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02:16 21.08.2015
Züchter Uwe Kahle und ein Cochin-Huhn. Quelle: Melanie Höhn
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Treuenbrietzen

Manchmal legen russische Käufer bis zu 3000 Kilometer mit dem Auto zurück, um Hühner von Uwe Kahle aus Treuenbrietzen zu erwerben. Der 63-Jährige züchtet Cochins, eine besondere Rasse, die vom Aussterben bedroht ist.

Schon über 20 Jahre beschäftigt er sich mit der Hühnerzucht, inzwischen ist er dreifacher Europa- und vierfacher Deutscher Meister. Sogar das blaue Band, eine besondere Auszeichnung in der Cochin-Zucht, welches manche ein Leben lang versuchen zu erreichen, hat er schon mehrmals bekommen. Bei den Meisterschaften wird allein das Aussehen der Tiere bewertet, wie bei einem Schönheitswettbewerb. Uwe Kahle gewann im letzten Jahr mit seinen gelben, schwarz-weiß gescheckten und gesperberten Hühnern.

Die Hennen können bis zu fünf Kilogramm schwer werden

Etwa 250 Cochins hält er auf seinem 4200 Quadratmeter großen Hof in Treuenbrietzen, den er 1991 gekauft hat. Neben den Cochins züchtet er dort auch Taglilien und kreuzt Kakteen. Seit seiner Pensionierung im letzten Jahr wohnt er mit seiner Frau Elisabeth nun dauerhaft dort, vorher hatten die beiden noch eine Wohnung in Berlin. Die Hühnerzucht ist für den Wahl-Brandenburger ein Vollzeitjob geworden; inzwischen überlegt er auch, ein bisschen zu reduzieren. Doch ganz ohne die Cochins leben kann und will er nicht.

Einige der Cochins von Uwe Kahle. Quelle: Melanie Höhn

Cochins haben lange Federn und ein ruhiges Temperament, bewegen sich eher langsam und haben ein stattliches Federkleid. Die Hennen können bis zu fünf Kilogramm schwer werden. Der Ursprung der Tiere liegt in China, später siedelten sie nach Indien über, wo es einen Ort namens Cochin gibt. Später kamen die Hühner dann durch den Commonwealth nach England. „Cochins sind anders als die wilde Hühnerrasse, die ich vorher hatte. Sie fressen mir aus der Hand,“ sagt Kahle.

Eine Rasse mit einem solchen Federreichtum muss gut gefüttert werden

Doch was ist das Geheimnis von Kahle, wie schafft er es, dass seine Cochins bei den Wettbewerben so erfolgreich sind? „Gutes Futter ist das A und O, es lässt die Hühner langsamer wachsen und sie können sich schön ausformen. Wenig eiweißreiche Nahrung kann das Legen der Hennen hinauszögern,“ erklärt der Züchter. „Eine Rasse mit einem solchen Federreichtum muss gut gefüttert werden, am besten mit Fallobst, Zwiebeln, geschnittenen Brennnesseln oder Kartoffeln.“ Auch auf die Eier muss er achten, Kahle muss sie desinfizieren, damit die Marek-Viren die noch zu schlüpfenden Küken nicht erwischen.

Bis Oktober wird er aus seinem jetzigen Bestand etwa 200 Tiere verkauft haben. Neben den Russen kommen oft Rumänen über Umwege über die baltischen Länder nach Treuenbrietzen. Auch nach Beirut werden die Hühner eingeflogen, damit sie von dort in die arabischen Länder gelangen. „Für diese Menschen sind die Tiere eine Lebensgrundlage. Sie züchten sie weiter und können sie teurer verkaufen,“ erklärt Kahle.

Die Hühner brauchen viel Auslauf. Quelle: Melanie Höhn

Doch der Zuchterfolg hat für ihn auch Schattenseiten: Bei einer Meisterschaft in Leipzig wurde ihm einmal ein Hahn geklaut. Dieser tauchte dann aber in Holland wieder auf, denn ein Bekannter sah das Tier, das größer und anmutiger war als die anderen des Diebs. Er schickte Uwe Kahle ein Foto – der erkannte sein Cochin sofort wieder. Der Übeltäter wurde am Ende von der Ausstellung suspendiert.

Zucht hat auch Schattenseiten

Ein großes Problem hat der Züchter auch mit anderen Tieren: In einer Nacht tötete ein Fuchs 50 seiner Cochins „wie im Blutrausch“, erzählt Kahle. „Das passiert immer dann, wenn der Fuchs Junge hat und nicht genügend Futter heranschaffen kann.“ Inzwischen hat er einen Elektrozaun installiert, für seine Hühner ist das jedoch aufgrund des dicken Fells kein Problem. Auch 2003 war ein schlimmes Jahr für ihn, als 200 Tiere wegen der Marekschen Lähmung gestorben sind. „Die Krankheit bricht erst aus, kurz bevor die Hennen legen. Da kann man nicht mehr viel machen.“

Doch trotz dieser Schwierigkeiten hat Uwe Kahle den Spaß am Züchten nicht verloren. Was das Schönste für ihn daran ist? „Die Schönheit der Tiere und dass ich sie aufwachsen sehen kann,“ sagt er. Er fühlt sich wohl auf dem Land: „So hätte ich mein ganzes Leben verbringen können.“

Von Melanie Höhn

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