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Bad Belzig Utopie Hoher Fläming: Zusammen anders leben
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11:43 14.02.2019
Anders leben: Der Film "Zeit für Utopien" zeigt erfolgreiche alternative Lebensstile. Quelle: promo
Bad Belzig

Sie sind in Bad Belzig angekommen: der Klimawandel, die wirtschaftliche Ausbeutung von Natur und Menschen sowie die Folgen des ungerecht verteilten Vermögens. Die Grünen zeigen an drei Abenden in Bad Belzig, Drahnsdorf und Schöneiche Kurt Langbeins Film „Zeit für Utopien“, in dem es um genau diese Themen geht. Am Dienstagabend wurde im Anschluss im Kino Hofgarten in Bad Belzig mit dem Wiener Regisseur und der Grünen-Politikerin Marie Luise von Halem diskutiert, was Brandenburg von internationalen Projekten lernen kann.

Marie Luise von Halem sieht in den Filmen einen Einstieg in politisch wichtige Gespräche: „Wir wollen mit den Menschen Kontakt aufnehmen und Anregungen für unsere Parlamentsarbeit bekommen“, sagt die Landtagsabgeordnete. Immer wieder gibt es in Brandenburg Filmreihen zu Themen wie dem Bienensterben und zur Integration.

Alternativen im Hohen Fläming

„In Bad Belzig gibt es eine Menge alternative Projekte“, erklärt von Halem den Veranstaltungsort. Tatsächlich gibt es die Arbeitsplätze im Coconat für gemeinsam arbeitende Digitalnomanden, das Zentrum für experimentelle Gesellschaftsgestaltung (Zegg) sowie die solidarische Landwirtschaft Lebensgut in Lübnitz. Das passt zum Film, über den Regisseur Kurt Langbein sagt: „Er zeigt, dass es schon Menschen gibt, die anders leben.“ Es seien gelebte Zukunftsbilder.

Anders arbeiten: Freilichtschreibtisch des Coworking-Projekts "Coconat" in Brandenburg. Quelle: Nadja Bülow

Von Halem erhofft sich von dem gut besuchten Filmabend auch „politisch umsetzbare Ideen“. Denn: „Klimawandel betrifft uns alle auf vielen Ebenen.“

So symmetrisch schön die Bilder in „Zeit für Utopien“ auch sind, sie zeigen eine Welt in Schieflage. „Der Film macht deutlich, dass unser System nicht funktioniert“, meint von Halem.

Das sehen auch Experten im Film so: „Wir haben auf der einen Seite den dynamisch wachsenden Kapitalismus und auf der anderen die Postwachstumsökonomie, wo wir hinwollen“, erklärt Wirtschaftsjournalistin Ulrike Herrmann. „Uns fehlt aber die Brücke für einen angenehmen Übergang, ohne das Leute in einer Wirtschaftskrise einen Diktator wählen, sodass man gar nicht mehr beim Ziel ankommt.“

Lösungen statt Kritik

Kurt Langbein gibt mit „Zeit für Utopien“ auch eine handvoll Lösungsvorschläge – nicht wirklich kritisch, dafür aus nächster Nähe: So zeigen in gleitenden Luftaufnahmen Kameramann Christian Roth und Drohnenpilot Fred Bastos einen Fischer auf dem Meer in Südkorea, der nachhaltig mit traditionellen Fischfallen sein Geld verdient.

Der Blick über die Schulter ist schön, zeigt aber wie beschwerlich es ist, keine Fischschwärme mit riesigen Netzen, sondern mit der Strömung möglichst umweltschonend zu fischen. Dass Nachhaltigkeit Mühe macht und weniger Gewinn abwirft, wissen Biobauern in Südkorea genauso wie in Brandenburg.

Deswegen gründeten sie vor 30 Jahren in Südkorea die Genossenschaft „Hansalim“. Sie sprechen Preise ab, verkaufen gemeinsam an 1,5 Millionen Mitglieder und zahlen in einen Fond ein, der Bauern aus der Krise oder bei Missernten helfen soll. Gemeinsam wurde ihre Utopie Realität.

Utopien auch in Brandenburg?

Im Zentrum für experimentelle Gesellschaftsgestaltung wird zur Selbstversorgung Obst und Gemüse angebaut – und von Bewohnern geerntet. Quelle: privat

Ein Konzept, das auch Brandenburgern nach Missernten und Dürre helfen könnte? Solidarische Landwirtschaften gibt es im Hohen Fläming schon. Eine junge Frau im Publikum spricht von 200 Höfen in Deutschland. Sie arbeite selbst auf einem bei Bad Belzig und es gäbe um Berlin herum immer mehr Zulauf. „Brandenburg ist schon ganz gut aufgestellt, aber es fehlt die Vernetzung und Öffentlichkeitsarbeit“, findet auch die im Zegg lebende Marie Schumacher.

„Man muss auch sehen, wie sich die Projekte wirtschaftlich rechnen“, sagt von Halem. Eine Kooperative müsse konkurrenzfähig bleiben. Für sie sind die wichtigen Themen in Brandenburg der Kohleausstieg, die Isolierung von Gebäuden und die solidarische Landwirtschaft.

Neben Marie Luise von Halem von den Grünen und Regisseur Kurt Langbein war überraschend auch Filmprotagonistin Petra Wähning im Kino Hofgarten. Quelle: Jan Russezki

„Der Film zeigt den Kern unserer Politik“, sagt die Grünen-Politikerin vor den Kinobesuchern. Mit nur sechs Sitzen im Landtag laufe man dort allerdings häufig gegen die Wand.

„Der Schlüssel ist die Zusammenarbeit. Das Bedürfnis nach Alternativen ist da“, sagt Langbein. Aber es liege auch an uns, das zu fördern. Eben dazu soll der Film inspirieren und motivieren.

Von Jan Russezki

Das Netzwerk „Dorfbewegung Hoher Fläming“ festigt seine Strukturen. Ein Sprecherrat mit fünf Akteuren ist etabliert. Er hat sich konkrete Ziele gesteckt und den nächsten Bürgerdialog organisiert.

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