Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Bad Belzig Wie aus sieben Bier eine Poliermaschine werden kann
Lokales Potsdam-Mittelmark Bad Belzig Wie aus sieben Bier eine Poliermaschine werden kann
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
16:07 16.04.2019
Für sieben Bier gibt es vielleicht auch das Werkzeug des Nachbarn. Quelle: dpa
Bad Belzig

Liest man die Polizeimeldungen der letzten Monate, bekommt man das Gefühl, dass alles, was nicht niet- und nagelfest ist, geklaut wird. Was weder in Meldungen oder in Artikeln über die Einbrüche und Diebstähle steht, ist, wie es mit dem Diebesgut oder den Kriminellen weitergeht. Denn sie werden oft nicht gefasst und die heiße Ware nicht wiedergefunden.

So auch bei der Einbruchserie seit Januar. Geschädigte erzählen von einem ähnlichen Vorgehen: Im Dorf taucht ein weißer Transporter auf, der seine Runden dreht. Am nächsten Morgen sind Gartenzäune aufgeschnitten und Werkzeuge verschwunden. Was zurückbleibt sind aufgehebelte Türen oder säuberlich entglaste Fenster – und leere Berufs- und Hobbywerkstätten.

Ware vom Laster gefallen

Was aber machen die Einbrecher mit der Ware? Stichsäge, Flex, ja sogar ein 100 Kilogramm schweres Notstromaggregat ist verschwunden. Die Achsen des Transporters müssten sich wohl unter der Last der Ware biegen. Wo dann die Ware „vom Laster fällt“, wissen nur die Verkäufer.

Das Vorgehen ist auch in anderen Bundesländern beliebt. Das heißt, es muss einen Markt für gestohlenes, gebrauchtes Werkzeug geben, der nach der dunklen Jahreszeit völlig überspült sein muss.

Markt für Diebesgut

Nimmt man es genau, ist Werkzeugklau oft sinnlos: Professionelles Werkzeug hat meist eine Seriennummer – klar, die muss man erst mal aufbewahrt haben, aber bei den Mengen, die in den letzten Monaten entwendet wurden, müsste doch irgendwo ein gestohlenes Werkzeug auftauchen.

Betriebe kaufen sich meist neues Werkzeug. Gebrauchtes geht an Hobbybastler, die wohl nur einmal in ihrem Leben eine Poliermaschine kaufen – die hoffentlich nicht geklaut ist. Geht man von vernünftigen Hobbyhandwerkern aus, bleibt die Frage, was mit den geklauten Werkzeugen passiert, wohl unbeantwortet. Denn ohne Nachfrage, gibt es keinen Markt.

Kulinarischer Einbruch

Ein anderer Einbruch war da schon etwas direkter: Am vergangenen Mittwoch brach jemand in eine Gartenlaube ein. Das Diebesgut: Sieben Bier und leere Gläser. Zufallsfund oder gezielter Einbruch – der Zweck ist erkennbar: Der Einbrecher wollte Bier trinken.

Dass dafür die Tür völlig zerstört wurde und der Schaden bei 300 Euro liegt, steht in keinem Verhältnis – von moralischen Werten Mal ganz abgesehen.

Teilen statt stehlen

Wer für sich selbst klaut, hat ein konkretes Bedürfnis und trifft eigene Entscheidungen. Wer aber auf einen Schwarzmarkt „von einem Laster gefallene“ Ware kauft, schadet vor allem der Gesellschaft. Klar, spart man. Aber, was bleibt den Opfern? Fehlendes Werkzeug und Schaden durch den Einbruch. Vielleicht entsteht dann auch die Lust auf die sieben Frustbiere in der Laube des Nachbarn.

Ich bin mir sicher, wenn man alle zwei Jahre Mal die Werkstatt nebenan oder in Nachbarschaftsnetzwerken nach einer Poliermaschine fragt, gewinnen alle durchs teilen. Besitzen muss man das meiste Werkzeug, das selten eingesetzt wird, ohnehin nicht. Und der Kollateralschaden beim Teilen sind höchstens die sieben mitgebrachten Biere zum Gespräch am Gartenzaun.

Von Jan Russezki

Der Traum vom barrierefreien Segeln kann schon bald in Brandenburg wahr werden. Keimzeit unterstützt das Projekt von Anfang an und packt zum Endspurt noch einmal drei große Fanpakete.

16.04.2019

Fassadenkünstler Mathias Andert gestaltet das Pumpenhaus in der Goethestraße in Bad Belzig. Für ihn und die Stadtwerke ist es die erste Kooperation. Er erfährt viel Zuspruch und grenzt sich auch ab.

16.04.2019

Zwischen Fläming und Havel können aktuell 8,9 Millionen Euro aus dem EU-Leader-Programm verteilt werden. Ideen gibt es reichlich. Doch die Interessenten müssen warten, bis das Geld wirklich fließt.

15.04.2019