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Wie die alten Ritter schmausten

Mittelalter-Schau auf Rabenstein Wie die alten Ritter schmausten

Auf Rabenstein lebten einst Ritter und hochherrschaftliche Familien, Knechte, Steinmetze und Gesinde. Den einen ging es bei festlichen Menüs am Morgen schon gut, die anderen froren auf ihren Strohlagern. Wie das Leben auf der Mittelalterburg genau aussah, können sich Besucher nun in einer aufwendig gestalteten Ausstellung ansehen.

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So, und schau mal richtig grimmig: Schüler posen in der Burg für das passende Foto.

Quelle: Jens Rümmler

Rabenstein. Endlose Trinkgelage, bescheidene Hygiene sowie Tischsitten, die sehr zu wünschen übrig ließen. So oder ähnlich klingen Klischees übers Mittelalter. Mit der Wirklichkeit haben sie allerdings oft wenig zu tun. Eine neue Ausstellung über das frühere Leben auf Burg Rabenstein will mit manchem Vorurteil aufräumen. Besucher erfahren nicht nur, wie einst die alten Ritter schmausten, sondern auch, wie Menschen im Mittelalter lebten.

Anfang der Woche wurde die Schau in einem urigen Burg-Dachboden offiziell eröffnet: „Wir wollen das Mittelalter anschaulich zeigen, so, wie es vielleicht noch nicht so viele kennen. Das alles steht im Kontext zur Entwicklung unseres Landstrichs, dem Niemegker Land“, so Fritz Lintow, Vorsitzender des Fremdenverkehrsvereins „Niemegker Land.“, Er stellte die Schau zusammen mit der Gemeinde und weiteren touristischen Akteuren auf die Beine. Mit dem schmalen Budget von nur rund 20.000 Euro finanzierten die Macher eine beachtliche Ausstellung zum Leben im vor 800 Jahren.

Spielerisch können die Kinder eine Menge lernen

Spielerisch können die Kinder eine Menge lernen.

Quelle: Jens Rümmler

Die Schüler der 3. Klasse der Grund- und Oberschule „Johannes Clajus“ in Herzbergzählten zu den ersten Gästen der neuen Ausstellung. Sie kamen aus dem Staunen kaum heraus. „Sogar Kaiser und Könige konnten damals oft nicht Lesen und Schreiben. Von den Burgherren ganz zu schweigen“, gibt Schülerin Taja wieder, was sie gerade in einem Wissensquiz erfuhr.

Zu Essen gab es den Informationen nach meist Brei und Brot, dazu oft Rüben, Lauch und Spinat. Bier und Wein waren Alltagsgetränke – gern auch schon mal am frühen Morgen. Bedienstete mussten sich mit einer Mahlzeit am Tag begnügen. Für Burgherren waren indes mehrere opulente Speisen vorgesehen. Chef-Ritter ließen sich schon morgens das erste Menü schmecken.

Mittelalter zum Anfassen

Die Ausstellung ist von Freitag bis Sonntag sowie nach Vereinbarung für Besucher geöffnet.

Der Eintritt beträgt 2 Euro pro Person.

Burgherr Fritz Lintow bietet Führungen an. Dabei werden unter anderem der 30 Meter hohe Turm, Brunnen, Scheune und „Folterkammer“ besichtigt. Anmeldung unter Tel. 01 52/51 33 44 31.

Als die nächste Schulklasse hereinspaziert, gibt Fritz Lintow, der auf der Burg auch Führungen anbietet, gerade den Kartenabreißer am Einlass: „Ihr wollt bestimmt in die Ausstellung“, strahlt er die Kinder an. „Wisst ihr, wie lange ich schon auf euch warte“, flachst der Tourismus-Lenker weiter. Dann gibt er Tipps für den späteren Ausflug: „Schaut euch den Riesenstein bei Grubo an oder bestaunt unsere Rummeln.“ Das sind rinnartige, verzweigte Trockentäler, die sich bei Starkregen mit Wasser füllen.

Lintow kennt natürlich auch die Burg-Historie aus dem Effeff. Das beeindruckende Feldstein-Kastell hielt einst ein Mix aus Milch, Eiern, Quark und Kuhknochenkalk zusammen, erklärt er. „Beton gab es damals noch nicht. Erst seit rund 80 Jahren hält Zement den Bau zusammen“, so der moderne Burgherr von Rabenstein.

Die Kinder sind fasziniert von der Ausstellung auf Rabenstein

Die Kinder sind fasziniert von der Ausstellung auf Rabenstein.

Quelle: Jens Rümmler

Dann bestaunen die Schüler das Modell der Burg, wie sie im 19. Jahrhundert aussah. Es ist ein Meisterwerk aus tausenden kleinen Steinchen mit viel Liebe zum Detail. Auf einer der Schautafeln lesen die Mädchen und Jungen, dass zwischen 1250 und 1500 bis zu 100 Menschen auf der Burg lebten: Vom adligen Burgherren und seiner Familie über das Küchenpersonal bis hin zu Knechten und Steinmetzen.

Die angenehmste Zeit auf der Burg war demnach der Sommer mit seiner natürlichen Wärme. In der kälteren Jahreszeit pfiff der Wind durch Fenster und Türritzen. Fensterscheiben gab es noch nicht. „Nur wenige Räume der Burg, die vorwiegend der Familie des Burgherrn dienten, konnten beheizt werden“, sagt Fritz Lintow. Das Brennholz, von dem die Kamine der Burg Unmengen verschlangen, sei außerdem sehr gewesen.

Die Nächte auf der Burg waren offenkundig nicht so klasse – besonders für die Bediensteten. Die Oberschicht schlief in Himmelbetten, die einfachen Leute auf Stroh und Fellen. Ihre Bedeutung als Verteidigungsanlage verlor Burg Rabenstein übrigens mit dem Siegeszug der Feuerwaffen. 1623 kaufte ein Wittenberger Professor das Kastell mit dem dazugehörigen Gut.

Die Ausstellung wurde ausgestattet von der Potsdamer Grafikerin und Requisiteurin Heike Pfeiffenberger. Sie nutzte ihren direkten Draht zum Filmmuseum Potsdam, und konnte so etliche Exponate der Rabensteiner Ausstellung ergattern. „Schauen Sie hier, diese polierten Schwerter. Die hätte man in Potsdam nach einer Ausstellung beinahe entsorgt. Hier auf der Burg sind sie der Hingucker“, sagt Pfeiffenberger.

Der Turm von Burg Rabenstein

Der Turm von Burg Rabenstein.

Quelle: Jens Rümmler

Zu sehen sind aber auch original erhaltene Duell-Pistolen aus späterer Zeit. Erklärt wird der Aufbau einer Ritterrüstung. Die Texte der Schau recherchierte der Rainer-Große-Verlag in Königs Wusterhausen (Dahme-Spreewald). „Es wurde hier alles mit viel Liebe gestaltet. Man erfährt als Erwachsener noch Neuigkeiten übers Mittelalter“, so Verlagsleiter Rainer Große.

Die Macher der Mittelalter-Ausstellung erhoffen sich für die gebeutelte Burg Rabenstein neue Aufmerksamkeit. Der bisherige Pächter, der Arbeits- und Ausbildungsförderverein (AAfV) Potsdam-Mittelmark, hatte den Pachtvertrag kürzlich überraschend gekündigt. Eigentlich war der AAfV bi 2031 als Betreiber der Burg vorgesehen, nun wird er Rabenstein zum Ende des Jahres verlassen. Nun sucht die Gemeinde nach einem neuen Betreiber für den Besuchermagneten.

Von Jens Rümmler

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