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Bad Belzig Chronisten-Ehepaar Kästner aus Bad Belzig: Gemeinsam im Dienst der Geschichte
Lokales Potsdam-Mittelmark Bad Belzig Chronisten-Ehepaar Kästner aus Bad Belzig: Gemeinsam im Dienst der Geschichte
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14:11 30.01.2019
Kein Ende in Sicht: Das Ehepaar Kästner verfasste und half bei mehr als 100 Broschüren und Büchern zu heimatgeschichtlichen Texten. Quelle: Tobias Wagner
Brandenburg/H

Das Ziel ist klar: „Ich habe nie etwas angefangen, ohne es zu Ende zu führen“, sagt Helga Kästner. Seit 26 Jahren widmet sich die Bad Belziger Chronistin nicht nur der Geschichte ihrer Stadt, sondern auch dem Hohen Fläming und verfasste oder half anderen Ortschronisten bei mehr als 100 Broschüren zu heimatgeschichtlichen Texten. „Mittlerweile zähle ich gar nicht mehr mit“, gesteht die 83-Jährige.

Ein beeindruckendes Arbeitspensum, für das Helga und ihrem Mann Günter, der sie seit jeher als Fotograf begleitet, im Jahr 2004 gar das Bundesverdienstkreuz verliehen wurde, und der Beweis für ein besonderes Gespür für Geschichte, dass seinen Anfang auf einem Dachboden nahm.

In der mittelmärkischen Kreisstadt und im Hohen Fläming schlummern noch viele Geschichten. Helga und Günter Kästner heben solche Schätze und bewahren sie für die Nachwelt.

„Als Kind entdeckte ich Ausgrabungsstücke auf dem Dachboden unserer Schule, die beim Bau der Autobahn in unserer Nähe in den 30er Jahren zu Tage gefördert wurden“, berichtet Helga Kästner. Immer wieder zog es das 1935 geborene Mädchen auf den Dachboden der von ihrem Vater geleiteten Schule in Niemegk. „Mal ging ich alleine, mal mit meinem Vater, der mir die Stücke erklärte.“ Seit diesem Zeitpunkt war ihr Interesse für Geschichte geweckt, bis zum ersten geschriebenen Text sollten jedoch noch einige Jahre ins Land gehen.

1955 lernte Helga Kästner, Lehrerin für Deutsch-, Russisch-, Englisch-, Biologie- und Sport, ihren späteren Mann Günter kennen. Sie war nach Belzig versetzt worden, an die Bruno-Kühn-Oberschule (heute Krause-Tschetschog-Oberschule). Zwei Jahre später heirateten die beiden Lehrer. „Wir sind seitdem als Team unschlagbar“, sagt die Rentnerin stolz.

Mitarbeit am Heimatkalender

1985 bekam sie erstmals die Gelegenheit, mithilfe redaktioneller Arbeit in die Heimatgeschichte abzutauchen. Bedingt durch ihre Tätigkeit als Deutschlehrerin kontrollierte Kästner fortan den regelmäßig erscheinenden Belziger Heimatkalender unter anderem auf Rechtschreibfehler.

Die erste Chronik verfasste sie 1993 für den Niemegker Landarzt Joachim Niepelts, der seine Erinnerungen aus den letzten Kriegsjahren für den Sohn festhalten wollte. Das Heftchen mit dem Titel „Was, Sie kennen den Fläming nicht“ stellt das Debüt der Chronistin dar.

Zahlreiche Ortschroniken

Seitdem ist die Erforschung der Geschichte der Orte des Flämings zunehmend Inhalt ihrer Arbeit geworden. Es entstanden heimatliche Schriften zum Raum Belzig mit Chroniken von Ortschaften, beispielsweise Fredersdorf, Lütte, Reetz und Hagelberg, aber auch zu Städten wie Brück und Niemegk. Auch die erste Chronik von Golzow gelang mit ihrer Unterstützung.

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Besonders stolz ist Helga Kästner jedoch auf die Buchreihe zur Geschichte der Stadt Bad Belzig. Seit 2011 veröffentlichte das Ehepaar in diesem Rahmen bisher fünf Werke, die die Historie des Ortes zwischen 1871 und 1945 thematisieren. „Eine unheimliche Arbeit“, versichert die Heimatforscherin. „Anfangs wollte ich das gar nicht machen, das war mir einfach zuviel.“ Erst der Hinweis einer Kollegin, dass niemand sonst für dieses Projekt infrage kommen würde, ließ Helga und Günter Kästner zustimmen.

Der Weg zur Chronik

Chronistenarbeit ist mühselig und kann Jahre andauern. Um eine Chronik anzufertigen, nutzt das Ehepaar Kästner folgende Schritte:

Für ihre Texte sichten sie das Material in der entsprechenden Gemeinde, sammeln Erlebnisberichte vor Ort und suchen nach Angaben in Archiven. Dazu gehören unter anderem das Kreisarchiv, Kirchenarchive und das Brandenburgisches Landeshauptarchiv.

Nach dem Ordnen des gefundenen Materials werden die Dokumente, zuvor in Schwerpunkte unterteilt, in einen PC übertragen und anschließend eine Bildersammlung angelegt.

Nach Abschluss der Druckvorbereitungen wird ein Entwurf der zu fertigen Chronik dann dem entsprechenden Gemeindeparlament präsentiert. Dieses entscheidet über die finale Veröffentlichung.

Hobby-Chronisten, die bei ihrer Arbeit Hilfe benötigen, können sich gerne unter www.helga-kaestner.de für eine Beratung anmelden.

Mehr über die Arbeit des Chronistenpaares erfährt man im Internet unter www.helga-kaestner.de

Die unter anderem für die Aufarbeitung dieses Zeitabschnittes benötigten historischen Zeitungsausschnitte fanden sich jedoch nicht in Belzig oder Umgebung. „Wir sind für diese knapp ein Dutzend mal mit dem Zug in das Zeitungsarchiv der Staatsbibliothek Berlin gefahren“, sagt Kästner. „So wie man Zeit und Lust hatte, als Rentner hat man ja nicht allzu viele Termine.“

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Bei all der Organisation und Planung zur Recherche für eine Ortschronik leistet das Glück oft einen beachtenswerten Beitrag. So kam eine Freundin der Kästners bei einem Besuch in Braunschweig ins Gespräch mit einer dortigen Schuhverkäuferin. Deren Mann war im Besitz mehrerer Tagebücher, deren Handlung unter anderem in Niemegk spielen.

Eine echte Überraschung

Nach dem Übersenden der Unterlagen gab es die Überraschung: Die Bücher stellten sich als Kriegstagebücher der Stützpunktkommandatur Belzig vom April 1945 heraus, die der Diensthabende zu Papier brachte. So kehrten Aufzeichnungen nach Bad Belzig zurück, die bis dato unbekannt waren.

Die Burg Eisenhardt in Bad Belzig ist immer wieder Thema – Ansichtskarte um 1925 Quelle: Sammung Hesse

In den Niederschriften machte Helga Kästner einen weiteren besonderen Fund: „Mein Vater wurde ebenfalls genannt, da er zu diesem Zeitpunkt in der Gegend Belzig stationiert war.“ In den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs leitete General Walther Wenck die letzten Operationen der deutschen 12. Armee im Raum Belzig.

Der Sohn von General Wenck schaut vorbei

In den 90er Jahren arbeitete Helga Kästner Abschnitte aus den Tagebüchern in verschiedenen Ortschroniken ein, etwa in Niemegk. So kamen die Berichte nach und nach in die Öffentlichkeit. „Irgendwann klingelte es bei uns an der Tür“, erinnert sich Helga Kästner. „Es war der Sohn des Generals, Helmuth Wenck, der sich bedanken wollte, da er mit diesen Aufzeichnungen eine Karte der damaligen Truppenbewegungen zeichnen konnte.“

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Was aber fehlte, war eine zusammenhängende Darstellung dieser Tagebücher. Das holten die Kästners 2017 nach – mit dem Band „Chronik der Stadt Belzig. Mit Kriegstagebuch April 1945 und Munitionsfabrik Roederhof“, der als Ergänzung zur Chronik der Stadt Bad Belzig gilt, und die neueste Veröffentlichung des Ehepaares darstellt. Weitere Ausgaben für die Jahre nach 1945 seien bereits geplant. „Es ist noch kein Ende in Sicht“, sagt Helga Kästner.

Der Traum vom großen Buch

Neben all den noch zu schreibenden Texten hat die Chronistin jedoch einen ganz besonderen Wunsch. „Ich möchte das Buch aller Bücher schreiben“, sagt Helga Kästner und meint damit eine Zusammenfassung all ihrer bereits verfassten Schriften zur Geschichte von Bad Belzig, einschließlich der Nennung all jener, die dabei geholfen haben. „Es haben so viele geholfen“, betont die Chronistin. Eine Chronik der Chroniken – das wäre die Krönung eines beeindruckenden Historikerschaffens.

Von Tobias Wagner

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