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Bad Belzig So versucht eine Frau, der Schuldenfalle zu entkommen
Lokales Potsdam-Mittelmark Bad Belzig So versucht eine Frau, der Schuldenfalle zu entkommen
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16:45 11.10.2018
Eine Schuldnerin lässt sich von Aline Liebenow beraten. Quelle: André Großmann
Bad Belzig

Hilflosigkeit, Zweifel und Schulden bestimmten das Leben von Daniela Meyer (Name geändert). Bis zu 30 Gläubiger forderten von der Bad Belzigerin Geld zurück. Die Summe der Verbindlichkeiten wuchs auf 58.000 Euro an. Meyers erster Mann verstarb jung, sie hatte ein Grundstück und kümmerte sich allein um den Nachwuchs. Ihr ältester Sohn blieb, gründete ebenfalls eine Familie und baute auf ihrem Grundstück. Die Mittelmärkerin übernahm eine Bürgschaft. „Ich konnte mich davon nicht lösen. Obwohl ich eigentlich wusste, das schaffst du nicht allein“, sagt die 68-Jährige.

Rechnungen flatterten ins Haus

Die Ehe ihres Sohnes ging in die Brüche, Kredite konnten nicht mehr bezahlt werden. Meyers Haus stand vor der Zwangsversteigerung, offene Rechnungen stapelten sich. Für sie war dies der Moment, Hilfe zu suchen. „Ich bin durch verschiedene Türen gegangen, immer mit einem ganz schweren Herzen“, sagt die Mittelmärkerin. Heute bereut die Schuldnerin, nicht schon früher Hilfe angenommen zu haben. Der Weg zur Schuldnerberatung sei lang gewesen, den Umfang ihrer finanziellen Probleme konnte sie zunächst nicht überblicken. „Es war hart, ich wünsche es keinem, ich möchte es auch nie wieder erleben.“

7,6 Prozent überschuldet

Laut Amt für Statistik Berlin-Brandenburg sind momentan 15.628 Haushalte im Landkreis Potsdam-Mittelmark überschuldet. Dies entspricht 7,6 Prozent der Bevölkerung.

Im ersten Halbjahr des Jahres 2018 meldeten 96 Menschen im Landkreis Potsdam-Mittelmark Verbindlichkeiten in Höhe von 3,4 Millionen Euro an.

Während die Zahl der eröffneten Verbraucherinsolvenzerfahren im ersten Halbjahr 2018 in Bad Belzig innerhalb eines Jahres um einen Fall stieg, reduzierte sich die Zahl in Treuenbrietzen um einen Fall.

In Wiesenburg halbierte sich die Zahl der eröffneten Verbraucherinsolvenzverfahren im Vergleich zum ersten Halbjahr 2017 von 4 auf 2 Fälle.

Sich die Tragweite der Situation einzugestehen, habe Jahre gedauert. „Du musst versuchen, die Vergangenheit hinter dir zu lassen und nach vorne schauen“, sagt Meyer. Seit vier Jahren lässt sich Meyer bei der der Awo-Schuldnerberatung in der Brücker Landstraße 1 b helfen. So hat sie es bereits geschafft, 20.000 Euro Schulden abzubauen. Hoffnung und Motivation erhält sie durch die Bilder ihres Enkels und bei der Gartenarbeit.

Schuldnerberatung sucht nach Lösungen

Schuldnerberaterin Aline Liebenow überprüft Forderungen der Gläubiger und sucht nach Lösungen. Wenn Zahlungen akzeptiert werden, muss Meyer nicht in ein Insolvenzverfahren und wäre restschuldbefreit. Wenn dies nicht funktioniert, bleibt nur der Gang in die Insolvenz. Liebenow setzt den Gläubigern eine Frist von drei bis vier Wochen. Durch die Witwenrente ist Meyer pfändbar, was die Situation erschwert. „Wir gehen keinen Weg, den sie nicht gehen will. Die Entscheidung muss von ihr kommen“, sagt die Schuldner-und Insolvenzberaterin.

Die Zahl der Schuldner habe sich in den letzten Jahren erhöht, weiß Liebenow. Dabei sind die Ursachen, die zu einer Verschuldung führen vielfältig. Häufig zählen Arbeitslosigkeit, ein niedriges Einkommen, Trennung, Scheidung, Todesfälle und Krankheiten dazu.

Von André Großmann

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