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Bad Belzig DDR-Widerstand: Freya Klier hilft der kollektiven Erinnerung auf die Sprünge
Lokales Potsdam-Mittelmark Bad Belzig DDR-Widerstand: Freya Klier hilft der kollektiven Erinnerung auf die Sprünge
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11:09 13.03.2019
Das geht unter die Haut: Die ehemalige DDR-Bürgerrechtlerin Freya Klier liest im Fläming-Gymnasium aus ihrem Tagebuch „Abreißkalender“. Quelle: Jan Russezki
Bad Belzig

In der Mensa des Fläming-Gymnasiums in Bad Belzig gibt es am Montag keine Schüler, die im vorigen Jahrhundert geboren wurden. Die DDR und den Mauerfall kennen sie nur aus Filmen oder von den Eltern. Zum Beginn der Projektwoche politische Bildung ändert sich das. Freya Klier, zu DDR-Zeiten Bürgerrechtlerin, ist gekommen, um vom Widerstand, Spitzeln und ihren Haftstrafen in der DDR-Diktatur zu berichten.

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Wenn Freya Klier von unangepassten Jugendlichen erzählt, sind die 117 Schüler der 10. Klassen still. Sie tragen Jeans, individuelle Frisuren und hören Musik, die ihnen gefällt – in der DDR der 1960er Jahre war das an Schulen nicht möglich. Für hippe West-Jeans gab es drei Jahre Jugendwerkhof. „Man kann es sich schlecht vorstellen, dass man so unterdrückt wurde. Für mich ist das erschreckend“, sagt der 16-Jährige Dominic Handler.

Alle Phasen der DDR

Die 1950 geborene Freya Klier hat alle Phasen der DDR kennengelernt. Sie erzählt vom Mauerbau, den ersten Fluchtwellen und dem „neuen sozialistischen Menschen“, den die DDR formen wollte. Sie erzählt von Schülern, den die Haare zur Strafe abgeschnitten wurden, der Verhaftung ihres Bruders und ihrem eigenen, gescheiterten Fluchtversuch. Als sich ihr Bruder 1979 nach einer staatlichen Zwangseinweisung in eine Psychiatrie das Leben nahm, ging Klier in den Widerstand. Ein Jahr später wurde die damals 30-jährige Mutter Mitgründerin der Initiative Freiheit und Menschenrechte.

Lesen Sie dazu auch den Kommentar von Jan Russezki

„Sie erzählt aus ihrem Leben, das macht es anschaulicher als eine Dokumentation“, findet die 15-jährige Annabelle Sternberg. Während viele ihrer Mitschüler wenig über die DDR wissen, hat sie in der Familie erste Geschichten gehört. „Ich kann es nicht begreifen, warum das damals so war“, sagt sie. Der Widerstand von Freya Klier ist für sie eine neue Perspektive auf die Vergangenheit, die sie von den Erzählungen ihrer Familie nicht kennt.

Kollektive Erinnerungshilfe

Kliers elftes Gebot heißt „Du sollst dich erinnern“. Das fällt in vielen Schulen schwer. „Wir schaffen die DDR nicht im Unterricht“, sagt Sebastian Woye. Der Fachleiter für politische Bildung hat deswegen mit der Konrad-Adenauer-Stiftung die Projektwoche organisiert. Erst soll Klier den Schülern aus der Zeit erzählen, damit sie vorbereitet das Stasi-Untersuchungsgefängnis in der Potsdamer Lindenstraße besuchen können. „Wir wollen das tief gehender angehen“, sagt Woye. In zwei Stunden Unterricht sei das nicht zu schaffen, erklärt er.

Auf das Tagebuch von Freya Klier waren die Schüler am Montag nicht vorbereitet. Klier liest, fast so distanziert wie bei einer literarischen Erzählung, wie sie ein Berufsverbot als Theaterregisseurin bekam und ihr „so ein Bonze“ der Staatssicherheit sagte, sie könne die DDR verlassen. „Es gibt immer noch einen individuellen Moment in der Diktatur. Es gibt immer Handlungsspielraum“, erklärt sie die verweigerte Ausreise. Sie wollte sich nicht aus ihrer Heimat werfen lassen und spielte mit ihrem Freund Stephan Krawczyk lieber Konzerte und Theater in überfüllten evangelischen Kirchen.

Die Folge ihrer Friedensbewegung: Sie und Krawczyk wurden Staatsfeinde. 82 Spitzel und 23 Wanzen überwachten ihr Leben. Der Druck nahm zu: Haftbefehl, Knast, Bunker. Klier blieb stark. Sie behauptete sich gegen Spitzel, Prostituierte und die Einsamkeit im Gefängnis. Menschen wie sie haben zum Fall der Mauer beigetragen. Dafür applaudiert die Schule.

Von Jan Russezki

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