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Bad Belzig Die Überreste des Mörders August Bräckow
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18:00 02.11.2018
Die mutmaßlichen Überreste des Mörders und stadtbekannten Leinewebers August Bräckow wurden bei Lehrgrabungen am Bad Belziger Galgenberg gefunden. Studenten der HU Berlin und der Europa-Universität Viadrina aus Frankfurt (Oder) begutachteten das Areal genauer. Quelle: Christina Koormann
Bad Belzig

Der Mörder August Bräckow könnte auf dem Galgenberg im Sarg bestattet worden sein. Die vor einigen Wochen durchgeführte studentische Lehrgrabung brachte diese Erkenntnis und fand unter Leitung der Archäologin und Dozentin Marita Genesis statt. Hierbei wurden die Überreste eines Leichnams gefunden. Der Bad Belziger Museumsleiter Thomas Schmöhl hält es auf MAZ-Anfrage für möglich, dass es sich hierbei um den im März 1846 durch den vom Henker hingerichteten Leinewebermeister Bräckow handeln könnte.

Beweise fehlen, ein Indiz hat er jedoch parat. So verweist Schmöhl auf eine Bevölkerungstafel aus dem Jahr 1846. Auf dem Papier, umfassend die Stadt Belzig, das Dorf Sandberg, die eingepfarrten Dorfschaften Preußnitz, Weitzgrund und Eichholz sowie die Mühlen, sind alle Geburten, Eheschließungen und Todesfälle notiert.

96 Tote wurden im Jahr 1846 begraben

Die statistische Erhebung belegt demzufolge, wo die 96 Toten jenen Jahres begraben wurden: 76 auf dem Gertraudenfriedhof, 19 auf dem Bricciusfriedhof, einer auf der Richtstätte bei Belzig begraben. „Das müsste Bräckow gewesen sein“, sagt Museumsleiter Thomas Schmöhl. Marita Genesis verwies darauf, dass sämtliche Befunde und Funde nun erst einmal aufgearbeitet werden müssen. Die Untersuchungen der Knochen sollen an anderer Stelle erfolgen und benötigen eine eine weitere Analyse. „Eine Aussage zu personengebundenen Grablegen ist in der Regel unmöglich, wenn nicht Grabsteine oder besondere Auffälligkeiten, die sich in einer historischen Erwähnung niederschlagen, belegbar sind“, sagte die Archäologin weiter.

Letzte öffentliche Hinrichtung

Damit dürften die Spekulationen um den Toten im Sarg auf dem Galgenberg noch nicht beendet sein. Bräckows Tod steht zugleich für die letzte öffentliche Hinrichtung in Belzig. „Bis zu diesem Zeitpunkt war der Galgenberg zugleich Begräbnisplatz für alle, die gerädert, gehenkt, geköpft und anschließend verscharrt wurden“, ergänzt Schmöhl. Das die Belziger in der Mitte des 19. Jahrhunderts einem Mörder einen Sarg zu erkannten, hält er durchaus für möglich und erzählt, was zuvor geschah.

So wurde im Juni 1843 Bräckows Schwiegermutter, die Witwe Schmeckebier, in ihrem Haus in Wiesenburg erhängt aufgefunden. Sie lebte dort als Auszüglerin. Kurze Zeit zuvor war Bräckow mit seiner Frau, der Tochter der Witwe zu ihr gezogen. Das Verhältnis des Trios war allerdings zerrüttet. Nachdem sich die Anzeichen verdichtet hatten, dass sich die alte Frau unmöglich selbst erhängt haben konnte, fiel der Verdacht auf Bräckow.

Mord an Schwiegermutter gestanden

Er wurde inhaftiert und gestand den Mord an der Schwiegermutter. Der Leinewebermeister hatte sie erst erwürgt, dann aufgehängt. Im Geständnis gab er zudem an, den Mord mit seiner Ehefrau verabredet zu haben, weil deren Mutter mit ihrer Zanksucht den beiden das Leben verbittert hätte.

Am 14. November 1844 wurde Bräckow des Mordes für schuldig befunden. Er sollte mit „der Strafe des Rades von unten herauf vom Leben zum Tode“ befördert werden. Seine Frau sollte ebenfalls durch das Rad sterben, jedoch von oben nach unten, was mit weniger Qualen verbunden war.

Tod durch das Schafott

In einem Berufungsverfahren wurden die Strafen noch einmal verändert. Bräckow sollte nunmehr auf dem Schafott durch das Beil sterben. Die Ehefrau wurde zu 30 Jahren Strafanstalt begnadigt. Am 30. März 1846 wurde das Urteil vollstreckt. „Demgemäß ist der August Bräckow heute Morgen in der siebenten Stunde auf der Richtstätte bei Belzig öffentlich durch Henkershand vom Leben zum Tode gebracht“, heißt es in der darauf erschienenden Warnungsanzeige.

Nachdem die Infos zu den bekannt gewordenen Funden durchsickerten, steigt das Interesse der Bad Belziger an dem Fall. Insbesondere die Nachricht der festgestellten Sargbestattung und der Besuch des Kriminalbiologen Mark Benecke auf dem Galgenberg heizen die Gerüchteküche an. Auch zwei Fernsehteams begleiteten die Arbeiten.

Von Christiane Sommer

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