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Bad Belzig Gedenken an die Reichsprogromnacht
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12:44 07.11.2018
Rudi und Ida Sachs leiteten ein Kaufhaus in der Sandberger Straße. Bei der Reichsprogromnacht am 9. November 1938 wurde auch ihr Geschäft zerstört. Quelle: Repro Chronik Bad Belzig
Bad Belzig

Die Reichspogromnacht jährt sich am 9. November zum 80. Mal. Antisemiten zogen damals durch Belzig und zerschlugen die Schaufensterscheiben jüdischer Geschäfte. Betroffen war auch das Sachs-Warenhaus in der Sandberger Straße. Hier arbeiteten Ida und Rudi Sachs. Sein Vater, der Sozialdemokrat Hugo Sachs war zu diesem Zeitpunkt bereits seit 13 Jahren tot. Mit einem Gedenkspaziergang, initiiert von der Arbeitsgruppe (AG) „Jüdisches Leben in Belzig“, wird Freitag daran erinnert.

Nachruf auf Hugo Sachs

Wolf Thieme vom SPD-Ortsverein Bad Belzig, der sich in der AG engagierte und bereits 2017 das Setzen eines Stolpersteines für den jüdischen Kaufmann Dagobert Bornheim anschob, will an Hugo Sachs erinnern. Er starb am 13. November 1925. Wenige Tage nach seinem Tod schaltete der Belziger Ortsverein der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (SPD) im „Zauch-Belziger Kreisblatt“ eine Todesanzeige. Die Sozialdemokraten verabschiedeten sich mit dem Inserat von dem Parteigenossen, der nach einer Operation in Berlin gestorben war. „Im Alter von 55 Jahren und an den Wunden aus dem Ersten Weltkrieg“, erklärt Thieme und zeigt den Nachruf.

Dank für politisches Engagement

Der vergilbte Zeitungsabschnitt gewährt Einblicke in Sachs politisches Engagement. Es heißt: „Genosse Hugo Sachs hat in seiner mehrjährigen Tätigkeit als Mitglied unserer Stadtverordnetenfraktion stets die Interessen seiner Wähler und des arbeitenden Volkes in uneigennütziger Weise vertreten, und die Partei hat an Hugo Sachs sehr vieles verloren. Nicht viel reden, sondern handeln war seine Devise. Wir werden unserem Hugo Sachs über das Grab hinaus ein dankbares und ehrendes Andenken bewahren.“ Das Begräbnis fand am 18. November auf dem jüdischen Friedhof in Beelitz statt. Alle Parteigenossen waren aufgefordert, an der Beerdigung teilzunehmen.

Boykott und Angriff auf das Geschäft

Nach Sachs Tod ging das Leben in Belzig weiter. Ida, seine Witwe, und Sohn Rudi führten das Kaufhaus in der Sandberger Straße, heute Nummer 10, in seinem Sinne fort. Die Belziger kauften weiter bei ihnen. Im Frühjahr 1933 begann sich das Blatt aber zu wenden. So wurde das Geschäft immer weitreichender boykottiert. Dennoch hielten einige Belziger der Familie Sachs die Treue. So gingen sie einfach durch das Hinterhaus in der Wallstraße, um im Geschäft einzukaufen. In der Pogromnacht am 9. November 1938 verschärfte sich die Situation. Antisemiten zogen durch die Straßen und zerschlugen die Schaufensterscheiben jüdischer Geschäfte. Auch die vom Warenhaus der Familie Sachs.

Rudi Sachs wurde im Verlauf der Übergriffe verhaftet. Im Konzentrationslager Sachsenhausen, wo er vorübergehend inhaftiert war, zwangen ihn die Nationalsozialisten zum Verkauf seines Geschäfts. Kurz vor Kriegsbeginn gelang es dem jungen Mann, ins chinesische Shanghai zu fliehen und später seine Mutter nachzuholen. Ida Sachs starb im Jahr 1944. Als der Krieg zu Ende war, wanderte Sachs in die USA aus. Er ließ sich in San Francisco nieder, wo er 1992 verstarb. Das Grab seines Vaters, an dem die Belziger Sozialdemokraten 1925 Abschied nahmen, ist auf dem Jüdischen Friedhof in Beelitz erhalten.

Der Gedenkspaziergang zum Thema „80 Jahre Reichsprogromnacht“ startet am 9. November um 17 Uhr am Torhaus der Burg Eisenhardt. Um 18 Uhr folgt ein Gedenkkonzert in der Marienkirche.

Von Christiane Sommer

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