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Bad Belzig Theaterstück erinnert an Schrecken im Roederhof
Lokales Potsdam-Mittelmark Bad Belzig Theaterstück erinnert an Schrecken im Roederhof
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18:46 27.04.2018
Das Theaterstück "Das rote Tuch" ist vor zehn Jahren zum ersten Mal aufgeführt worden. Es erzählt von den Geschehnissen im KZ-Außenlager Roederhof. Quelle: Helga Kästner
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Bad Belzig

Es ist ein vielstimmiger Vogelchor, der in diesen Frühlingstagen im Grünen Grund nahe des Bad Belziger Stadtzentrums einen Lobgesang auf das Leben zelebriert. Und doch liegt über dem Areal ein unsichtbarer Schleier. Von 1944 bis 1945 wurden hier – im einstigen KZ-Außenlager Roederhof – mehr als 2500 Frauen, Männer und auch Kinder gefangen gehalten.

Bis auf wenige unter Efeu und Aufwuchs verborgene Fundamentreste ist der Gebäudebestand des Lagers abgetragen. Einzig eine Informationstafel und ein 1965 errichteter Gedenkstein mit Inschrift erinnern an die düstere Vergangenheit. „Die Toten mahnen“ heißt es darauf. Jährlich am 3. Mai wird zum Gedenken in den Grünen Grund eingeladen.

Premiere des Stücks liegt zehn Jahre zurück

Doch in wie vielen Köpfen ist die Tragweite der vergangenen Geschehnisse auch heute noch präsent? Diese Frage stellte sich die in Hagelberg lebende Schauspielerin Julia Strehler bereits vor knapp 15 Jahren. In dieser Folge entstand die Idee, das Geschehen im Lager Roederhof auf die Theaterbühne zu bringen.

Mittlerweile liegt die Premiere des Stückes „Das rote Tuch“ zehn Jahre zurück. Ein Livemitschnitt dieser Theateraufführung wird am Vorabend des diesjährigen Gedenkens erstmals im Bad Belziger Hofgarten-Kino gezeigt. „Ich konnte ihn mir bislang nur bis zur Hälfte ansehen, es hängen viele Emotionen dran. Das macht das Zusehen nicht leichter“, sagt Strehler.

Filmvorführung und Publikumsgespräch

Am Mittwoch, 2. Mai, um 17.30 Uhr wird im Bad Belziger Hofgarten-Kino der Theatermitschnitt „Das rote Tuch“ gezeigt. Der Eintritt ist frei.

Im Anschluss findet ein Publikumsgespräch mit den Schauspielerinnen und der Regisseurin statt.

Am Donnerstag, 3. Mai, findet ab 16.30 Uhr das alljährliche Gedenken im Grünen Grund statt.

Die Filmvorführung und die Gedenkveranstaltung werden durch den Förderkreis Roederhof organisiert.

Unter ihrer Regie und der Dramaturgie von Kerstin Hensecke hatten 17 Frauen über zwei Jahre lang intensiv zu den Ereignissen in den Lagern Roederhof und Ravensbrück recherchiert. Sie besuchten Ausstellungen, lasen Berichte ehemaliger Insassinnen und die Profile der Täterinnen – und stellten sich unbequemen Fragen. Wie hätte ich mich im Nationalsozialismus verhalten? Hätte ich Widerstand geleistet? Wäre ich Täter geworden?

Im Ergebnis ist eine 95-minütige szenische Auseinandersetzung über Geschehnisse im Außenlager Roederhof entstanden, die sich im Kern auf 16 Tage konzentrieren. Das entspricht der Zeitspanne, in der die aus Belgien stammende Insassin Marie-Louise del Marmol (im Stück Marie de la Mere) im Lager war – bevor sie ermordet wurde.

Szene aus dem Theaterstück "Das rote Tuch". Quelle: Helga Kästner

Marie-Louise del Marmol war die Frau eines belgischen Widerstandskämpfers und wurde an seiner Stelle inhaftiert. Sie kam zuerst nach Ravensbrück und von dort nach Belzig. Mitinsassen erinnerten sich später noch vielfach an sie, weil Marie-Louise del Marmol würdevoll Haltung bewahrte und selbst in ihren dunkelsten Stunden noch Hoffnung zu geben vermochte.

„’Das Rote Tuch’ ist kein Film für zu Hause, das Thema braucht Gemeinschaft“, so Strehler weiter. Deshalb bietet der Förderkreis Roederhof im Anschluss an die Filmvorführung ein Publikumsgespräch an. Neben der Regisseurin haben bereits einige der Schauspielerinnen ihr Kommen zugesagt.

Filmvorführung für Schüler am Mittwochvormittag

Den Wunsch, den Theatermitschnitt weiter zu nutzen, hat die Hagelbergerin seit der Premiere vor zehn Jahren. Aus der Filmvorführung, so hofft sie, entwickelt sich vielleicht auch ein neuer Impuls für das traditionelle Gedenken im Grünen Grund.

Inge Richter, die Vorsitzende des Förderkreises, hofft ihrerseits, dass die Schulen der Region das Angebot annehmen. Denn eigens für die Schüler wird der Film am Vormittag des 2. Mai bereits einmal gezeigt. „Er kann helfen, die Geschichte besser zu verstehen“, glaubt Julia Strehler mit Verweis auf politische Tendenzen, die erfordern, die Thematik 73 Jahre nach Kriegsende nicht nur historisch zu betrachten.

Von Christiane Sommer

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