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Bad Belzig „Pläne des Landrats verschärfen regionale Schieflage“
Lokales Potsdam-Mittelmark Bad Belzig „Pläne des Landrats verschärfen regionale Schieflage“
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20:03 28.11.2018
Der prominente Wirtschaftsforscher Gustav Horn am Marktplatz in Bad Belzig. Dort wird Sonntag für den Erhalt des Status der Kreisstadt gesungen. Quelle: René Gaffron
Bad Belzig

Für die Zukunft der Kur- und Kreisstadt stehen in der Sitzung des Kreistages Potsdam-Mittelmark am 6. Dezember bedeutende Entscheidungen an. Gustav Horn, Wissenschaftlicher Direktor der Hans-Böckler-Stiftung, warnt vor dem in Rede stehenden Verlust des Verwaltungssitzes für den Hohen Fläming. Mit seiner Familie lebt der prominente Konjunkturforscher seit 21 Jahren in Bad Belzig und kritisiert die Pläne zur Zentralisierung der Verwaltung in Beelitz-Heilstätten.

Landrat Wolfgang Blasig (SPD) hat dieser Tage Abstriche von der ursprünglichen Idee des Masterplanes angekündigt. Ist damit das Bangen um die Perspektiven von Bad Belzig schon hinfällig?

Gustav Horn: Das glaube ich nicht. Es ist zu befürchten, dass die nunmehr angedeutete Zwei-Standort-Strategie als Kompromiss vermittelt und so der anhaltende Protest aus dem Hohen Fläming ausgebremst werden soll. Doch sollte es eigentlich um den vollständigen Erhalt und nötigenfalls um den Ausbau der Verwaltung in Bad Belzig gehen. Dafür werden ja Sonntagnachmittag hoffentlich viele zu einer musikalischen Kundgebung auf dem Marktplatz kommen und demonstrieren.

Warum wäre Bad Belzig weiter der richtige Standort?

Wir haben wie vielerorts in der Welt ,in Deutschland und auch hier mit Berlin eine urbane Metropole, die von starkem Wachstum gekennzeichnet ist. Mit allen Folgen wie bedrückendem Wohnraummangel und rasant steigenden Mieten. Dementgegen stehen Landstriche, deren Entleerung droht. Das neu geschaffene Bundesheimatministerium soll unter anderem diese Regionen stärken. Im Fall des Hohen Flämings wird allerdings mit den Plänen des Landrats , den Sitz der Kreisverwaltung in Bad Belzig teilweise oder ganz abzuwickeln, eine regionale Schieflage verschärft. Bad Belzig und Umgebung in der Randlage leiden, während Beelitz im Speckgürtel nicht zusätzlich auf eine Verwaltung als Wirtschaftsförderung angewiesen ist.

Wie würde sich der Verlust des Landratsamtes in Bad Belzig auswirken?

Die 250 Stellen dort sind relativ krisensicher und vergleichsweise gut bezahlt. Die Jobs helfen, Kaufkraft in den Geschäften von Bad Belzig und Umgebung zu binden. Wenn sie verloren gehen, droht ein Dienstleistungsabbau, was am Ende erneut auch das Angebotsspektrum im Krankenhaus einschließen könnte. All dies führt letztlich zu Landflucht und verstärkt die Probleme in den Ballungsgebieten. Dagegen hat man bei der Gründung des Landes Brandenburg vor 25 Jahren als Bad Belzig genau wegen seiner Randlage der Kreisstadtstatus erteilt wurde, richtig klug gehandelt.

Alt-Bürgermeister Peter Kiep (SPD) hat für Bad Belzig stets den Dreiklang von kleinteiligem Gewebe, Kurortentwicklung und Verwaltungssitz propagiert …

Ja, das war seinerzeit gut durchdacht. Heutzutage kommt noch der Wohnungsstandort für die Pendlerdazu, wobei es jedoch noch mehr Bemühungen in der Region braucht, um Grundstücke und Quartiere der Nachfrage entsprechend anzubieten, Bus und vor allem Bahninfrastruktur müssen noch verbessert werden Mithin ist es nötig, dass die Stadt Bad Belzig ihr Augenmerk auf den Erhalt der Arbeitsplätze auf der Basis des oben genannten Dreiklangs richtet.

Als Argument für die geplante Zentralisierung der Kreisverwaltung Potsdam-Mittelmark gilt zum einen die geografische Lage in der Mitte, samt günstiger Verkehrsanbindung und zum anderen die bessere Zusammenarbeit aller Abteilungen unter einem Dach. Wie lautet ihre Einschätzung?

Die meisten Bürger müssen gar nicht so oft in diese Behörde und ohnehin sollen die publikumswirksamen Leistungen ja dezentral in den Servicezentren adressiert werden. Mit zunehmender Digitalisierung wird sich der Bedarf an lokaler Präsenz in den nächsten Jahren womöglich nochmals verringern. Die Arbeitswege der Beschäftigten ändern sich ohnehin fortwährend mit wechselnder Beschäftigung und können daher nur von nachrangiger Bedeutung im Vergleich zur strukturpolitischen Entscheidung sein. Die sinnvolle Vereinigung aller Verwaltungsabteilungen an einem Standort ist meines Wissens nach nicht für Bad Belzig betrachtet worden – aber sie ist hier genau so möglich und sinnvoll wie in Beelitz.

In den Städten und Gemeinden, die mit ihrer Umlage die Finanzierung des Kreises überhaupt sichern, herrscht Verärgerung über die Kosten. Mindestens 100 Millionen Euro sind für den Neubau in Beelitz-Heilstätten kalkuliert.

Es entsteht der Eindruck, dass diese ungewöhnliche Investition an der falschen Stelle von langer Hand vorbereitet ist. Doch sie wäre Geldverschwendung, worauf der Landesrechnungshof Brandenburg rechtzeitig sein Augenmerk richten sollte.

Termin Musikalische Kundgebung „ Der Fläming ist Kreisstadt“ am Sonntag, 15 bis 17 Uhr.

Von Thomas Wachs

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