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Bad Belzig Landkreis feiert 25. Geburtstag
Lokales Potsdam-Mittelmark Bad Belzig Landkreis feiert 25. Geburtstag
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00:22 07.12.2018
Das Landratsamt in Belzig Anfang der 1990er-Jahre, als noch Trabis vorm Haus standen. Quelle: Andrea Metzler
Potsdam-Mittelmark

In den entsprechenden Landesgesetzen steht, dass mit Ablauf des Tages der Kommunalwahl vom 5. Dezember 1993 Potsdam-Mittelmark das Licht der Welt erblickt. Soll heißen: Am 6. Dezember 1993, null Uhr, wurden die Kreise Belzig, Potsdam-Land, Brandenburg-Land sowie die Stadt Treuenbrietzen mit umliegenden Gemeinden zum Landkreis Potsdam-Mittelmark zusammengeführt.

Wie aber das neue Gebilde zu seinem Namen kam, weiß heute kaum noch einer. Man könnte sagen: Wie die Jungfrau zum Kind. Ursprünglich kursierten andere Namensvorschläge, weiß Joachim Dyllick, der erste Kreisjustiziar von Potsdam-Mittelmark, der das bis zum Ruhestand 2012 blieb und vorher schon seit August 1990 in der Verwaltung des Kreises Potsdam-Land arbeitete.

Eigentlich sollte der neue Landkreis „Zauch-Belzig“ heißen

Wäre es nach den Vorstellungen des Landes gegangen, hätte der Kreis den historischen Namen „Zauch-Belzig“ bekommen, sagt Dyllick. Ein eingeführter Name, den es von 1815 bis in die Anfangsjahre der DDR gab, bevor er 1952 nach einer Kreisneugliederung verschwand. Lothar Koch (SPD), der vor der Geburt von Potsdam-Mittelmark Landrat des Kreises Belzig war, schlug vor, den neuen Großkreis „Havel-Fläming“ zu nennen. Und irgendwann tauchte dann eine Interessengemeinschaft auf, die sich „Mittelmark“ nannte und sich diesen Namen auf die Fahne schrieb. Norbert Glante, der Anfang der 1990er-Jahre Landrat des Kreises Potsdam-Land war, glaubt sich zu erinnern, dass ein Dezernent von ihm, der Hobby-Historiker war, auf den Begriff „Mittelmark“ kam. Begründung: Der neue Kreis liege schließlich in der Mitte der Mark Brandenburg.

Und wer hat dann Potsdam mit ins Spiel gebracht? Wolfgang Hackel, der damalige Finanzdezernent des Kreises Potsdam-Land, der später für die CDU kurze Zeit auch Minister für Wirtschaft, Forschung und Kultur in Brandenburg wurde. Überliefert ist ein Zitat Hackels in einer Kreistagssitzung im Jahr 1992: „Wer in Japan weiß denn, wo die Mittelmark liegt?“ Sein Vorschlag: Die Landeshauptstadt mit ins Boot holen und das ganze Potsdam-Mittelmark nennen.

Ein Kuhhandel beendete den Namensstreit

„Das Land mochte diesen Namen nicht wirklich“, sagt Dyllick, der langjährige Kreisjustiziar. Der Name könnte Irritationen hervorrufen, weil er sich anhört, als handele es sich um einen Stadtteil von Potsdam. Die Kreise Potsdam- und Brandenburg-Land wollten den Namen dennoch. „Dass er durchging, ist auch Ergebnis eines Kuhhandels“, sagt Dyllick: Lothar Koch und das Land akzeptierten den Namen Potsdam-Mittelmark, dafür bekam Belzig den Kreissitz, was wiederum dem Hauptargument des Landesgesetzgebers folgte, damit die strukturschwache Region im Süden des künftigen Kreises zu stärken.

Der Name sei freilich eine Mogelpackung. „Mit der Mittelmark hat Potsdam-Mittelmark wenig zu tun“, sagt Dyllick. „Historisch gesehen war die Mittelmark der Teil Brandenburgs, der zwischen der Neumark und der Altmark lag, also das Gebiet zwischen Oder und Elbe, das im Norden bis zur Uckermark reichte.“ Nur der nördlichste Zipfel von Potsdam-Mittelmark liegt in der historisch überlieferten Mittelmark, sagt Dyllick.

Der damalige Kreistagsvorsitzende Joachim Raupach (l.) und Landrat Lothar Koch (beide SPD) hissen erstmals die neue Fahne von Potsdam-Mittelmark. Quelle: privat

In ihrer Wortbedeutung ist die Mark so etwas wie das Herzstück, die Mitte oder der Kern. Wer sich Mittelmark nennt, rückt sich also noch ein bisschen mehr ins Zentrum. Diesen Eindruck hatten offenbar auch einige Kreis-Mitarbeiter, wenn sie ihren ersten Landrat Lothar Koch, der von 1994 bis 2009 an der Spitze stand, reden hörten. Es war immer der Anspruch, der beste Landkreis Brandenburgs zu sein. Motto: „Wir sind die Größten und Schnellsten.“ Im internen Sprachgebrauch und im Volksmund sah man das ein bisschen anders, mischte Ironie unter die Worte und machte aus PM „Potsdam-Mittelmaß“.

PM stand zunächst für „Potsdam-Mittellos“

In den Anfangsjahren, als das Geld noch knapp war und sich der Kreis noch nicht den Bau eigener Verwaltungsgebäude leisten konnte, stand PM für „Potsdam-Mittellos“, erinnert sich Dyllick. Und ausgerechnet Brandenburgs früherer Innenminister Jörg Schönbohm (CDU) brachte noch einen Kosenamen unter die Leute, nachdem er in den 1990er-Jahren nach Kleinmachnow gezogen war. Posemuckel nannte der weltläufige Ex-General seinen neuen Heimatkreis mit dem Autokennzeichen PM.

Ein kleiner, unbedeutender Ort, wie Posemuckel ist Potsdam-Mittelmark längst nicht mehr. 25 Jahre nach seiner Gründung gehört er tatsächlich zu den besten Kreisen Brandenburgs. Einige „Traditionen“ aus den Anfangsjahren ziehen sich freilich bis heute wie ein roter Faden durch Potsdam-Mittelmarks Geschichte. Den Koffer beziehungsweise die Akten zu packen und an einen neuen Standort zu ziehen, gehört zum Leben eines mittelmärkischen Kreisbediensteten irgendwie dazu. „Wir im Rechtsamt sind allein in Belzig fünf Mal umgezogen“, sagt Dyllick und fügt hinzu. „Mal gucken, wann ich meine früheren Kollegen in Beelitz-Heilstätten besuchen kann.“

Von Jens Steglich

Seit Gerd Pohl 1997 nach Bad Belzig gezogen ist, engagiert er sich ehrenamtlich. Zunächst beim Förderverein „Stadtkirche St. Marien“, jetzt als Kassenwart beim Verein Bonte-Friedheim-Lochow.

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