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Wo Hans Grade gern in die Luft ging

Zu Hause in Borkheide Wo Hans Grade gern in die Luft ging

Der Luftfahrtpionier Hans Grade hat viele Spuren in Borkheide hinterlassen. Eine Ausstellung erzählt eine Menge über sein Leben und Wirken. Dennoch tun sich viele Einwohner schwer mit dem Gedanken, ihrem Dorf den Zusatz „Hans-Grade-Gemeinde“ zu verleihen.

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Das Hans-Grade-Museum mit seinen Flugzeugen aus der Luft.

Quelle: Dirk Fröhlich

Borkheide. Von Köslin ist es nicht weit bis nach Anklam, dem Geburtsort der Brüder Lilienthal. Im pommerschen Köslin wurde 1879 Hans Grade geboren. Er hatte schon früh Interesse an Technik, als 15-Jähriger baute er seine ersten Modellflugzeuge. Da flog schon Otto Lilienthal mit sein Gleitern durch die Lüfte. Der Zahnarzt der Familie leiht ihm Lilienthals Standardwerk „Der Vogelflug als Grundlage der Flugkunst“. Hans Grade verschlingt es und versucht, auf dieser Grundlage weitere Modelle zu bauen.

Nach seiner Ingenieurausbildung konstruierte er jedoch im Jahr 1903 zuerst ein Motorrad. Nur zwei Jahre später gründet er in Magdeburg die Grade-Motoren-Werke. Auch hier lässt ihn der Traum vom Fliegen nicht los. Er baut einen Motorflieger. Der erste Flug 1908 endet mit einer Bruchlandung. Rund 70 weitere Flüge folgen, Bis zu 700 Meter weit schafft er es.

Hans Grade in einem seiner Flugzeuge

Hans Grade in einem seiner Flugzeuge

Quelle: Repro Koska

Ein Jahr nach dem ersten Flug bezieht Grade ein Gelände in Bork, heute Borkheide. Hier unternimmt er weitere Flüge mit seiner „Libelle“, gründet eine Flugzeugfabrik und die erste Flugschule Deutschlands. 80 Flugzeuge werden gebaut und 130 Schüler ausgebildet. Grade wird zum bekanntesten Flieger in Deutschland, gewinnt Preise und stellt Rekorde auf. 1912 startete von Borkheide zum Postamt nach Brück der erste Postflug.

Nach dem Ersten Weltkrieg muss die Flugzeugproduktion eingestellt werden, Grade baut Räder an den Rumpf seiner Flieger – der Grade-Wagen war geboren. 2000 Exemplare verlassen das Werk. Eines davon kann man immer noch im Ort bewundern. Kfz-Meister Rudi Lapoehn hat den Wagen mit Originalteilen aufgebaut.

Wanderweg zu den Wirkungsstätten

Der Hans-Grade-Verein in der Waldsiedlung erinnert im Hans-Grade-Museum an das Wirken des Pioniers. Ein Wanderweg wurde eingerichtet. Kleine Erklärungstafel weisen auf die Wohnhäuser, die Fabrikgebäude, das Marsfeld und die Grabstätte Grades auf dem örtlichen Friedhof und das Grade-Denkmal hin. Der rührige Vorsitzende des Vereins, Burckhard Ballin, selbst ein begeisterte Pilot, leitet das Hans-Grade-Museum.

Neben der Grade-Ausstellung in einer ausgedienten Il-18, kann man auf dem Museumsgelände weitere Flugzeuge und Hubschrauber besichtigen. Das Museum hat ab Ende Oktober Winterpause. Viele im Ort glauben, dass sich das Dorf ohne Grade nicht so gut entwickelt hätte.

Bald ist Grades 70. Todestag

Daher haben die Abgeordneten Edda Haage und John Peter Dostal vorgeschlagen, dem Ortsnamen den Zusatz „Hans-Grade-Gemeinde“ voranzustellen. In einer Bürgerumfrage haben die Borkheider mit knapper Mehrheit dagegen gestimmt. Ob die Gemeinde dem Votum folgt bleibt abzuwarten. Grades Todestag jährt sich am 22. Oktober zum 70. Mal.

Von Andreas Koska

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