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Bad Belzig Segeln mit Behinderung: Keimzeit startet Spendenaktion
Lokales Potsdam-Mittelmark Bad Belzig Segeln mit Behinderung: Keimzeit startet Spendenaktion
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14:33 26.02.2019
Udo Zeller (l.), Beauftragter für Menschen mit Behinderung, und Norbert Leisegang von Keimzeit beim Start der Spendenaktion für den letzten Schliff des barrierefreien Katamarans "Olaf". Quelle: Jan Russezki
Bad Belzig

Wenn einem Wind und Gischt in das Gesicht schlagen, dann ist man dem Wasser so nah, wie man es nur sein kann – ohne hineinzufallen. Das Ruder fest im Griff, das Segel gesetzt, Leinen los.

Das könnte in Bad Belzig auch bald für Rollstuhlfahrer möglich sein. Der Verein „Saildream1“ setzt sich für barrierefreies Segeln ein und steht kurz davor, einen eigens dafür konstruierten Katamaran fertigzustellen. Auch die Band Keimzeit unterstützt den Verein bei einer am Donnerstag gestarteten Spendenaktion.

„Wir haben vor elf Jahren angefangen, aber wie das ist – vor dem Start sind es immer die 1000 Kleinigkeiten, die noch fehlen“, sagt Udo Zeller, Beauftragter für Menschen mit Behinderung in Potsdam-Mittelmark.

Deswegen hat er am Donnerstag eine Crowdfunding-Aktion auf der Spendenplattform „Startnext“ begonnen, bei der in 80 Tagen 10.000 Euro zusammenkommen sollen, um dem Katamaran für die Brandenburger See den letzten Schliff zu geben.

Startnext: Crowdfunding für „Olaf“

Crowdfunding ist eine Spendenaktion im Internet, bei dem ein Spendenziel erreicht werden soll. Erst wenn im Fall des barrierefreien Seglers 10.000 Euro erreicht werden, wird die Spende vom Konto abgebucht. Kommt in 80 Tagen nicht genug Geld zusammen, bleibt das Geld bei den Spendern und das Projekt fällt aus. Gespendet werden kann auf www.startnext.de oder der Vereinsseite www.saildream1.de.

Als Gegenleistung für die Spende bekommen die Unterstützer je nach Höhe ihres Betrages Geschenke. Saildreams1 e.V. hat dafür Segelausflüge, Konzerte, Bilder und Gutscheine zur Verfügung gestellt. Auch Keimzeit hat ein Geschenkpaket zusammengestellt.

Zellers Traum ist es, Menschen die Möglichkeit zu geben, mit dem Segler „Olaf“ über das Wasser gleiten zu können. Und zwar trotz ihrer Behinderung: „Jeder bringt das mit, was er hat – also auch die Behinderung“, sagt er.

Auf „Olaf“ mit Behinderung segeln

Ihn stört an anderen Segelprojekten, dass Menschen aus ihren Rollstühlen und damit aus ihrem Wohlfühlgefühl heraus geholt werden.

„Menschen mit Behinderung haben Hilfsmittel und die sollen sie mitbringen. Wir haben dafür technische Lösungen geschaffen“, erklärt er.

Der Katamaran „Olaf“ hat klappbare Bügel, die mehr Bewegungsfreiheit auf dem Boot ermöglichen. Griffe und festes Deck geben Halt. Was fehlt, sind technische Kleinigkeiten wie Deckluken und Ruderpinnen.

Neben einem neuen Anstrich soll „Olaf“ auch Wohlfühlelemente bekommen, wie ein Netz zwischen den beiden Rümpfen, in das man sich legen und, mit Blick auf das Wasser, tragen lassen kann. „Das ist ziemlich cool, besonders für Menschen mit Behinderung“, sagt Zeller.

Der barrierefreie Katamaran "Olaf" wurde vom Verein Saildream1 selbst konzipiert und gebaut. Quelle: Saildream1 e.V.

Etwas, das auch die Band Keimzeit zu schätzen weiß. „Wir machen eigentlich Musik, aber uns steht die Seefahrt poetisch und in Realität nah“, sagt Sänger Norbert Leisegang.

Prominente Unterstützung: Keimzeit

Der Lütter geht mit seiner Band jährlich auf einen Segeltörn und möchte schon bald auch mit Udo Zeller in See stechen.

Um die Spendenaktion zu unterstützen, hat Keimzeit Geschenke mitgebracht. Nicht für Zeller, sondern für die Unterstützer der Aktion, also die Spender. Denn wer kleines oder größeres Geld spendet, bekommt zum

Dank eine Druckgrafik des Bootes, einen Therme-Gutschein, ein Ticket für den jungen Musiker Maximilian Jäger oder bei höheren Spenden auch einen Segeltörn mit dem Katamaran.

Gerade noch mit Keimzeit auf Tour und schon bald im Besitz von Fans: Das Drumfell von Keimzeit als Geschenk für Spender. Quelle: Jan Russezki

Keimzeit hat ein besonderes Paket zusammengestellt: Das neue Album „Das Schloss“ auf Vinyl, zwei Konzerttickets für ein Sommerkonzert in Bad Belzig und ein Drumfell des Schlagzeugs.

Dem Trommelfell ist anzusehen, dass es die letzten Jahre mit der Band auf Tour war und es ist von allen Mitgliedern signiert.

Ein Boot für die Nachbarn

Wenn die Spendenaktion die 10.000 Euro erreicht, wird das Boot im Juni und Juli fertiggestellt. „Wir sind kurz vor der Startlinie und wollen unbedingt noch dieses Jahr auf das Wasser“, sagt Zeller. Probefahrten gab es schon.

„Es segelt sich gut. Ich frage dann immer den Hintern, ob man das auch anderen anbieten kann“, witzelt Zeller. Und man kann.

Der Katamaran hat einen klappbaren Mast und ist in zwei Stunden abgebaut. Zeller sagt: „Man muss nicht so weit fahren müssen, um segeln zu können.“

Und das meint nicht nur den Heimathafen in Potsdam, sondern auch, dass das Boot vor die Tür der Menschen in Sachsen, Sachsen-Anhalt oder Mecklenburg-Vorpommern gebracht werden soll.

So wie jeder kann und will, sollen sich die Seeleute am Segeln beteiligen. Aktiv oder passiv, einen Segelschein braucht zumindest in Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern niemand.

„Auch für uns wird es spannend“, sagt Zeller, denn der Verein hat noch keine Erfahrung mit Passagieren, die angeleitet werden müssen. Der Verein will es aber langsam angehen und sich die Zeit nehmen, die es braucht, um sicher anleiten zu können.

Denn so nah man dem Wasser auch sein möchte – reinfallen soll dann doch niemand.

Von Jan Russezki

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