Volltextsuche über das Angebot:

8 ° / 7 ° Regen

Navigation:
Bad Belziger Chefin nimmt Abschied

Bürgermeisterbilanz Bad Belziger Chefin nimmt Abschied

Hannelore Klabunde-Quast (parteilos) gibt den Chefposten im Rathaus Bad Belzig ab. Die Bürgermeisterin sieht die Kur- und Kreisstadt auf einem guten Wege. Den Höhe- und den Tiefpunkt ihrer jetzt zu Ende gehenden achtjährigen Dienstzeit hat sie im MAZ-Gespräch benannt.

Voriger Artikel
Eheleute Herz halten Ragösen lebendig
Nächster Artikel
Weihnachtszauber im Naturparkzentrum

Schönster Moment in der Dienstzeit von Hannelore Klabunde-Quast (parteilos) als Bürgermeisterin in Bad Belzig: Seit 5. Dezember 2009 ist die Kur- und Kreisstadt ein Thermalsoleheilbad.

Quelle: Michael Greulich

Bad Belzig . Die achtjährige Dienstzeit von Hannelore Klabunde-Quast (parteilos) geht zu Ende. Die scheidende Bürgermeisterin der Kur- und Kreisstadt zieht eine positive Bilanz und sieht Bad Belzig auf gutem Wege.

Wie groß ist der Wehmut in diesen Tagen?

Es ist zumindest kein schmerzvoller Abschied. Denn zum einen ist die Kommune gut aufgestellt und die Verwaltung arbeitet ordentlich. Zum anderen war es von Beginn an klar, dass ich nur diese eine Amtszeit an der Spitze der Verwaltung anstrebe. Vor allem aus pragmatischen Gründen, nachdem ich ja seit der langwierigen Erkrankung meines Vorgängers Peter Kiep (SPD) schon quasi drei Jahre lang in Verantwortung stand, aber sonst wohl nicht auf die Idee gekommen wäre, zu kandidieren.

Sie waren als Parteilose im Amt. Warum?

So bin ich erzogen. Die Unabhängigkeit und den kritischen Blick habe ich mir vor und nach der politischen Wende bewahrt. Dabei ist mir freilich die Reflexion der Meinung der Menschen durchaus wichtig. Der Zuspruch aus der Bürgerschaft war vermutlich größer als manch Stadtverordneter heutzutage glauben mag und auf jeden Fall eine maßgebliche Motivation für mich als Sachverwalterin von Bad Belzig.

Was war der schönste Augenblick für Sie als Bürgermeisterin?

Natürlich der 5. Dezember 2009, als das Prädikat „Thermalsoleheilbad“ verliehen worden ist. Drei Jahre zuvor waren die Anforderungen ja noch nicht erfüllt gewesen. Jetzt gilt es, die Kurortentwicklung fortzusetzen, damit in drei Jahren der Titel verteidigt werden kann.

Mit der Stein-Therme war ein Baustein davon zu Beginn Ihrer Dienstzeit in sehr schwierigem Fahrwasser ...

Das stimmt. Zwischenzeitlich drohte die Insolvenz der Kurgesellschaft. Doch ist durch besonnenes Handeln im Vertrauen auf die eigenen Kräfte die bauliche wie finanzielle Sanierung auf den Weg gebracht worden. Es war nicht die einzige Herausforderung. Die Wohnungsgesellschaft muss bis heute Fehler der Vergangenheit ausbügeln und wird dennoch beginnen, insbesondere die Quartiere im Wohngebiet Klinkengrund für die Zukunft zu rüsten. Dabei stehen Parlament und Verwaltung solidarisch zusammen. Dessen ungeachtet sind Haushaltsausgleich und damit die Unabhängigkeit von der Kommunalaufsicht der Kreisverwaltung Potsdam-Mittelmark erreicht worden.

Gelernte Buchhalterin

Hannelore Klabunde-Quast (parteilos) ist 64 Jahre alt, zum zweiten Mal verheiratet und hat zwei erwachsene Söhne.

Sie stammt aus Lüsse, wohnt aber jetzt in Bad Belzig.

Mit der Ausbildung zur Buchhalterin in einer Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaft hat die beruflicher Laufbahn begonnen. Später wurde sie im Rat des Kreises Belzig fortgesetzt.

Nach der politischen Wende wechselte sie ins Rathaus, wurde später Kämmerin und ab 2005 zur Stellvertreterin von Stadtoberhaupt Peter Kiep (SPD) berufen, dessen Amtsgeschäfte sie dann bald übernehmen musste.

Schließlich stellte sich die parteilose Kandidatin 2008 der direkten Bürgermeisterwahl. Im ersten Durchgang setzte sie sich mit 57,5 Prozent der Stimmen gegen eine ganz Hand voll Mitbewerber durch.

Abgesehen von der Stein-Therme stehen mit Eisbahn und mehreren Freibädern sowie Feuerwache und sozio-kulturellem Zentrum (in der einstigen Geschwister-Scholl-Grundschule) mehr oder weniger zur Disposition. Dabei gibt es ohnehin in Schulen und Kindereinrichtungen viel Investitionsbedarf. Leistet sich Bad Belzig zu viel Luxus?

Was den Ober- und Grundschulcampus am Weitzgrunder Weg angeht, so hat die Kommune dort viel investiert. Dass es stets weitere Wünsche gibt, ist klar. In der Kindertagesstätte „Tausendfüßler“ muss in der Tat viel modernisiert werden, weshalb große Mühen aufgewendet wurden, um dies mit dem Förderprogramm „Soziale Stadt“ nun erledigen zu können. Die weiteren Vorhaben sind momentan nicht realisierbar, gleichwohl ich mir insbesondere wünsche, dass die Ideen für das Domizil am Busbahnhof nicht ad acta gelegt werden ...

Ist es so, dass vor allem in der zweiten Hälfte Ihrer Amtszeit ein Bruch zwischen Abgeordneten als Legislative und Ihnen als Exekutive entstanden ist?

Das hat sich nach der Kommunalwahl 2014 mit dem Erstarken der SPD-Fraktion eingestellt. Sie und ihre Partner haben schon in den Bürgermeister-Wahlkampfmodus umgeschaltet. Das hat auf die Dauer nicht allen gefallen. Deshalb haben einige ja nach personellen Alternativen gesucht.

Was war der schlimmste Moment für Sie als Bürgermeisterin?

Die Verkündung der Abwicklung der Geburtshilfe-Abteilung im Januar 2015. Vor allem das Gefühl der Ohnmacht wie ohne Anhörung von Argumenten und Prüfung von Alternativen eine Entscheidung durchgedrückt worden ist. Immerhin haben die Einwohner aus Bad Belzig und Umgebung so deutlich wie noch nie ihre Haltung bekundet. Und das Bürgerbündnis wird hoffentlich kritischer Begleiter der Entwicklung im hiesigen Krankenhaus bleiben.

Bad Belzig hat außerdem auf Fremdenfeindlichkeit reagieren müssen.

Die Kur- und Kreisstadt ist weltoffen. Das wird im Alltag ganz verlässlich praktiziert. Das Asylbewerberheim ist seit mehr als 25 Jahren etabliert. Toleranz wird vor allem gelebt und wenn nötig demonstriert – auf dem Marktplatz und bei den Foren mit Einwohnern aller Generationen und aus allen Teilen der Gesellschaft. Gerade dort haben die Rechtsextremen gespürt, dass hier für Hass oder Gewalt kein Platz ist.

Welche Aufgaben sind Ihrer Meinung nach in Zukunft zu lösen?

Bad Belzig entwickelt sich als Ort mit Lebensqualität. Das spiegelt sich sowohl im Tourismus als auch in der stabilen Einwohner-Entwicklung wieder. Darüber hinaus scheint ja das 200-jährige Bestehen als Kreisstadt im Jahr 2018 und der Fortbestand als solche gesichert. Darauf gilt es weiter vor Ort zu achten.

Werden Sie sich künftig komplett aus der Lokalpolitik heraushalten?

Es gehört sich so, absolut Abstand zu halten. Ich bin Mitglied im Festverein, Fördermitglied beim Jugendtheater „Strumpfhose“ und neuerdings im Weißen Ring. Bei der Opferhilfe könnte ich mir am ehesten ein ehrenamtliches Engagement vorstellen.

Welche privaten Vorhaben stehen auf der Agenda?

Wichtig ist, dass die Gesundheit mitspielt. Immerhin gab es einige Operationen in der jüngeren Vergangenheit, die ebenfalls zur Konsequenz beigetragen haben, jetzt in den Ruhestand zu wechseln. Familie und Garten bekommen mehr Zeit, dazu gibt es Reisepläne. Aber ganz besonders wünsche ich mir, noch das Klavierspiel zu erlernen. Als Kind hatte ich Akkordeonunterricht. Jetzt wird sich hoffentlich ein geduldiger Lehrer finden.

Von René Gaffron

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Potsdam-Mittelmark

Sollte Rauchen im Auto verboten werden, wenn Kinder dabei sind?

57811e88-cc1d-11e5-9fb5-3858ea6ed044
Babys aus Oberhavel (6)

Babys aus Oberhavel, Januar/Februar 2016

MAZab: Termine

Was geht ab? Jede Menge Events in Potsdam und im Land Brandenburg

Kinoprogramm

Alle aktuellen Filme in den Kinos von Potsdam und im ganzen Land Brandenburg