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Mit dem letzten Kunstwerk im Flüchtlingsboot

Ausstellung „Flucht“ in Bad Belzig Mit dem letzten Kunstwerk im Flüchtlingsboot

Die Künstler Beate Simon und Imad Alfil gestalten derzeit in der Bad Belziger Marienkirche die syrisch-deutsche Ausstellung „Flucht“. Die Exposition zeigt jeweils zehn Bilder der beiden, die sich auf unterschiedliche Art und Weise mit dem Thema auseinandergesetzt haben.

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Die Künstler Beate Simon und Imad Alfil gestalten gemeinsam die syrisch-deutsche Ausstellung „Flucht“ in Bad Belzig.

Quelle: Daniela Singhal

Bad Belzig. Mehr als zwei Jahre lang konnte Imad Alfil nicht mehr malen. Zu stark war seine Kunst mit den Erinnerungen an Krieg und Flucht verbunden. Imad Alfil lebt in Bad Belzig und ist inzwischen anerkannter Flüchtling aus Syrien. Dann traf er die Bad Belziger Künstlerin Beate Simon. Gemeinsam gestalten sie nun ihre syrisch-deutsche Ausstellung in der St. Marienkirche in Bad Belzig.

Unter dem Titel „Flucht“ zeigt die Exposition jeweils zehn Bilder der beiden Künstler, die sich auf unterschiedliche Art und Weise mit dem Thema auseinandergesetzt haben. „Ich habe nicht gedacht, dass ich so bald wieder malen werde“, sagt Imad Alfil. Vor seiner Flucht studierte er Kunst in Aleppo und Damaskus. „Immer wenn ich jetzt wieder malen wollte, bekam ich starke Schmerzen im Arm“. Sein letztes Bild entstand in Damaskus. Er nahm es mit auf die Flucht nach Deutschland, doch es wurde bei der Bootsüberfahrt von der Türkei nach Griechenland stark beschädigt.

Weitere Ausstellungen geplant

Die Ausstellung „Flucht“ wird bis zum 30. Oktober in der Bad Belziger St. Marienkirche zu sehen sein. Geöffnet ist sie täglich von 10 bis 16 Uhr.

Weitere Ausstellungsorte sind geplant. Die beiden Künstler wollen weiterhin zusammen malen.

Unterstützt wurde das Projekt mit einer Förderung des Landekreises Potsdam-Mittelmark.

Den Weg zurück an die Leinwand fand Alfil mit Hilfe von Beate Simon. Die beiden lernten sich bei den wöchentlichen Treffen der Bad Belziger Initiative „People meet People – Respekt“ kennen. „Als ich hörte, dass er Künstler ist, hatte ich direkt die Idee, dass wir etwas zusammen machen können“, erzählt Beate Simon. Doch sie äußerte ihre Idee nicht direkt.

Der junge Mann sollte erst einmal Fuß fassen in der neuen Heimat, Deutsch lernen, eine Wohnung finden, zur Ruhe kommen. Irgendwann zeigte die Künstlerin dem jungen Syrer ein Bild von sich – tobende hohe Wellen auf dem Meer. Alfil war so berührt, dass er sich für eine Zusammenarbeit mit Simon entschied.

Die beiden Künstler planen weitere Aktionen

Die beiden Künstler planen weitere Aktionen.

Quelle: Daniela Singhal

Leinwände, Pinsel, Rahmen, Pastell- und Acrylfarben – mit der Förderung, die Simon beim Landkreis beantragte stattete die freischaffende Künstlerin Imad Alfil mit einer künstlerischen Grundausstattung aus. Er konnte sich langsam wieder an die Malerei heran tasten und entdeckte neue Techniken für sich. „Am Anfang hatten wir oft ein schweres Gefühl, denn es geht ja um ein schweres Thema“, sagt Simon. „Die Fluchtgeschichten haben mich sehr berührt und traurig gemacht. Aber dann haben wir beschlossen, dass es auch um Hoffnung gehen soll“, berichtet die Künstlerin.

Imad Alfil und Beate Simon tauschten sich regelmäßig über ihre Arbeit aus. Es sei ihm nicht leicht gefallen, über das Trauma und die Lähmung des Lebens im Heim wieder ins künstlerische Tun zu kommen. „Mit Beates Hilfe habe ich wieder zum Malen gefunden. Dafür bin ich sehr dankbar“, sagt Imad Alfil. Er lebt mittlerweile in einer Wohngemeinschaft in Bad Belzig und arbeitet.

Von dünnen Spinnennetzfäden über Wasser gehalten

Sein Lieblingsbild ist eines mit Kohlezeichnung und Pastellfarben. Es heißt „Am seidenen Faden“ und zeigt ein kleines Boot voller Menschen, dass nur von dünnen Spinnennetzfäden über Wasser gehalten wird. Einige seiner Bilder zeigen gelbe Blumen. Narzissen haben für den Künstler eine wichtige Bedeutung: In seinem Heimatort in Syrien blühten sie im Frühling zahlreich.

Als Erinnerung brachte er in seinem Rucksack ein paar Narzissenzwiebeln mit nach Deutschland. „Es gibt immer noch viele schmerzhafte Erinnerungen“, sagt Alfil. „Aber ich bin froh, dass ich mit dem Malen wieder einen Weg gefunden habe, mit ihnen umzugehen“, sagt der Syrer in Bad Belzig.

Von Daniela Singhal

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