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Pilzfestival lockt Hobbysammler und Experten

Bardenitz Pilzfestival lockt Hobbysammler und Experten

Ein Fest für Auge und Gaumen wurde das diesjährige Pilzfestival in Bardenitz. Experten gaben staunenden Gästen einen Einblick in die Vielfalt der Pilzarten. Backfrauen hatten Mühe, all die vielen Gäste zu versorgen.

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Pilzexperten gaben ihr Wissen anschaulich an die zahlreichen Hobbysammler weiter. Rund 150 verschiedene Pilzarten waren zu sehen.

Quelle: Uwe Klemens

Bardenitz. Herbstzeit ist Pilzfestzeit, zumindest in Bardenitz. Knapp 20 Jahre ist es her, dass der Pechüler Natur- und Heimatforscher Eduard Prinke das „Bardenitzer Pilzfestival“ erfand. Längst ist aus der kleinen Expertenrunde der Anfangszeit ein Großereignis geworden. Spätestens seit der Bardenitz-Pechüler Heimatverein Hausboden die Pilzkenner kulinarisch umsorgt, wird das Pilzfest zum Volksfest.

Gäste schossen wie Pilze aus dem Boden

Auch am vergangenen Sonntag schossen die Gäste aus nah und fern wie die sprichwörtlichen Pilze aus dem Boden. Der parallel zum Pilzfest organisierte Dorftrödelmarkt dürfte seinen Anteil daran gehabt haben, dass binnen 30 Minuten mehr als 250 Eisbeine und neun Bleche voller Zwiebelkuchen verkauft und der im Frühjahr neu errichtete Dorfbackofen leer gefegt waren. Auch die Lebensdauer des zwölf Meter lange Kuchenbuffets war nur unwesentlich länger. Gestärkt und gut gelaunt stürmten die Besucher danach den Ausstellungsraum im Dorfgemeinschaftshaus, um nach essbaren und ungenießbaren Pilzen Ausschau zu halten.

Die Fülle der am Tag zuvor bei der obligatorischen Pilzwanderung gepflückten Exponate beeindruckte Experten und Laien gleichermaßen. Mehr als 150 verschiedene Pilzarten hatten die knapp 50 Sammler im Laufe von etwa sechs Stunden entdeckt.

Nichts Besonderes erwartet, aber gefunden

„Besondere Funde hatten wir eigentlich nicht erwartet“, sagt Festival-Organisator und Pilzexperte Jürgen Neuendorf, der einst Schüler Eduard Prinkes war und nun dessen Erbe weiterführt. „Ein paar Tage zuvor hatten wir mit Leuten von der Naturwacht eine Testwanderung gemacht um in etwa einschätzen zu können, was uns erwartet.“ Um nicht ganz ohne attraktive Lehrstücke dazustehen, hatte Neuendorf unmittelbar vor der Wanderung seine Lieblingsstandorte im Bad Belziger Raum abgesucht. Der Grüne Knollenblätterpilz in seiner Privatsammlung stammt beispielsweise aus dem Bad Belziger Kurpark.

Umso größer war dann die Überraschung, dass auch im Kiefern und Mischwaldbestand zwischen Hermannsmühle und Bundesstraße 102 Exoten zu finden waren. In einer Kiesgrube entdeckten die Pilzsammler den in Brandenburg fast schon als ausgestorben geltenden Edelreizger, der dort an einem morschen Baumstamm rund 100 Fruchtkörper ausgebildet hatte.

Jeder Irrtum kann tödlich sein

Auch der entdeckte Scheidenstreifling ist eine echte Rarität, übertroffen nur noch vom Fund eines Satansröhrlings, der, im Gegensatz zu den erstgenannten, hierzulande zu den giftigsten Pilzen gehört und deshalb seinen Namen zu recht verdient.

Die Erkenntnis, wie wenig die meisten von uns über Pilze wissen, ist das vielleicht wichtigste Ergebnis der Pilzausstellung. Selbst eingefleischte Hobbysammler irrten sich bei der Zuordnung mehrfach. Unzählige Speisepilze haben zum Verwechseln ähnliche, aber giftige Doppelgänger. Erst im unmittelbaren Vergleich sind die Unterschiede erkennbar. Im Wald kann der Irrtum tödlich sein.

„Das grundlegende Wissen über Pilze, das früher jeder, der auf dem Land lebte hatte, ist längst verloren gegangen“, lautet das Fazit des Potsdamer Pilzexperten und Sachbuchautoren Peter Sammler, der sich seit den 70er Jahren intensiv mit Pilzen beschäftigt. „Das Vergessen geht soweit, dass man heute schon nicht mal mehr weiß, wie man Pilze zubereitet. Wer angeschimmelte Pilze in die Pfanne oder gar Mikrowelle wirft, braucht sich nicht zu wundern, wenn es ihm nicht bekommt.“

Veränderungen in der Pilzlandschaft spürbar

Gerade auf seiner Spezialstrecke, dem Pilzbestand auf den kargen Böden der Kiefernwälder, hat Sammler in jüngeren Jahren deutliche Veränderungen ausgemacht. Weniger als Folge der schleichenden, globalen Klimaveränderungen, also vielmehr durch den zunehmenden Stickstoffeintrag in die Wälder durch intensive Düngung und Abholzung. Auch der Satansröhrling, der kalkarme Böden benötigt, ist im Fläming deshalb so gut wie ausgestorben.

Seinen Ausflug nach Bardenitz hat Gerhardt Ewald, der unter Experten als Brandenburgischer Pilzpapst gilt, nicht bereut. „Eine solche Veranstaltung ist ganz wichtig, um genau die Leute anzusprechen und aufzuklären, die später im Wald unterwegs sind. Das Wichtigste, was jeder Pilzsammler beherzigen sollte ist, dass man sich nicht überschätzt und im Zweifel eine Pilzberatung aufsucht.“ Die Organisatoren der Ausstellung hätten sich eine Riesenmühe gegeben“, lobt er. Und: „Ich freue mich schon auf meinen nächsten Besuch.“

Von Uwe Klemens

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