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Bad Belzig Ausbildung: Viele Stellen für wenig Bewerber
Lokales Potsdam-Mittelmark Bad Belzig Ausbildung: Viele Stellen für wenig Bewerber
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04:39 05.11.2018
Immer mehr Unternehmen im Hohen Fläming haben Probleme, geeignete Azubis zu finden. Quelle: Arne Dedert/dpa
Bad Belzig

Auf dem Ausbildungsmarkt im Hohen Fläming klafft eine Lücke zwischen Angebot und Nachfrage. Das geht aus den Zahlen der Arbeitsagentur-Geschäftsstelle Bad Belzig zum jetzt abgelaufenen Ausbildungsjahr 2017/2018 hervor.

Demnach haben sich auf 352 gemeldete Ausbildungsstellen lediglich 203 Jugendliche beworben. Von ihnen sind 26 ohne Ausbildungsvertrag geblieben – obwohl auch 84 Stellen unbesetzt geblieben sind. Woher kommt dieses Missverhältnis? Und vor allem: Wie kann ihm entgegengewirkt werden?

Informatik steht hoch im Kurs

„Ein großes Problem ist sicher, dass das Bildungsinteresse der Jugendlichen oftmals nicht den Ausbildungsmöglichkeiten hier in der Region entspricht“, sagt Frank Liebig, Ausbildungsvermittler in der Bad Belziger Geschäftsstelle der Arbeitsagentur. „ Bei der Gastronomie beispielsweise ist die Nachfrage an Auszubildenden hoch – aber nur wenige Jugendliche interessieren sich für Berufe dieser Branche.“

Ein Gegenbeispiel seien Informatiker. Berufe aus dieser Branche würden im Fläming nicht oder nur begrenzt angeboten – seien aber bei den Bewerbern stark nachgefragt, sagt Liebig. „Die Jugendlichen müssen dann auf andere Regionen – wie die Hauptstadtregion – ausweichen, wo wiederum die Konkurrenz größer ist.“

Berufsberatung immer dienstags

Die Berufsberatung der Arbeitsagentur ist regelmäßig in den Schulen präsent und kann jeden Dienstag von 14 bis 18 Uhr bei der freien Sprechstunde aufgesucht werden.

Die Erfahrung zeige, dass bei Jugendlichen, die sich in der Berufsberatung beraten lassen, das Risiko eines Ausbildungsabbruchs minimiert werde.

Ein weiteres Problem in den ländlichen Gegenden sei die fehlende Mobilität der Schulabgänger, ergänzt Marko Wilke, Leiter der Bad Belziger Geschäftsstelle. „Die Jugendlichen kommen oftmals mit dem ÖPNV nicht von A nach B und können deshalb eine Ausbildung nicht beginnen. Arbeitszeiten in der Gastronomie verlangen aber zum Beispiel, dass auch abends der Weg nach Hause angetreten werden kann. Das ist schwer, wenn kein Bus mehr fährt.“

Neben diesen äußeren Bedingungen, würden oftmals aber auch die Leistungsvoraussetzungen nicht den Anforderungen der Unternehmen entsprechen – sowohl schulisch als auch beim individuellen Verhalten. „Es kommt leider immer wieder vor, dass Jugendliche nicht zum Vorstellungsgespräch kommen – und auch nicht absagen“, weiß Frank Liebig.

Offen sein für andere Berufe

Sein Team würde den Jugendlichen immer empfehlen, ihren Berufswunsch zu verfolgen – bei passenden Leistungsvoraussetzungen. „Aber wir weisen genauso darauf hin, rechtzeitig an einem Plan B zu arbeiten und offen zu sein für andere Berufe“, sagt der Ausbildungsvermittler.

Flexibel und offen sein – das gelte ebenso für die Unternehmen. Auch die Arbeitgeber sollten sich für Zielgruppen öffnen, die sie vielleicht nicht sofort im Blick hatten und in Gespräche einsteigen. „Die Entscheidungen liegen am Ende natürlich immer bei den Akteuren selbst“, sagt Liebig. „Wir können nur anleiten und die Möglichkeiten des Marktes aufzeigen.“

Arbeitgeber müssen Ausbildung attraktiv machen

Der Ausbildungsvermittler habe aber beobachtet, dass bei immer mehr Arbeitgebern die Bereitschaft wachse, künftige Azubis beispielsweise bei der Wohnungssuche zu unterstützen oder mal vom Bahnhof abzuholen. „Natürlich muss das für die Unternehmer immer in einem realisierbaren Rahmen bleiben“, sagt Liebig.

„Arbeitgeber sollten weiterhin jedes Jahr ihre Ausbildungsstellen der Arbeitsagentur melden“, appelliert Marko Wilke. „Sie sollten sich zudem attraktive Angebote überlegen, warum der Auszubildende seine Ausbildung bei ihnen machen soll – eine attraktive Bezahlung bereits im Ausbildungsverhältnis und später im Beruf gehören ebenso dazu.“

Braucht es das Abi?

Und auch für die Schulabgänger hat Wilke noch einen Tipp: „Ich halte es für wichtig, dass sie sich zuvor sehr genau zu überlegen, ob sie für den angestrebten Berufsweg unbedingt ein Abitur benötigen. Oft ist ein motiviert erworbener Abschluss nach der zehnten Klasse förderlicher, als ein unter Mühen erworbenes, schwaches Abitur“, sagt der Geschäftsstellenleiter. „Das Abitur ist nicht immer der beste Weg – und im Allgemeinen für eine Berufsausbildung nicht notwendig. Auch hier steht die Berufsberatung der Arbeitsagentur gern mit Rat und Tat zur Seite.“

Von Josephine Mühln

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