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Bad Belzig 60 Jahre verheiratet – nach einer Fahrradpanne
Lokales Potsdam-Mittelmark Bad Belzig 60 Jahre verheiratet – nach einer Fahrradpanne
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16:07 26.09.2018
Inge und Ernst Wolter sind seit 60 Jahren verheiratet und lieben sich noch immer. Quelle: Andreas Koska
Ragösen

Es war Ende August, Anfang September vor 62 Jahren. Nach einem Tanzabend in Oberjünne wollte Inge Wegner zurück nach Lütte, wo die damals 16-Jährige wohnte. Doch ihr Fahrrad hatte einen Platten. Die Hilfe ließ dennoch nicht lange auf sich warten. Ernst Wolter hatte ein Moped, einen „Hühnerschreck“ und half der jungen Dame galant, quer durch den Busch, nach Hause zu kommen. „Er zog und schob mich“, sagt Inge heute lachend.

„Als wir am Bahnhof im Lütte angekommen sind, sagte sie danke und war weg“, erinnert sich Ernst. Der Cammeraner fuhr zurück, aber am nächsten Tag stand er wieder an dem Bahnübergang und pfiff. „Eine Tür ging auf und unsere Liebe begann“, sagt er. Die Liebe dauert bis heute an. Vor genau 60 Jahren wurde sie am 27. September 1958 zuerst im Lütter Standesamt und danach in der Kirche besiegelt.

Lange gemeinsame Geschichte

Da war Inge zum ersten Mal schwanger. Das Paar hat drei Söhne und freut sich inzwischen über fünf Enkel. Im März ist die erste Urenkelin Emma auf die Welt gekommen. Dabei war die erste Zeit in Lütte für Inge nicht einfach. Sie kam mit Oma, Mutter und drei Geschwistern als Flüchtling in das Flämingdorf. Die Familie wurde geteilt, drei wohnten bei Benkes, drei bei Hübners, denn so viel zusätzlichen Wohnraum hatte niemand.

Ernst ist in Cammer geboren und dort aufgewachsen. Seine Oma war die Hebamme und half bei der Geburt. Im familieneigenen landwirtschaftlichem Betrieb absolvierte er eine Lehre und wurde Bauer. Er wollte den elterlichen Betrieb übernehmen, was mit der Kollektivierung aber nicht möglich war.

So begann er im Stahlwerk zu arbeiten, wurde Schichtleiter und trat in die SED ein. Bei einem Kneipengespräch sagte er zum damaligen Bürgermeister von Lütte, dass er dies auch könne. Prompt wurde er 1969 zum Bürgermeister von Ragösen gewählt. Er sollte es bis zu der politischen Wende bleiben. Seine Frau arbeitete 30 Jahre im Lütter Gemeindebüro.

1990 wagten beide den Sprung in die Selbstständigkeit. Obwohl sie nur einen kleinen Garten hatten, starteten sie einen Obst- und Gemüsehandel. „Wir haben nur mit Ware aus Ragösen und Umgebung gehandelt und es hat sich wirklich gelohnt, der Umsatz stieg stätig“, berichtet Wolter. Seiner Frau Inge machte es ebenfalls Freude. „Aber die Arbeit war schwer, wir mussten bei Hitze im Sommer und Kälte im Winter draußen stehen“, erinnert sich die ehemalige Sekretärin.

„Die Liebe ist immer noch da“

„Ist der Handel noch so klein, bringt er mehr als Arbeit ein“, zitiert Ernst ein Sprichwort, das seiner Meinung nach zutreffend ist. Und so fuhren die beiden auf die Märkte nach Brandenburg und Wittenberg. In dieser Zeit kauften sie die alte Ragösener Schule, in der sie bis heute wohnen.

War es ihnen in der DDR-Zeit nur möglich, mit den Kindern nach Zinnowitz an die Ostsee zu fahren, befuhren sie jetzt fast alle Länder rund ums Mittelmehr, darunter Tunesien, Griechenland und die Türkei. Die letzte große Reise führte die beiden 78-jährigen vor kurzem nach St. Petersburg und Moskau. „Da sind wir zum ersten Mal im Schlafwagen gefahren“, berichtet Inge.

Jetzt wird zweimal gefeiert. Am Tag der Diamantenen Hochzeit mit Freunden und Nachbarn und am Sonnabend mit der gesamten Familie. „Die Liebe ist zwischen uns immer noch da“, sagt Inge und lächelt, während Ernst eher dazu nickt.

Von Andreas Koska

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