war ein enger Freund Roger Loewigs und wahrt sein Erbe im Bad Belziger Loewig-Haus.  Quelle: Christiane Sommer

Wolfgang Woizick wohnt am Roger-Loewig-Haus in Bad Belzig und wahrt dort das Andenken seines früheren Freundes und Künstlers Roger Loewig.

Herr Woizick, wann fällt der Startschuss für den Umbau des Schweizerhauses und damit für die Vergrößerung des Loewig-Museums?

Wolfgang Woizick: Wir stehen als Stiftung in den Startlöchern und warten auf die Förderzusage. Ich bin zuversichtlich, dass es bald losgeht.

Einen konkreten Termin gibt es also noch nicht?

Nein, deshalb fällt es uns ja auch so schwer, weitere Veranstaltungen hier im Loewig-Haus längerfristig zu planen.

Verlief Ihr privater Auszug aus dem Schweizerhaus in das neue, angrenzende Domizil, denn reibungslos?

Ja, ich habe mich allmählich auch an das neue zu Hause gewöhnt. Im Schweizerhaus wusste ich im Dunkeln, wo jeder Lichtschalter ist und welche Diele knarrt. Manchmal kommt Sehnsucht danach auf und mich überkommt die Melancholie.

Von Christiane Sommer

Steffen Lukas ist ehrenamtlicher Bodendenkmalpfleger in Ragösen. Wie sein Vater, der Chronist Bernd Meyer, hat auch der Sohn vor allem historische Grenzsteine im Blick.

12.05.2018

Eine Ausstellung soll jüdische Opfer der Nazidiktatur im Hohen Fläming jetzt der Anonymität entreißen. Organisiert wird sie von der neuen Arbeitsgruppe „Jüdisches Leben in Belzig und Umgebung“.

11.05.2018

Das kleine Fredersdorfer Freibad ist fit gemacht für die neue Saison. Einige Bürger haben geholfen. Sie packten beim Subbotnik an und sorgten mit einem neuem Zaun für Sicherheit.

10.05.2018