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Bad Belzig „Fläming Ensemble“ will jetzt Mundart singen
Lokales Potsdam-Mittelmark Bad Belzig „Fläming Ensemble“ will jetzt Mundart singen
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06:27 08.08.2018
Das "Fläming Ensemble" während einer Probe. Die Musiker wollen jetzt Lieder in flämischer Mundart singen. Quelle: Christiane Sommer
Bad Belzig

Die kreative Pause des „Fläming Ensembles“ geht zu Ende. „Zum Altstadtsommer in Bad Belzig werden wir wieder zu hören sein“, kündigt Ronald Heber an. Der Kurstädter steht an der Spitze der siebenköpfigen Musikformation, die sich der Pflege des Volksliedes verschrieben hat.

Das allein war dem gebürtigen Eislebener, für den der Fläming seit 38 Jahren Heimat ist, auf Dauer jedoch zu wenig. Nachdem das Ensemble gegründet war, machte er sich viele Gedanken. Auch über die Flamen, die den Landstrich im 12. Jahrhundert besiedelten. „Die Menschen haben damals schließlich auch ihre Lieder mitgebracht“, beginnt der 59-Jährige zu erzählen.

Mundart ist in Vergessenheit geraten

In dieser Folge begann er, nach Liedgut zu suchen, das die Flamen hierzulande einst gesungen haben könnten. Die Suche erwies sich bald als schwierig, sollte aber dennoch von Erfolg gekrönt werden. In einem Antiquariat entdeckte der Bad Belziger ein „Flämisches Liederbüchlein“ aus dem Jahr 1917. Herausgeber war die Deutsch-Flämische Gesellschaft, die es damals für die Flamen in Deutschland drucken ließ.

Für Heber hatte das vergilbte Büchlein sofort Goldstaubcharakter. Mit der Druckschrift in der Hand stellte sich bald die nächste Herausforderung ein. Der Hobbymusiker sah sich der Frage gegenüber, wie die alten Lieder wohl einst gesungen wurden? Schließlich ist die flämische Mundart in Vergessenheit geraten.

Gemeinsam unterwegs seit 2016

Das „Fläming Ensemble“ wurde 2016 in Lübnitz aus der Taufe gehoben.

Erste öffentliche Auftritte fanden in der Reha-Klinik „Hoher Fläming“ und beim „Festival für Freunde“ in Dahnsdorf statt.

Die Musiker sind auch in anderen Chören aktiv.

Seine Vision – flämische Lieder im Fläming zu singen – wollte er dennoch nicht aufgeben. Zwischenzeitlich war auch das Ensemble eingeweiht und von der Idee begeistert. Ronald Heber forschte also weiter und suchte bei der Belgischen Botschaft in Berlin nach Unterstützung.

Er erzählte vom „Flämischen Liederbuch“ und dem Wunsch der Formation, für den Fläming in der Mundart der Altvorderen zu singen. Das enthusiastische Vorhaben fand Gehör, die Idee wurde für gut befunden und der Kontakt zu Katelijne Philips-Lebon in Berlin vermittelt. „Sie hat uns dann ausgewählte Texte auf CD gesprochen“, erzählt Heber.

Am Originalsatz orientieren

Damit konnte die sprachliche Arbeit beginnen. Insbesondere für Jana Leschky (Sopran), Wolfgang Süßenberger (Bass) und Ronald Heber (Bariton). Während sie den sprachlichen Part der Lieder einstudierten, widmeten sich Christina Jakoby, Helmut Engels, Peter Strümpel (alle Geige), Eberhard Hünig (Schlagzeug) sowie Bandleiter Heber (Gitarre) den instrumentalen Herausforderungen. Ziel war, sich so weit wie möglich am Originalsatz der uralten Takte zu orientieren.

Zwischenzeitlich wird intensiv am neuen Programm gearbeitet. Wöchentlich treffen sich die Musiker zur Probe. Während des Altstadtsommers sollen die einstudierten flämischen Volksweisen erstmals öffentlich zum besten gegeben werden. Neben altbekannten Volksliedern und solchen aus Russland, Frankreich, Irland, Schottland, Tschechien und anderen Ländern.

Viel Unterstützung erfahren

Das „Fläming Ensemble“ um Ronald Heber wird damit die erste Gesangsgemeinschaft sein, die in hiesiger Region flämisch singt. Zwischenzeitlich hat der 59-Jährige weitere alte Liederbücher in Antiquariaten entdeckt. „Damit ist eigentlich ein Repertoire ohne Ende möglich“, sagt er – und dankt allen, die ihn bei der Begegnung mit der verlorenen Sprache unterstützten.

Vom Heimatverein Jüterbog über den Fläming-Flandern-Verein Wittenberg bis hin zum Mitteldeutschen Trachtenverein. „Ich war überrascht, wie viele Menschen sich bereits mit der Sprache beschäftigen“, fasst der Hobbymusiker zusammen.

Von Christiane Sommer

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