Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Bad Belzig So gefragt war die Ausstellung „Jüdisches Leben“
Lokales Potsdam-Mittelmark Bad Belzig So gefragt war die Ausstellung „Jüdisches Leben“
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
11:28 06.11.2018
Wolf Thieme (l.), Benjamin Stamer (r.) und hinter ihm Karen Knauf besprechen die Ausstellung „Jüdisches Leben in Bad Belzig“. Quelle: Christiane Sommer
Bad Belzig

In den vergangenen Wochen wurde in der Bad Belziger Marienkirche die Ausstellung „Jüdisches Leben in der Region Belzig 1933 bis 1945“ gezeigt. Über zweieinhalb Jahre hatte eine achtköpfige Gruppe unter Leitung von Benjamin Stamer und Wolf Thieme zur Thematik geforscht. Entstanden sind Informationstafeln mit Fotografien, Textbausteinen und anderen historischen Dokumenten, mit denen jüdischen Mitbürgern ein Teil ihrer Identität zurückgegeben werden konnte.

Herr Stamer, wie viele Besucher haben die Ausstellung besucht?

Benjamin Stamer: Unsere Ausstellung wurde in Bad Belzig von etwas mehr als 1400 Personen besucht. In der letzten Woche befand sie sich in Treuenbrietzen in der Schule „Am Burgwall“. Sie wurde dort aktiv in die Projektwoche einbezogen und am letzten Tag allen Schülern präsentiert. Wir können also sagen, dass wir die 1500 Besucher mit Sicherheit überschritten haben.

Kontakt und Ansprechpartner

Wer hat einen geeigneten Platz für die Ausstellung „Jüdisches Leben im Hohen Fläming“?

Anfragen und Angebote für Ausstellungsräume über die Projektseite im Internet unter juedischesbelzig.blogsport.de

Mit den Initiatoren kann man sich auch per Email an stamer.derwinkel@gmx.de in Verbindung setzen.

Erreichbar sind sie auch unter 033841/4 36 76.

Haben Sie mit so vielen Besuchern gerechnet?

Wir sind überwältigt von der Resonanz und hoffen, in den nächsten Monaten noch mehr Menschen in Potsdam-Mittelmark und darüber hinaus erreichen zu können. Ein großer Dank gilt an dieser Stelle auch unserem Förderer, dem „LAP Hoher Fläming – Partnerschaft für Demokratie“.

Wie waren die Reaktionen der Besucher?

Die Reaktionen waren so unterschiedlich wie die Menschen, welche die Ausstellung besuchten. Wir konnten Bad Belziger aller Altersgruppen, Schulklassen, Nachfahren jüdischer Bürger und Touristen erleben. Viele von ihnen hinterließen ihre Eindrücke in unserem Gästebuch. Neben Danksagungen stehen vor allem Trauer und Entsetzen über die Untaten an den jüdischen Nachbarn im Vordergrund. Außerdem Erstaunen wie das Unfassbare eigentlich passieren konnte und darüber, dass so viele Details selbst alten Einwohnern der Stadt nicht bekannt waren. Für uns war es gut zu sehen, dass die Menschen zu bewegen waren, über diese weit zurück liegende Vergangenheit nachzudenken und vielleicht sogar Schlüsse für sich selbst in der Gegenwart zu ziehen. Diese sieht derzeit der Vergangenheit immer häufiger erschreckend ähnlich.

Können Sie das an einem Beispiel erklären?

Ich erinnere mich an einen Herrn beim Altstadtsommer, der sich schrecklich über unsere Ausstellung aufregte, auf uns zukam und ungefragt erklärte, er sei ein überzeugter Rassist. Er verließ die Ausstellung jedoch ziemlich schnell und ungesehen wieder.

Hat die Ausstellung auch neue Erkenntnisse gebracht?

Wir konnten viele neue Kontakte gewinnen, durch die wir wichtige Ergänzungen erhielten. Zum Teil führten wir Interviews mit alten, ehemaligen Einwohnern der Stadt. Bei vielen der Namen auf unserer Liste des jüdischen Lebens in Belzig konnten zum Beispiel der Wohnort und das Geburtsjahr ergänzt werden. Das sind wichtige Bausteine für die weitere Recherche.

Die Arbeit geht also weiter?

Im Rahmen der Projekttage an der Treuenbrietzener Schule haben wir gemeinsam mit Schülern und Direktor Gerd Ulbrich bereits an den Biografien von Willy Lax und den Familien Knopf und Lindenberg geforscht sowie die bereits bestehenden Informationen aus der Ausstellung über die Familie Slotowski und den jüdischen Friedhof einbezogen. Wir konnten neue Puzzlestücke zusammensetzen. Zum Beispiel konnten wir beim Stadtrundgang mit den Schülern das ehemalige Geschäft von Willy Lax ausfindig machen. Auch für unsere Projektgruppe geht es natürlich weiter. Wir haben eine Liste von mehr als 30 Namen aus der Region. Hinter jedem Namen steht ein Schicksal und eine Biografie, welche zu erforschen sich lohnen würde. Der Aufwand ist enorm. Über Zuwachs in der Projektgruppe wären wir daher sehr dankbar. In Planung ist außerdem zeitnah ein Begleitbuch zur Ausstellung.

Wo wird dieselbe als nächstes gezeigt?

Wir hoffen die Ausstellung zeitnah in Treuenbrietzen zeigen zu können und möchten dort auch die Ergebnisse aus den Projekttagen an der Schule präsentieren. Die Anzahl der Anfragen hält sich jedoch in Grenzen. Wir suchen derzeit nach Räumen in Beelitz, Treuenbrietzen, Brück, Görzke und Ziesar. Über Hinweise und Raumangebote aus diesen Orten wären wir sehr dankbar.

Von Christiane Sommer

Auf dem Ausbildungsmarkt im Hohen Fläming herrscht ein Missverhältnis. Die Arbeitgeber müssen an der Attraktivität der angebotenen Plätze arbeiten – aber auch die Schüler sollten offener werden.

05.11.2018

Einer von vielen, die zupacken wenn Not am Mann ist, ist nun auch Sebastian Ihlenfeldt. Beim Technischen Hilfswerk in Bad Belzig hat sich der 25-Jährige jetzt erfolgreich qualifiziert.

04.11.2018

Die Erinnerung an Belaid Baylal wird mit einem jährlichen Gedenken in Bad Belzig wach gehalten. Der marokkanische Asylbewerber starb in der Nacht zum 4. November 2000 an den Spätfolgen eines rassistischen Angriffs.

04.11.2018