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Katholiken segnen Gräber im Hohen Fläming

Erinnerung an die Verstorbenen Katholiken segnen Gräber im Hohen Fläming

Auf verschiedenen Friedhöfen im Hohen Fläming versammeln sich in dieser Woche katholische Christen und erinnern mit Liedern, Gebeten und Fürbitten an ihre Verstorbenen. Die Tage um Allerseelen nutzen sie für dieses Gedenken.

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Der katholische Pfarrer Burkhard Stegemann segnet ein Grab auf dem Friedhof an der Bricciuskirche in Bad Belzig

Quelle: Heiko Hesse

Bad Belzig. Solange man sich an einen Menschen erinnert, solange man seinen Namen kennt, ist er in den Herzen der Menschen nicht gestorben. Stephanie Gericke besucht regelmäßig die Gräber ihrer Familie auf dem Friedhof an der Bricciuskirche in Bad Belzig. Dieses Mal nicht allein: Ein halbes Dutzend Christen und der katholische Pfarrer Burkhard Stegemann traf sich zur Segnung der Gräber auf dem Gottesacker neben der Burg Eisenhardt. Noch bis zum kommenden Sonntag finden sogenannte Gräbersegnungen auf Friedhöfen in der Region statt.

„Für uns Katholiken ist Allerseelen der wichtigste Tag im Jahr, um die Verstorbenen zu erinnern“, sagt Pfarrer Stegemann. Allerseelen war am gestrigen Mittwoch. Um an möglichst vielen Gräbern Fürbitte halten und Segen spenden zu können, muss der Geistliche dieses besondere Gedenken auf die ganze Woche verteilen.

Alle Verstorbenen gleich behandeln

Wer mit dem Tode bestraft wurde – etwa für einen schweren Diebstahl oder einen Mord – war auf ewig aus der christlichen Gemeinschaft ausgeschlossen. So hat es Archäologie-Dozentin Marita Genesis im September 2016 gegenüber der MAZ erläutert, als sie mit Studenten die Gebeine der Hingerichteten am Bad Belziger Galgenberg geborgen hatte. „Die Delinquenten wurden so weit über den Tod hinaus bestraft, denn so war ihnen jede Chance auf das Paradies verwehrt. Das war die Höchststrafe in einer zutiefst gläubigen Zeit.“

Martin Gestrich, Pfarrer der Bad Belziger Mariengemeinde, hält das für falsch: „Niemand darf das Urteil Gottes vorwegnehmen und jemandem den Seelenfrieden auf ewig versagen“, sagt Gestrich. Deshalb hat der Pfarrer sich entschlossen, die auf dem Galgenberg ausgegrabenen Skelette auf dem Bricciusfriedhof zu beerdigen. „Meine Kirche behandelt alle Gestorbenen gleich“, sagt der evangelische Pfarrer, „auch wenn es schade ist, dass wir nur wenig über die Personen wissen, die wir jetzt beisetzen.“

Neben dem Friedhof an der Bricciuskirche war er bereits in Wiesenburg und Ragösen. Am Samstag geht es nach Brück (11 Uhr), Linthe (12 Uhr) und Treuenbrietzen (15.30 Uhr). in der Nikolaikirche in Treuenbrietzen ist um 17 Uhr ein Gottesdienst mit Fürbitten für die Verstorbenen aus der katholischen Pfarrerei St. Bonifatius geplant. Weitere Gräbersegnungen sind am Sonntag auf der Gertraudtenfriedhof (10 Uhr) und dem Waldfriedhof (11 Uhr) in Bad Belzig vorgesehen. Bereits um 9 Uhr ist ein Gottesdienst in der Gertraudtenkapelle geplant.

„Der Tod gehört zum Leben dazu“, sagt Stegemann, „wir glauben an die Wiederaufstehung“. Der Tod sei nichts Endgültiges, „er ist für uns ein Zwischenstadium". Deshalb sei es wichtig, an die Verstorbenen zu erinnern und sie immer wieder um den Segen Gottes zu bitten. So sieht es auch Stephanie Gericke. „Auf dem Friedhof komme ich meinen Verstorbenen nahe.“

Pfarrer Stegemann segnet auch das Grab auf dem Friedhof an der Bricciuskirche in Bad Belzig, in dem die Überreste der Gehängten vom Galgenberg

Pfarrer Stegemann segnet auch das Grab auf dem Friedhof an der Bricciuskirche in Bad Belzig, in dem die Überreste der Gehängten vom Galgenberg beigesetzt wurden.

Quelle: Heiko Hesse

Auf dem Friedhof an der Bricciuskirche hielt die kleine Christengruppe auch an einem besonderen Grab inne. Dort ruhen die sterblichen Überreste von Menschen, die auf dem Belziger Galgenberg hingerichtet worden sind. Archäologie-Studenten hatten die Gebeine vor zwei Jahren entdeckt und geborgen, im September 2015 wurden sie auf dem Bricciusfriedhof beigesetzt.

„Wir wissen nicht, warum diese Menschen hingerichtet worden sind“, sagt Stegemann, „aber alle Menschen haben ein Recht auf Barmherzigkeit“. Er habe sich sehr darüber gefreut, als die Evangelische Marienkirchgemeinde die Gebeine auf ihrem Friedhof beigesetzt hat. Noch allerdings fehlt eine Beschilderung dieses Grabes.

Von Heiko Hesse

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