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Bad Belzig Digitalisierung: Stadt und Land passen nun in die Hosentasche
Lokales Potsdam-Mittelmark Bad Belzig Digitalisierung: Stadt und Land passen nun in die Hosentasche
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18:06 29.11.2018
Der für Digitalisierung zuständige Staatssekretär Thomas Kralinski (l.) macht ein Selfie und hält den Moment auf seiner Handykamera fest: den Startschuss zur Entwicklung der „Smart Village App.“ Quelle: André Großmann
Bad Belzig

Per Tastendruck den Arzt bestellen, lokale Neuigkeiten mit dem Handy berichten und Termine für die Vereinsarbeit koordinieren, all das soll mit einer App möglich sein. Ziel ist es, mit dem Programm „Smart Village“ Verwaltungsangebote, Nachbarschaftshilfen, Mobilitätsangebote und regionale Informationen zu bündeln.

Vereinbarung zur Digitalisierung

Hierfür arbeiten die Landesregierung und die Stadt Bad Belzig eng zusammen. Bürgermeister Roland Leisegang und der für Digitalisierung zuständige Staatssekretär Thomas Kralinski unterzeichneten in der Steintherme eine Kooperationsvereinbarung. „Wir wollen mithilfe der Digitalisierung die Lebensqualität gerade im ländlichen Raum verbessern“, sagte Kralinski weiter. Hierfür biete die App Chancen, um Wege zu verkürzen und Informationen auszutauschen.

Starttermin voraussichtlich im zweiten Quartal 2019

Mit 65.000 Euro beteiligt sich die Landesregierung an der Erstellung der App. Programmiert wird sie vom Softwareentwickler „Ikusei“ aus Berlin. Dessen Geschäftsführer Philipp Wilimzig hält einen Starttermin der App im zweiten Quartal 2019 für möglich.

Die Software soll dann sowohl für Apple-Geräte, als auch für Smartphones mit dem Betriebssystem Android erscheinen. Auch Bürger, die laut Wilimzig „nicht so computeraffin“ sind, sollen per Handy von einer einfachen Nutzbarkeit profitieren. „Mit der App habe ich quasi die ganze Stadt in der Hosentasche“, sagt der Entwickler.

Die Inhalte sind entscheidend

Bad Belzigs Bürgermeister Roland Leisegang ist sich sicher, dass sich durch die „Smart Village App“ Tore für Arbeitnehmer und „neue Welten“ öffnen. Für den Start der Anwendung seien laut Leisegang die Inhalte, die den Programmierern zugeliefert werden, entscheidend. Diese müssten von der Stadt generiert werden. Privat nutzt das Stadtoberhaupt bislang eher die „Wetter-App“ und die „Müllmann-App“ von der Abfallwirtschaft Potsdam-Mittelmark. Doch Leisegang sei offen und dankbar für neue Ideen.

Er betonte, dass analoge Nutzer oder digitale Einsteiger „manchmal etwas um ihre alten Denkmuster“ kreisen. Deshalb sei es für die Region umso wichtiger, von neuen Gedanken zu profitieren. „Digitalisierung wird die Art und Weise, wie wir denken und arbeiten auch verändern. Das ist die schwierigere Aufgabe, als das eigentliche Programmieren“, äußerte Staatssekretär Kralinski weiter.

Roland Leisegang erhofft sich, dass die Anwendung einen dauerhaften Nutzerkreis findet und „permanent mit neuen Inhalten“ bespielt wird. Er empfindet die Zusammenarbeit mit dem Gründer des Kreativ-Projekts „Coconat“ Janosch Dietrich für einen „unglaublichen Gewinn.“ Der 40-Jährige hatte den Antrag für die digitale Modellregion bei der Landesregierung und der Medienanstalt Berlin-Brandenburg (mabb) eingereicht.

Coconat als Vorzeigeprojekt auf dem Land

Bad Belzig setzte sich hierbei gegen zehn Mitbewerber als digitale Modellgemeinde durch. Auch die Gemeinde Wiesenburg will beim digitalen Projekt dabei sein. So stimmten die Gemeindevertreter Dienstagabend einer Mitgliedschaft im zu gründenden „Smart Village-Verein“ zu.

„Coconat“ hat seinen Sitz im Gutshof Klein Glien bei Bad Belzig und bietet Freiberuflern und Startups zeitlich befristet digitale Arbeitsplätze, Unterkunft und Verpflegung. Das Projekt war im Oktober 2017 als „Demografie-Beispiel des Monats“ ausgezeichnet worden.

Es wirbt dafür, mit Gleichgesinnten in Ruhe zu arbeiten und bei Pausen Entspannung in der Natur zu finden. Interessierte können auf dem Gutshof Konferenzräume und Arbeitsbereiche mieten. Das Konzept wird ergänzt durch eine Bibliothek, Übernachtungsmöglichkeiten und Gastronomie.

Projekt mit Vorbildfunktion

Staatssekretär Thomas Kralinski lobt die Kreativität, die die App freisetze. „Es kann etwas Großes entstehen, das weit über Bad Belzig und Brandenburg hinausstrahlt“, kommentierte der 46-Jährige.

Für ihn ist es deshalb umso wichtiger, dass Digitalisierung für die Menschen vor Ort „nutzbar und erfahrbar“ wird. Dazu solle die App einen Beitrag leisten. Was bei der „Smart Village App“ entwickelt und erprobt wird, soll später auch in dünn besiedelten Regionen wie der Uckermark und Prignitz genutzt werden.

Von André Großmann

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