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Bad Belzig Nicht jeder profitiert vom heißen Sommer
Lokales Potsdam-Mittelmark Bad Belzig Nicht jeder profitiert vom heißen Sommer
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05:03 13.08.2018
Gastwirt Bernd Sachse aus Bad Belzig hat die Erfahrung gemacht, dass es diesen Sommer zu heiß ist für mehr Umsatz. Quelle: Josephine Mühln
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Bad Belzig

 Was für ein Sommer im Hohen Fläming: Das kühle Bier fließt in Strömen, die Eisverkäufer kommen mit dem Nachfüllen ihrer Kühltruhe kaum hinterher und die Lager der Getränkehändler sind fast immer bis auf die letzte Flasche leer gekauft. „Schön wär’s!“, denkt sich dagegen mancher Unternehmer. Denn tatsächlich ist es vielen Menschen schlicht zu heiß – und die Umsätze bleiben hinter den Erwartungen zurück.

„Die Leute sind eher im Freibad oder am See“, bestätigt Richard Franke vom gleichnamigen Eisladen in der Bad Belziger Straße der Einheit. „Wer nicht in die Stadt muss, der geht auch nicht bei zu großer Hitze. Wir verkaufen zwar ein bisschen mehr Eis als im vergangenen Jahr, aber nicht merklich.“

Vereinzelte Radfahrer und Touristen

Diese Beobachtung bestätigt auch Bernd Sachse vom Restaurant „Alter Brauhof“ ein paar Häuser weiter. Die Sonne brennt heiß auf die Plätze vor der Tür, die deshalb oft leer bleiben. „Aber das Leben wird allgemein ruhiger in der Stadt, wenn die Temperaturen so sehr steigen“, weiß der Gastwirt. „Die einheimischen Gäste kommen eher zum Abend hin. Über den Tag verteilt schauen vereinzelt Radfahrer und Touristen vorbei.“

Radler, Schorle und Wasser seien die Getränke, die besonders gut gehen. Bei Radfahrern und Touristen sei zudem alkoholfreies Weizenbier sehr beliebt. „Natürlich kommen die gestandenen Biertrinker dann abends trotzdem auf ein kühles Bier vorbei“, sagt Bernd Sachse. „Obwohl man auch bei denen merkt, dass sie vorsichtiger trinken“, so der Wirt.

Ronny Rudolph bringt mit fünf Mitarbeitern seiner Treuenbrietzener Firma für Kühl- und Klimatechnik die Kälte ins Haus. Quelle: Thomas Wachs

Merkliche Umsatzeinbußen wegen des unterbesetzten Biergartens erwartet Bernd Sachse nicht – selbst, wenn es bis weit in den September hinein so heiß bleiben würde. „So dramatisch würde ich das nicht sehen. Es ist schließlich auch Urlaubszeit und die Leute kommen aus allen Bundesländern – das gleicht die Einnahmen aus.“

Anders sieht es bei Getränkehändler Michael Mrosek in Bad Belzig aus. Er berichtet wegen der Sommer- und Ferienzeit gar von starken Umsatzeinbußen. „Die Leute sind alle im Urlaub“, sagt der Unternehmer. „Und diejenigen die hier bleiben – vor allem die Älteren – kochen sich morgens eine Kanne Tee, lassen ihn kalt werden und trinken das anstelle von Wasser über den Tag verteilt“, so seine Beobachtung.

Mehr Absatz bei den Wasserverbänden

Beim Stichwort Wasser lassen sie sich dann aber doch noch finden, die Profiteure der Hitze. So hat Peter Gronemeier, Betriebsleiter vom Wasserversorgungsverband „Hoher Fläming“, in der jüngsten Verbandsversammlung vermeldet, dass der Absatz aktuell um etwa 30 Prozent höher sei als sonst. Das bestätigt auch Werner Müller in Treuenbrietzen – wenngleich er etwas niedrigere Werte nennt.

„Wir haben etwa 20 bis 25 Prozent mehr Absatz zurzeit, weil die Leute natürlich mehr Wasser abnehmen – sei es, um ihr Grundstück zu bewässern oder weil sie häufiger duschen und Wäsche waschen“, berichtet der kaufmännische Geschäftsführer der Wasserwirtschaftsgesellschaft Nieplitztal (WWN). Sobald ein Regentag folge, normalisiere sich der Absatz jedoch gleich wieder.

Keine Gebührenanpassung abzusehen

Zu Engpässen könne es wegen des erhöhten Verbrauchs nach Müllers Angaben nicht kommen. „Wir haben zu DDR-Zeiten deutlich mehr Haushalte versorgt und könnten auch jetzt noch mehr Wasser in den Umlauf bringen – zumindest in Treuenbrietzen“, sagt der Dienstleister des örtlichen Wasserversorgers.

Mit einer Gebührenerhöhung müssten die Kunden indes ebenfalls nicht rechnen. „Da wirkt sich die Wetterlage nicht aus, es spielen eher andere Entwicklungen eine Rolle“, sagt Werner Müller. „Wenn der Verbrauch immer so hoch wäre wie jetzt, dann müsste man überlegen, die Kalkulationsbasis zu ändern – bei zwei oder drei Jahren mit diesen Temperaturen. Aber nicht wegen eines Sommers allein.“

Hohe Nachfrage bei Klimaanlagen

Wirtschaftlich gut profitieren von der Hitzewelle könnte auch die Firma „Rudolph & Partner“ in Treuenbrietzen. Sie vertreibt und installiert Kühl- und Klimatechnik für Privatleute und Firmenkunden. „Die Kunden sollten am besten schon im Winter an den nächsten Sommer denken“, sagt Inhaber Ronny Rudolph. Der Trend zur Klimaanlage für ganze Privathäuser oder einzelne Räume nehme von Jahr zu Jahr zu. „Die Nachfrage war dieses Jahr besonders hoch“, sagt Ronny Rudolph.

Doch so schnell kommt die Kälte dann doch nicht ins Büro oder das heimisch Schlafzimmer. Denn die fünf Leute in der Firma kommen einfach nicht hinterher, um die vielen Aufträge abzuarbeiten. „Wir suchen händeringend Fachkräfte oder Lehrlinge für Kältetechnik. Aber niemand will mehr ins Handwerk“, sagt der junge Unternehmer. Doch der nächste heiße Sommer kommt bestimmt.

Von Thomas Wachs und Josephine Mühln

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