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Bad Belzig Wie Bollywood in den Hohen Fläming kam
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08:15 28.07.2018
Tanzlehrerin Annette Peters (3. v. r.) bietet Workshops für Bollywood-Tänze an. Quelle: Nicole Grund
Bad Belzig

Zuallererst fallen die klirrenden Glocken der Gürtel und die farbenfrohe Kleidung der Tänzerinnen im Saal der Tanzschule Mierisch in Bad Belzig auf. Bevor jedoch mit den eigentlichen Schritten begonnen werden kann, steht erstmal aufwärmen auf dem Programm.

Wer sich schon immer mal in die Geheimnisse des indischen Tanzes einführen lassen wollte, der wird bei Annette Peters in Bad Belzig fündig. Die Tanzlehrerin bietet Kurse im Bollywood-Tanz an.

Die Teilnehmerinnen und ihre Lehrerin laufen und hüpfen im Raum umher. Dazu erklingt zunächst noch westliche Popmusik. Danach wird weiter gedehnt und gelockert, um die Verletzungsgefahr zu minimieren. Denn Bollywood-Tänze, die hier einstudiert werden sollen, sind nicht nur schön anzusehen, sondern auch sehr anstrengend.

Tänze stammen aus Indien

Die Tänze stammen aus den gleichnamigen indischen Filmen, die in der Region Bombay – heute Mumbai – gedreht werden. Sie sind geprägt von vielen Gesangs- und Tanzeinlagen in bunten Kostümen und bieten damit Vorlagen für das Nachtanzen.

Nach den Aufwärmübungen wechselt die Musikrichtung und es sind indische Klänge aus den Lautsprechern zu hören. Die Frauen stellen sich im Kreis auf und beginnen mit dem Üben der Choreografie. Der Tanz, den die Frauen derzeit üben, heißt Pinga.

Choreografien werden selbst entworfen

Dieser wird von Frauen untereinander getanzt und stellt eine Art Tanzspiel dar, bei dem sich die Tänzerinnen gegenseitig herausfordern. Der Tanz ist aber ziemlich schnell, sodass er auch die Kursteilnehmer vor eine große Aufgabe stellt.

Die Choreografien, die Tanzlehrerin Annette Peters in ihren Kursen unterrichtet, entwirft sie teilweise selbst oder es handelt sich um Tänze, die in Bollywood-Filmen zu sehen sind. Die Teilnehmer sind nicht gezwungen, in indisch angehauchter Kleidung zum Kurs zu erscheinen. Die Tanzlehrerin berichtet aber, dass das Sammeln der Kostüme und Accessoires bei den meisten Teilnehmern mit der Zeit ganz von alleine komme.

Zwei Auftritte geplant

Als Synonym für die indische Filmindustrie ist der umgangssprachliche Begriff Bollywood weit verbreitet.

Dieser Begriff entstand in den 1970er Jahren und bezog sich ausschließlich auf indische Unterhaltungsfilme.

Aufgrund ihres kommerziellen Charakters hat ein indischer Filmkritiker die Filme in Anlehnung an die amerikanischen Filmstudios von Hollywood als „Bollywood-Filme“ betitelt.

Annette Peters ist seit 1996 Tanzlehrerin und hat zunächst in Dahnsdorf ein Tanzatelier für Frauen und Bewegung betrieben.

Dort unterrichtet sie arabischen und türkischen Tanz, Jazztanz- und Kindertanz.

Sie war auch fünf Jahre im Frauentanztheater „Die Arachnen“ aktiv.

Nach einer Zwischenstation in Mecklenburg-Vorpommern ist sie wieder nach Bad Belzig zurückgekehrt.

Die Tanzgruppe tritt in nächster Zeit beim Parkfest in Wiesenburg und beim Altstadtsommer in Bad Belzig auf.

Bollywood-Tanz ist aktuell ein riesiger Trend in Amerika, der gerade nach Deutschland herüberschwappt. Annette Peters selbst ist bereits vor Jahren durch eine ihrer Tanzschülerinnen zum Tanz aus den indischen Filmen gekommen. „Eine Schülerin hat immer wieder davon gesprochen, also habe ich mir ein Video ausgeliehen. Es war glücklicherweise ein guter Film“, sagt Peters lachend.

Sie schätzt an den Tänzen, dass für die Choreografien Elemente aus vielen Stilen genutzt werden. Diese Vielseitigkeit entspreche auch dem eigenen Naturell der Tanzlehrerin, wie sie betont. „Ich liebe diese Musik und man kann alles dazu machen.“

Fokus liegt auf der Freude am Tanz

Für Peters stellt der Tanz eine Möglichkeit dar, sich mit der eigenen Weiblichkeit auseinanderzusetzen. Deshalb ist es ihre Philosophie, die Frauen beim Tanzen kaum zu korrigieren. Sie sollen die Bewegungen aus sich selbst, aus ihrem Inneren erfahren. „Nur dort, wo die Technik wirklich wichtig ist, verbessere ich dann auch mal. Aber der Fokus liegt auf der Freude, nicht auf der Technik“, hebt die Choreografin hervor.

Außerdem sei es von Vorteil, wenn die Tanzgruppe aus Anfängern und Fortgeschrittenen bestehe. „Die Neulinge haben dann mehrere Vorbilder, an denen sie sich orientieren können. Auch Geduld ist gefragt“, weiß Peters. „Man muss langsam die eigenen Grenzen erweitern. Wer da zu ehrgeizig ran geht, kann schnell wieder die Lust verlieren.“

Die Bollywood-Tänze bieten den Tänzerinnen die Möglichkeit, sich mit der eigenen Weiblichkeit auseinanderzusetzen. Quelle: Nicole Grund

In der Tanzgemeinschaft sind auch Freundschaften entstanden. Die Teilnehmerinnen gehen vertraut miteinander um und duzen sich. Sie treffen sich auch privat – und sie treten beispielsweise bei Geburtstagsfeiern zusammen auf. Die Truppe besteht derzeit aus acht bis neun weiblichen Mitgliedern. Die Frauen würden sich jedoch über neue Teilnehmer freuen. „Auch Männer sind willkommen“, bekräftigen die Frauen lachend.

Das neueste Mitglied tanzt seit Februar dieses Jahres mit. Andere sind schon zehn oder gar 18 Jahren dem indischen Tanzstil verfallen. Die Gründe für die Begeisterung sind genauso unterschiedlich wie auch die Tänzerinnen. Katrin beispielsweise sieht im Bollywood-Work-out den besten Frauensport, der den ganzen Körper trainiere. Sie ergänzt: „Nach dem Training fühlt man sich glücklich kaputt.“

Das ganze Wesen wird angesprochen

Trixi hebt die Bedeutung der Frauengruppe an sich hervor, in der sie sich extrem wohl fühle. Für Sandra, die sich mit Unterbrechung bereits seit 18 Jahren indischen Tänzen widmet, liegt die Faszination in ihrer Liebe zum Tanzen und zur indischen Musik. „Bei den Bollywood-Tänzen wird das ganze Wesen angesprochen und man ist unabhängig von einem Tanzpartner“, ergänzt sie. Uda, das neueste Mitglied, sieht in der Tanzgruppe eine tolle Möglichkeit, sich selbst zu finden und die eigene Weiblichkeit kennenzulernen.

Die Tanzgruppe sieht auch in Auftritten ein tolles Gemeinschaftserlebnis. „Außerdem können wir anderen mit unseren Vorführungen Freude bereiten und versuchen, sie positiv anzustecken und so das Interesse für Bollywood-Tänze zu wecken“, sagen die Mitglieder der Tanzgruppe und ihre Leiterin.

Von Nicole Grund

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