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Bad Belzig Grundriss eines Hintersassenhauses entdeckt
Lokales Potsdam-Mittelmark Bad Belzig Grundriss eines Hintersassenhauses entdeckt
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18:54 09.07.2018
Bei Grabungen in der Bad Belziger Mauerstraße hat Archäologe Thomas Langer verschiedene Relikte aus der Vergangenheit entdeckt. Quelle: Christiane Sommer
Bad Belzig

„Das ist ein Fußboden aus Stampflehm“, erklärt der Bad Belziger Archäologe Thomas Langer und deutet auf eine feste graue Fläche unter seinen Füßen. Wandfragmente um ihn herum weisen auf die Umfassungsmauern eines Hauses hin. Mittendrin die Reste eines Ofens.

Langer strahlt. Der Bauboom in der Kur- und Kreisstadt hat in den vergangenen Wochen wieder einmal die Gelegenheit gegeben, einen Blick in die Vergangenheit der Stadt zu erhaschen. Dabei kamen in der Mauerstraße die Spuren eines Hintersassenhauses zum Vorschein. „In einem sehr guten Erhaltungszustand und so für uns völlig neu“, erläutert der Altertumsexperte. Er zeichnete für die gesetzlich vorgeschriebene baubegleitende archäologische Grabung verantwortlich.

Bauplan von Brandschutt bedeckt

Während in der parallel verlaufenden Straße der Einheit noch heute Ackerbürger- und Bürgerhäuser vom Wohlstand der ehemaligen Bewohner künden, hatten sich in der Mauerstraße – in Stadtrandlage damals – Büdner und so genannte Hintersassen angesiedelt. Sie gehörten der ärmeren Schicht an. Ihr Besitz beschränkte sich auf ein einfaches kleines Haus mit einem winzigen Hof.

Mit dem Fund ist es den Experten gelungen, quasi den Bauplan eines solches Hintersassenhauses freizulegen. Er wurde circa 75 Zentimeter unter dem heutigen Straßenniveau entdeckt und war von einem halben Meter Brandschutt bedeckt. Der wiederum hat die Überreste des Hauses nach Aussage des Grabungsteams hervorragend konserviert. Erbaut im späten Mittelalter, fiel es vermutlich während des Dreißigjährigen Krieges (1618 bis 1648) den Flammen anheim.

Mist durch den Hausflur getragen

Die jeweiligen Grundstücksbesitzer aus der heutigen Straße der Einheit hatten über Jahrhunderte ein Durchgangsrecht in die Mauerstraße.

Es gestattete dem Eigentümer aus der Straße der Einheit 10 von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang durch das Hintersassengehöft in die Mauerstraße 9 zu gehen.

Doch nicht alle Häuser in der Mauerstraße hatten eine eigene Hofzufahrt.

In Ermangelung einer solchen mussten einige Besitzer der Mauerstraße bis in das 20. Jahrhundert hinein den Mist ihres Kleinviehs durch den Hausflur tragen.

Auf dem Grundstück Mauerstraße 9 wird demnächst ein Praxisneubau errichtet.

Langer deutet auf die für das Auge des Laien kargen Überreste der Wände und farblichen Veränderungen im Erdreich. Wie in einem Buch beginnt er daraus zu lesen. Er erklärt, dass die dunklen Spuren in der Erde eine massive Brandeinwirkung andeuten. So, wie die Ahnen der heutigen Bad Belziger sie im April 1636 erlebten, als schwedische Söldner die Stadt plünderten und anzündeten. In der Eilerschen Chronik heißt es dazu: „Die Bürger und Einwohner, deren vormahls 243 gewesen, seyn allesamt ins Elend vertrieben, und darinn bis auf ihrer achtzehen elendiglich Verstorben und umkommen.“

Dann deutet der Experte auf die unterschiedlichen Baumaterialien. „Man hat alles verbaut, was man finden konnte“, sagt er und greift nach einem alten Ziegelstein. Der ist auffallend groß im Vergleich zu heutigen Formaten. „Das ist ein Formstein, der zwischen 1480 und 90 in Belzig gebrannt wurde“, so Langer weiter. Mehr als 100.000 Stück wurden davon produziert.

Die Archäologen haben außerdem Scherben und andere Siedlungsspuren aus den vergangenen Jahrhunderten gefunden. Quelle: Christiane Sommer

Für das Schloss Wittenberg und die Burg Eisenhardt in Belzig – an der der sächsische Kurfürst keinen geringeren als Konrad Pflüger, einen der führenden Baumeister seiner Zeit, bauen ließ. Neben den etwa neun bis zehn Zentimeter hohen Ziegelsteinen wurden für das Hintersassenhaus auch Feldsteine, gotische Dachziegel und diverse Bruchstücke verbaut. Ganz anders als in den Bürgerhäusern der Straße der Einheit, für die die jeweiligen Eigentümer als Ausdruck des Wohlstandes bereits glasierte Ofenkacheln orderten.

Weiter stellten die Archäologen eine mittelalterliche Münze, einen Taler aus dem 18. Jahrhundert, Scherben und viele weitere Siedlungsspuren aus den letzten Jahrhunderten fest. Der spektakulärste jedoch bleibt der Grundriss des Hintersassenhauses. Während auf ihm in Kürze wieder ein neues Haus entstehen wird, werden alle anderen Funde im Depot des Brandenburgischen Landesamtes für Archäologie für nachfolgende Generationen aufbewahrt.

Von Christiane Sommer

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