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Bad Belziger Erfolgsmodell wird exportiert

Strom- und Wärmeversorgung Bad Belziger Erfolgsmodell wird exportiert

Seit Oktober läuft die Strom- und Wärmeversorgung von 23 Mietern der Wohnungsgenossenschaft Bad Belzig 1919 in der Karl-Marx-Straße autark und innovativ. Ein Blockheizkraftwerk auf Erdgasbasis wird erfolgreich genutzt. Das Modell hat bereits Interesse außerhalb geweckt.

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Konversation im Keller: Clemens Hinze von den Stadtwerke-GmbH Bad Belzig erklärt die moderne Technik.

Quelle: René Gaffron

Bad Belzig/Wiesenburg. Der Pilotversuch der scheint gelungen. Seit vergangenem Oktober werden die Wohnungen in der Karl-Marx-Straße 2, 4,6, 8 und 10 von einem - auf Erdgasbasis arbeitenden - Blockheizkraftwerk mit Strom (9 Kilowatt elektrischer Leistung) und Wärme (19,2 Kilowatt thermischer Leistung) quasi autark versorgt. Hinreichend und preiswert, wie die Wohnungsbaugenossenschaft (WBG) 1919 Bad Belzig und die Stadtwerke-GmbH dieser Tage aus Anlass der offiziellen Inbetriebnahme mit Mietern und Handwerkern, die an der Gebäudesanierung im vergangenen Jahr beteiligt waren, bilanziert haben.

Der Clou ist dabei die Schaffung eines sogenannten separaten Stromarealnetzes. Im Keller des gerade erst erworbenen und sanierten Wohnhauses Nummer 6 ist die Kooperation mit der Stadtwerke-GmbH auf den Weg gebracht worden, mit der die Konzessionsvereinbarung zwischen Kommune und Regionalversorger buchstäblich untergraben werden kann. „Es handelt sich um den ersten vor Ort produzierten Strom der Stadtwerke“, lobte deren neuer Geschäftsführer Dirk Gabriel die Verbrauchernähe. Dies sei ein wichtiger Beitrag zur Einsparung von Kohlendioxid, betonte er den ökologischen Aspekt

Die 23 Mietparteien nutzen den ökonomischen Vorteil nicht minder gern, der sich aus der 100 000-Euro-Investition ergibt, die maßgeblich von ihrer Genossenschaft gestemmt wurde. So sind dem Vernehmen nach 54 000 Kilowattstunden Elektroenergie, also etwa 90 Prozent des Bedarfs, im Februar in dem Minikraftwerk erzeugt worden. Dem Versprechen des lokalen Lieferanten, sich am unteren Ende der Tarife zu orientieren – aktuell sind das 23 Cent je Kilowattstunde – sind die Kosten überschaubar. Technisch gibt es obendrein kein Grund zur Klage. Stromspitzen und -lasten werden durch das vorgelagerte Netz abgesichert, berichtet Ingo Krugmann, Für kältere Tage steht zusätzlich ein Erdgas-Brennwertkessel parat. Der Technik-Chef und Clemens Hinze, Fernwärmeexperte der Stadtwerke-GmbH, waren gefragte Gesprächspartner an ihrem Referenzprojekt. Einsparungen der Heizkosten im Vergleich zum Ölzeitalter seien ebenfalls wahrscheinlich.

Seit fast 100 Jahren

Die ursprünglich Gemeinnützige Wohnungsbaugenossenschaft (GWG) Bad Belzig gibt es seit 1919. Der Verwaltungssitz befindet sich in Bad Belzig, Karl-Marx-Straße 2 (nahe dem Bahnhof).

Sie zählt derzeit 211 Mitglieder. Das entspricht knapp der Zahl der vermieteten Wohnungen. Jedes Mitglied bzw. jeder Mieter ist durch Erwerb von Anteilen zugleich Miteigentümer.

Ihre Immobilien befinden sich in allen Teilen der Kernstadt Bad Belzig (Karl-Marx-Straße, Goethestraße, Friedrich-Schiller-Straße; Weitzgrunder Straße) und in Wiesenburg (Am Stadion), wo in den 90er-Jahren der größte Teil des kommunalen Wohnungsbestandes erworben worden ist.

Vor fünf Jahren ist das Unternehmen in Wohnungsbaugenossenschaft 1990 Bad Belzig umbenannt worden. Die Gemeinnützigkeit besteht fort, darf aber nicht mehr im Namen geführt werden. Seit 2011 ist Steffen Tschiersch der Firmenchef. Vorher war es seine Mutter Irene.

In der Kur- und Kreisstadt gibt es noch die kommunale Wohnungsgesellschaft (Bewog) sowie die Wohnungsgenossenschaft „Klinkengrund“ (ehemals Arbeiterwohnungsgenossenschaft Aufbau).

Steffen Tschiersch als Vermieter ist mehr denn je von der Richtigkeit seiner Strategie überzeugt, Quartiere mit günstigen Nebenkosten anzubieten. Seit rund fünf Jahren hatten er und seine Mitstreiter um die Pionierlösung gerungen, nun soll die Umstellung auf moderne Haustechnik in Verbindung mit Blockheizkraftwerken in Bad Belzig und Umgebung forciert werden. Prompt ist es geplant, die Innovation zu exportieren.

In der Wiesenburger Hasenheide gibt es vier Wohnblöcke der Genossenschaft, auf welche die in der Kur- und Kreisstadt erfolgreich getestete Technologie angewendet werden könnte. Interessierte Genossenschaftsmitglieder aus der Siedlung am Flämingstadion waren deshalb ebenso vor Ort wie Bürgermeister Marco Beckendorf (Die Linke). Für alle Bewohner wird es demnächst einen Informationsabend geben. Erklären die sich die Genossenschaftsmitglieder in der „Perle des Flämings“ bereit, an der exklusiven Versorgungsmaßgabe mitwirken zu wollen, könnte das Vorhaben noch dieses Jahr in Angriff genommen.

Von René Gaffron

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