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Mittelmark sucht Berater für Biber-Fragen

Naturschutz Mittelmark sucht Berater für Biber-Fragen

Landesweit machen immer mehr Biber den Bauern und Waldbesitzern zu schaffen. Deshalb schreibt der Landkreis Potsdam-Mittelmark jetzt die Stelle eines ehrenamtlichen Beraters aus, der bei alle möglichen Sorgen mit dem Nager helfen soll.

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Der Biber belebt die Vielfalt in der märkischen Natur – doch er bereitet manchem Bauern und Waldbesitzer Ärger.

Quelle: dpa

Bad Belzig. Nach dem Wolf macht nun der Biber den Menschen im Brandenburgischen zunehmend zu schaffen. Zwar ist die Zahl von gut zwei Dutzend bekannten Biberburgen in Potsdam-Mittelmark noch sehr übersichtlich. „Aber die Population wächst stetig“, sagt Mathias Gläser, Leiter der Unteren Naturschutzbehörde bei der Kreisverwaltung. Konflikte mit Landwirten und Waldbesitzern sind nicht auszuschließen. Wenn es dazu kommt, soll zuerst ein Biberberater helfen. Solch einen Ehrenamtler sucht Potsdam-Mittelmark jetzt.

Die meisten bekannten Biberburgen im Kreisgebiet bestehen Gläser zufolge an der Havel und angrenzenden Gewässern. Ein Schwerpunkt sind die Erdelöcher bei Deetz. Weitere finden sich an der Havelaue in Werder, unweit des Zeltplatzes Riegelspitze in Petzow, am Gutshof und in Torfgraben Phöben sowie bei Salzbrunn (Beelitz) und am Ziegenberg (Seddiner See). Auch in der Nieplitz breitet sich der Nager aus. Etwas ab vom Schuss sind eine Burg im Grenzgraben bei Boecke (Ziesar) und eine im Neuen Graben bei Wusterwitz. Laut Gläser gibt es eine Dunkelziffer. Die Zahl der Biber im Land wird auf 3500 geschätzt, Tendenz stetig steigend.

Mathias Gläser, Leiter der Unteren Naturschutzbehörde   bei der Kreisverwaltung

Mathias Gläser, Leiter der Unteren Naturschutzbehörde bei der Kreisverwaltung

Quelle: Heiko Hesse

„Damit sind wir noch weit entfernt vom Aufkommen, wie es in Märkisch-Oderland besteht“, versichert Gläser. Im Osten Brandenburgs habe die Population bereits die kritische Grenze überschritten. im vergangenen Jahr sei in diesem Gebiet 22 Biber getötet worden, weil umsetzen oder verg rämen nicht funktioniert hätten. „Bevor ein Biber getötet werden darf, gibt es eine umfangreiche Prüfung durch die zuständigen Behörden“, weiß der Experte.

Dass es auch in Westbrandenburg schon Probleme mit Bibern gibt, zeigt das Beispiel aus dem Gränertwald im Gebiet der Stadt Brandenburg. Dort hat der fleißige Nager dafür gesorgt, dass weite Teile der Forst unter Wasser stehen. Auch in der Buckau bestehen schon Biberburgen, ebenfalls in Brandenburg an der Havel.

Aufgaben des Beraters

Die Aufgaben eines Biberberaters: praxisgerechte Beratung zur Vermeidung von Konflikten und Erarbeitung von Lösungen mit Betroffenen und Behörden vor Ort, Information und Beratung zu vorbeugenden Maßnahmen und die regelmäßige Kartierung von Biberrevieren und Berichterstattung an das Landesamt für Umwelt (Naturschutzstation Zippelsförde).

Nähere Informationen gibt es beim Landkreis Potsdam-Mittelmark, Untere Naturschutzbehörde, Niemöllerstraße 1, 14806 Bad Belzig und per Email unter naturschutz@potsdam-mittelmark.de

Weitere Biber bedeuten weitere Reviere. Also fällt das Tier Bäume für den Bau seiner Burgen und, wo nötig, zum Anstauen des Gewässers. „Der Biber braucht wenigstens einen halben Meter Wassertiefe, um tauchen und den Eingang zu seiner Burg sicher erreichen zu können“, sagt Gläser. Dafür muss er hier und da einen Wasserlauf anstauen, was nicht jeden Menschen freut. „Insbesondere die wasserbaulichen Ambitionen des nach europäischem und deutschem Naturschutzrecht streng geschützten Großnagers können an den Gewässern und Deichen zu Schäden führen und damit zu Konflikten zwischen Biber und Landnutzern“, heißt es im Ausschreibungstext aus dem Landratsamt.

Doppelschnitt zweier Biber auf der Wentorfinsel bei Caputh

Doppelschnitt zweier Biber auf der Wentorfinsel bei Caputh

Quelle: Gläser

Die Landesregierung habe daher den Aufbau eines landesweiten Netzes von ehrenamtlichen Biberberatern in die Wege geleitet. „Die Berater sollen dann als Naturschutzhelfer von uns betreut werden“, sagt Gläser. Vorgesehen sei, die Ehrenamtler mit einer Aufwandsentschädigung zu vergüten. Zu den Voraussetzungen gehöre in jedem Falle eine „sehr gute regionale Ortskenntnis“, geht aus der Ausschreibung hervor. „Die notwendigen Fachkenntnisse werden in einer mehrtägigen Schulung von Experten vermittelt. Nach bestandener Prüfung erhalten die Berater einen Sachkundenachweis durch das Landesamt für Umwelt“, heißt es weiter.

Vor rund 25 Jahren galt der Biber im Brandenburg als nahezu ausgerottet. Man stellte ihn unter Schutz. Die Population erholt sich zusehends. Mehr und mehr verlieren die Tiere auch die Scheu. So staunten Passanten mitten in der Stadt Brandenburg unlängst nicht schlecht, als sie einen Biber am Tage in der Havel entdeckten, der sich nicht stören ließ. Um sich zu ernähren, tut sich der Biber nicht allein an Bäumen und der saftigen Rinde gütlich. „Es geht auch in den Mais“, sagt Gläser. Auch hier seien Konflikte mit der Landwirtschaft programmiert, wenn sich die Nager in den Gräben ausbreiten.

Von Heiko Hesse

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