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Hochzeit mit Hindernissen

Diamanthochzeit in Borkheide Hochzeit mit Hindernissen

Das Kleid sitzt, die Gäste warten – doch der Bräutigam fehlt. Mittlerweile kann Eva Dietrich aus Borkheide über ihren beinahe misslungenen Hochzeitstag lachen. Zum diamantenen Hochzeitstag erinnert sie sich mit ihrem Mann Horst an seine schier unendliche Reise zur eigenen Hochzeit.

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Eva und Horst Dietrich erinnern sich gern.

Quelle: Andreas Koska

Borkheide. Damals, im Juli 1956, hatten die Nachbarn schon gemunkelt, der Bräutigam habe sich aus dem Staub gemacht. Dabei konnte Horst Dietrich, Ehemann in spe, gar nichts dafür, dass er zur eigenen Vermählung beinahe zu spät gekommen war.

Alles war geplant gewesen. Polterabend und Hochzeit waren organisiert, Eva Dietrichs Kleid saß. Horst, damals bei der Marine, hatte Urlaub bekommen – alles hätte so einfach sein können. Doch als das Schiff nach einem Manöver in Peenemünde einlief, musste Horst Dietrich noch seinen Urlaubsschein abstempeln lassen. Auf Usedom ging das nicht, er solle nach Rügen fahren, hieß es. Das war am 18. Juli 1956, drei Tage vor der Hochzeit.

Die Dienststelle in Sassnitz war geschlossen

Horst Dietrich saß wie auf heißen Kohlen. Die Strecke nach Sassnitz überwand der Matrose noch mühelos, schon am nächsten Tag nahm ihn jemand mit nach Rügen. Die dortige Dienststelle war geschlossen, kein Stempel, kein Urlaub. Dietrich wurde immer unruhiger, wohl wissend, dass im heimischen Bitterfeld seine Braut nebst der komplettem Hochzeitsgesellschaft wartete. Schließlich kam ihm die zündende Idee. Dietrich ging einfach zum Zoll und erklärte den dortigen Kollegen sein Dilemma. „Mir war doch egal, wer da welchen Stempel draufsetzte“, erinnert er sich. Zum Glück hatte man Verständnis für die Nöte des Bräutigams, er konnte sich endlich auf den Heimweg machen.

Sie haletn fest zusammen

Sie haletn fest zusammen: Das Diamantpaar von Borkheide.

Quelle: Andreas Koska

Von Sassnitz aus ging es mit dem Zug nach Stralsund. Hier verpasste der verzweifelte Dietrich den Anschlusszug in Richtung Halle. Zur gleichen Zeit kam in Bitterfeld langsam aber sicher Unruhe auf. „Die Kinder wollten poltern, ohne Horst ging es aber doch nicht“, sagt Eva Dietrich. Ihr Horst saß längst in der Bahn, Bitterfeld kam näher – doch der Zug hielt nicht an. Dietrich musste bis nach Halle fahren, dort erneut warten und zurück nach Bitterfeld.

Dreckig, unrasiert und todmüde

Als er endlich dreckig, unrasiert und todmüde ankam, waren die Polterkinder längst ins Bett gegangen. Die Erwachsenen wiederum wollten nicht ohne das Paar feiern. Es hieß also für alle warten, denn zunächst wurde der Bräutigam fein gemacht. Ein befreundeter Friseur griff beherzt zur Schere und verpasste dem Lockenkopf Facon, der Reiseschmutz wurde in der Badewanne abgeschrubbt. Nun stand der großen Feier nur noch eines im Weg: das Traugespräch in der Kirche. Punkt 22 Uhr war das Paar beim Pfarrer einbestellt – Horst Dietrich war nicht konfirmiert, deshalb war der Termin nötig. Zum Glück hatte der Marinesoldat jeden freien Tag im Heimathafen Stralsund genutzt und den Konfirmandenunterricht besucht, er war gut vorbereitet.

Jetzt war aber wirklich der Zeitpunkt zum Poltern gekommen, dachte zumindest Eva Dietrich. Ihr Horst wollte nur einen Moment die Augen schließen, sich kurz von den Strapazen der letzten tage erholen – und war nicht mehr wachzukriegen. Eva Dietrich feierte den Polterabend ohne ihren künftigen Ehemann.

Eigentlich passte er gar nicht zu ihr

„Dafür verlief die Hochzeit nach Plan“, sagt die heute 81-Jährige. Ihren Horst schaut sie noch immer so verliebt an wie vor 60 Jahren.

Dabei gab es schon beim Kennenlernen der beiden zwei Hindernisse. Eva hatte zwei Ideale im Kopf, die ihr Traummann erfüllen sollte: größer als sie sollte er sein. und tanzen können. „Nimm dir keinen Mann, der nicht tanzen kann, denn dann musst du immer rumsitzen“, hat ihr ihre Mutter eingebläut.

Als Horts sie bei einem Tanzfest 1954 auffordert, ist er kleiner als Eva. Und tanzen kann er auch nicht. Trotzdem verguckte sich Eva in ihn, ihrer Freundin erzählt sie am selben Abend mit strahlenden Augen, dass dieser junge Mann der richtige sein könnte.

Das Tanzen mit dem Karabiner geübt

Drei Monate später, in Horsts nächstem Urlaub, haben sich zwei Dinge geändert. Der 18-jährige hatte einen Wachstumsschub, zudem hat er das Tanzen gelernt. „Wenn ich nachts auf Wache stand, habe ich das Tanzen mit dem Karabiner geübt“, sagt er und schmunzelt. Er habe sofort gewusst, dass die ein Jahr ältere Eva die Frau fürs Leben sei.

Die beiden haben Recht behalten. Nach der Hochzeit mit Hindernissen bekam das Paar drei Kinder. Ende der 60er Jahre pachtete die Familie ein Wochenendgrundstück in Borkheide. Anders als in Bitterfeld konnte der Nachwuchs hier bestens im Grünen spielen. Seit 1995 wohnen die Dietrichs ganz in der Waldgemeinde; das Grundstück haben sie gekauft.

Die fünf Enkel und vier Urenkel toben fröhlich über das Grundstück. An ihrem diamantenen Hochzeitstag wird die Familie jedoch außerhalb sein, die Brautleute unternehmen eine Flusskreuzfahrt – allerdings gemeinsam, so dass nichts schief gehen kann.

Von Andreas Koska

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