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Bad Belziger Katzen soll nicht länger leiden

Kennzeichnungs- und Kastrationspflicht Bad Belziger Katzen soll nicht länger leiden

Ersäuft, erschlagen, gegen die Wand geworfen – beim Umgang mit Katzen und anderen Haustieren ist Tierquälerei leider noch immer erschreckend präsent. Nicht länger hinnehmen wollen das die Mitglieder das Vereins „Tierfreunde im Fläming“, die nun eine Kennzeichnungs- und Kastrationspflicht für Freigänger-Katzen fordern, um damit die Not ein wenig zu lindern.

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Wenn Tierfreund Manfred Linow vom „Tierfreunde im Fläming“ e.V. mit der Lebendfalle wilde Katzen einfängt, dient das dem Katzenwohl.

Quelle: Uwe Klemens

Bad Belzig. Die unkontrollierte Vermehrung von Katzen ist bundesweit in vielen Regionen eine Debatte, die aus unterschiedlichen Motiven geführt wird. Während die einen sich um die Hygiene in Parkanlagen und auf Spielplätzen sorgen, haben andere das Leid der ungewollten Fellnasen im Blick. Der jüngste Vorschlag des Vereins „Tierfreunde im Fläming“, innerhalb der gesamten Kommune Bad Belzig das so genannte Paderborner Modell einzuführen, soll ihnen allen gerecht werden.

Kastrationspflicht kann viel Leid ersparen

Um die Situation ein wenig zu entschärfen, werden allein durch den Verein pro Jahr ungefähr 70 freilebende und verwilderte Katzen eingefangen und nach tierärztlicher Untersuchung – falls noch nicht geschehen – kastriert beziehungsweise sterilisiert. Hinzu kommen etwa 20 bis 30 Katzenwelpen, die aufgezogen und anschließend möglichst weitermittelt werden, um ihnen das leidige Dasein als Straßenkatze zu ersparen, erläutert Vereinsvorsitzende und Tierärztin Birgit Heßler.

„An der Situation der freilebenden Katzen insgesamt ändert sich durch unsere Aktionen nichts. Viel zu viele Katzenbesitzer kümmern sich einfach nicht um ihre Tiere, so dass es zu dieser unkontrollierten Vermehrung kommt. Mit dem Paderborner Modell, also der allgemeinen Kastrations- und Kennzeichnungspflicht für Freigängerkatzen, könnte Abhilfe geschaffen werden.“ Im Ausschuss für Ordnung und Sicherheit in der Kreisstadt stellte der Tierschutzverein nun das Modell vor und empfahl dessen Einführung.

„Wie es derzeit läuft, kann es nicht bleiben“

„Die Verwaltung hat inzwischen von mir den Auftrag bekommen, diesen Vorschlag zu prüfen“, sagt Bürgermeisterin Hannelore Klabunde-Quast (parteilos), die selbst eine Katzenfreundin ist und ein Findlings- sowie ein Tierheimkätzchen bei sich aufgenommen hat. „Das Problem ist eigentlich ein gesamtgesellschaftliches. Wir als Gemeinde sollten uns dazu positionieren. Denn so wie es derzeit läuft, dass sich Eigentümer nicht kümmern oder Katzenwelpen erschlagen, ersäuft oder auf andere Weise ’entsorgt’ werden, kann einfach nicht länger so bleiben. Das Bewusstsein dazu ist einfach noch nicht überall im erforderlichen Maße gewachsen.“

Paderborner Modell

Mit der Einführung der allgemeinen Kennzeichnungs- und Kastrationspflicht für freilebende Katzen hat die Stadt Paderborn im Sommer 2008 die Notbremse gezogen.

Mehr als 1 000 herrenlose, größtenteils verwilderte Katzen werden dort jedes Jahr wieder durch lokale Tierschutzvereine eingefangen und kastriert.

Katzenhalter, die ihrer Katze Zugang ins Freie gewähren, haben diese zuvor von einem Tierarzt kastrieren und mittels Tätowierung oder Mikrochipkennzeichnen zu lassen. Dies gilt für alle Katzen, die älter als fünf Monate sind.

Nur die Kennzeichnung kann die erfolgte Kastration nachvollzogen werden.

Der Vorteil für den Besitzer ist dabei auch, dass sich ein entlaufener und andernorts wieder eingefangener Stubentiger auf diese Weise zuordnen lässt.

Welche Katzen und Katzenbesitzer genau mit dem Paderborner Modell erfasst würden, war eine der Fragen, die während der Ausschuss-Sitzung erörtert wurden. Klar ist: Katzen, die gechipt oder tätowiert und registriert sind und einen Besitzer, der sich um sie und etwaigen Nachwuchs tierschutzgerecht kümmert, sind von der Zwangskastration nicht betroffen. Auch eine entlaufene Katze, die in gepflegtem Zustand gefunden wird, wird nicht sofort kastriert.

Gute Erfahrungen in Paderborn und Luckenwalde

Dennoch böte die allgemeine Registrierungs- und Kastrationspflicht endlich die Möglichkeit, im Falle grober Vernachlässigung der Tiere und der unkontrollierten Vermehrung dagegen einzuschreiten, glauben Birgit Heßler und ihre Mitstreiter. Von einer spürbaren Verbesserung sprechen die Mitarbeiter der Ordnungsämter in Paderborn und Luckenwalde, das als erste brandenburgische Kommune das Modell einführte. Spätestens Ende Januar soll die Prüfung des Vorschlags durch die Bad Belziger Ordnungsbehörde abgeschlossen sein und der Stadtverordnetenversammlung eine entsprechende Beschlussvorlage vorgelegt werden.

Von Uwe Klemens

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