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Bad Belzig Zwei Tage lang den Fläming entdeckt
Lokales Potsdam-Mittelmark Bad Belzig Zwei Tage lang den Fläming entdeckt
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19:57 09.09.2018
Beim gut besuchten Fläming-Markt in Raben werben Anbieter die Region mit ihren vielfältigen Produkten. Quelle: Andreas Koska
Raben

Mario Strahl ist aus Zepernick im Barnim nach Raben gekommen. „Ich habe einen Flyer am Bahnhof Ostkreuz in Berlin gefunden und bin zum ersten Mal dabei“, erzählt Strahl während er sich etwas ablenken lässt vom Kartoffelnschälen. Im Schälwettbewerb wird er trotzdem noch guter Zweiter. Der von der Lokalen Aktionsgruppe Fläming-Havel (LAG) ausgelobt Wettbewerb ist ein Höhepunkte des Flämingmarktes in Raben.

Bei Flämingmarkt in Raben und der Bus-Rundtour „48 Stunden Fläming“ gab es am Wochenende viel zu entdecken.

Am Samstag und Sonntag lockt er rund um das Naturparkzentrum am Fuße der Burg Rabenstein zum 15. Mal zahlreiche Besucher an. Die meisten der Gäste sind bequem mit dem Bus angereist. Denn der Markt ist traditionell Mittelpunkt der vom Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg gemeinsam mit dem Landkreis Potsdam-Mittelmark und der LAG zum zwölften Mal durchgeführte Aktion „48 Stunden Fläming“.

Busse im Halbstundentakt

Im Halbstundentakt gehen kostenfreie Busse vom Fläming-Bahnhof in Bad Belzig aus auf Rundtour durch das Amt Niemegk und die Gemeinde Wiesenburg/Mark. „Die 48-Stunden-Aktion ist Vorbild einerseits für alle anderen ähnlichen Aktionen im Land und auch für die Plus-Busse“, sagt Brandenburgs Infrastrukturministerin Kathrin Schneider (SPD) bei der Eröffnung des Fläming-Marktes in Raben. Für Vize-Landrat Christian Stein (CDU) ist die Aktion „praktizierte Wirtschaftsförderung“. Immerhin ist die LAG-Vorsitzende Eveline Vogel gleichzeitig beim Landkreis für die Wirtschaftsförderung in Potsdam-Mittelmark zuständig.

Lange Schlangen bei Landfrauen

Neben den Verpflegungsständen, wo sich zum Beispiel bei den Landfrauen und ihren frisch zubereiteten Kartoffelpuffern lange Schlangen bildeten, gibt es auf der Wiese vor dem Naturparkzentrum viele Informationsstände. Der Tourismusverein Zauche-Fläming etwa ist ebenso vertreten wie die Bündnis-Grünen als einzige Partei. Sie verschenken leckere Äpfel. „Der Tag war geprägt von vielen, manchmal auch anstrengenden Gesprächen mit den Besuchern unseres Standes, die aber allesamt interessant waren“, sagt Jörg Rieche vom Teltower Ortsverband der Grünen am Samstagabend.

Kartoffelpuffer der Landfrauen backt Sylvia Herrmann. Quelle: Andreas Koska

 

Bei Paul Hänsch indes können sich Besucher an einer Handmühle versuchen. Hänsch entstammt einer Windmüllerfamilie in Berlin-Lichtenrade und ist seit Jahren bei mehreren Mühlenprojekten im Fläming tätig. Irmgard Klembt ließ es sich nicht nehmen, zu schroten und zu mahlen. Dafür erhielt die Wiesenburgerin ein Müllerdiplom aus den Händen des Müllers.

Unterwegs viel zu erleben

Entlang der Busroute haben das Wochenende über auch viele Dorfkirchen und Museen geöffnet. Es werden Wanderungen angeboten und auch einige Privatleute öffnen ihre Höfe für Besucher. Darunter auch Kurt und Bernd Lutsch in Niemegk. Die beiden sind Dachdeckermeister. Bernd hat das Geschäft von seinem Vater Kurt übernommen und führt den 150 Jahre alten Betrieb in fünfter Generation.

Auf dem Hof zeigen sie eine Ausstellung historischer Dachziegel und Fertigungsmaschinen. „Wir haben bis Anfang der 60er-Jahre Ziegel noch selbst produziert“, berichtet der Altmeister. Für 1000 Stück erhielt die Firma 247 Mark der DDR, erinnert er sich. Als eine billigere Dachsteinsorte auf dem Markt kam, wurde die Produktion in Niemegk aufgegeben. Besondere Aufmerksamkeit fanden beschriftete, halbrunde Firststeine. „Die haben wir bei Neueindeckungen von Häusern geborgen“, erzählt Bernd Lutsch. Neben Wünschen für die Bauherren kann man daraus das Jahr der Deckung erlesen. Der älteste Firststein stammt von 1842.

Altmeister Kurt Lutsch zeigt in Niemegk Ziegel aus der eigenen Produktion. Quelle: Andreas Koska

 

Ein Hingucker für Besucher ist auf dem Dachdeckerhof auch eine mit Schiefer gedeckte Hundehütte als besonderes Gesellenstück. „Das kleine Museum hier haben wir so zum ersten Mal aufgestellt“, sagt Bernd Lutsch. Nach dem Wochenende wird alles wieder im Schuppen verstaut. „Weggeworfen wird nichts“, versichert der Juniorchef. Sein Beruf ist für ihn auch Berufung. Er bedauert, das relativ wenige Besucher den Weg auf seinen Hof finden. Umso ist los im Renaissance-Rathaus und in der Johannis-Kirche zu Niemegk. Im Gotteshaus begrüßt Pfarrer Daniel Geißler persönlich die Gäste aus nah und fern.

Unterdessen tobt das Leben in Raben weiter. Ralf Raffelt, Bürgermeister der Gemeinde Rabenstein/Fläming, wurde dort auch politisch: „Bad Belzig muss Kreisstadt bleiben, das ist für die Infrastruktur unserer Region unabdingbar“, sagt der Gemeindechef zur nun immer stärker anlaufende Debatte zur erwogenen Zentralisierung der Kreisverwaltung in Beelitz-Heilstätten.

Von Andreas Koska

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