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Bad Belziger feiern Gnadenhochzeit

Eheglück seit 70 Jahren Bad Belziger feiern Gnadenhochzeit

„„Man sollte die Vorzüge des anderen genießen und die Nachteile akzeptieren“ lautet das Ehegeheimnis von Charlotte und Günter Andres. Seit 70 Jahren praktizieren es die beiden mit Erfolg. Am Dienstag feiern die beiden im engsten Kreis Gnadenhochzeit. An ihre Zeit als verliebte Teenager denken sie gerne zurück.

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Seit 73 Jahren ein Paar, seit 70 Jahren mit Trauschein: Charlotte und Günter Andres.

Quelle: Uwe Klemens

Bad Belzig. Am Dienstag vor 70 Jahren gaben sich Charlotte und Günter Andres auf dem Bad Belziger Standesamt das Ja-Wort, das sie später vor dem Altar noch einmal bekräftigten. Kennengelernt hatten sich der gebürtige Potsdamer, der als Sechsjähriger in den Fläming kam und die gebürtige Belzigerin in der Tanzschule. „Das einzige Vergnügen, das es damals gab“, erinnert sich Charlotte Andres, die bei Kriegsausbruch gerade 14 war. Der große Schmucke aus bürgerlichem Hause war ihr gleich aufgefallen. Als nach der Schlacht bei Stalingrad alle Tanzvergnügungen verboten wurden, war mit den Treffen vorerst Schluss.

Ein Jahr später begegneten sich die angehende Verwaltungsangestellte und der frischgebackene Kfz-Schlosser wieder. Sein freches „Kann ich bei dir einen Blumentopf gewinnen“ zielte nicht nur auf die Blumenschale in ihrer Hand. Die Schale bekam er nicht, dafür ihr Herz. Fortan waren die beiden, wenngleich anfangs heimlich, ein Paar.

„Heute kann man jungen Leuten gar nicht mehr erklären, dass das damals eben so war“, sagt Günter Andres. Eine Bank im Wald über dem Funkmessweg wurde ihr Treffpunkt. „Auch den ersten Kuss gab es hier, die Initiative ging von Günter aus, aber ich hatte drauf gewartet“, gesteht Charlotte. Offiziell wurde die Beziehung erst, als ihr Geliebter ein halbes Jahr später eingezogen und in Potsdam stationiert wurde. Mit Esspaketen der Mutter machte sie sich regelmäßig zu ihm auf den Weg.

Mit einem Streifschuss am Arm kam Günter Andres im Juni 1945 vorzeitig aus russischer Kriegsgefangenschaft nach Hause. Trost, dass seine Eltern in den letzten Kriegstagen ums Leben kamen, fand er bei Charlotte und ihrer Familie. „Schwiegermutter hat mich wieder aufgepäppelt“, erinnert er sich.

Ohne Trauschein zusammen leben, das ging trotzdem nicht. Mit zehn Gästen und einem Schinken, den ihnen Fleischermeister Herzberg spendierte, wurde am 22. Dezember 1945 geheiratet. Endlich durften sie zusammenziehen und bewohnten fortan ein kleines Zimmer mit Waschschüssel und Plumpsklo auf dem Hof.

Zwei Jahre nach der Hochzeit kam Tochter Brigitte, zehn Jahre später Sohn Ralph zur Welt. Zeit für Privates blieb wenig, beruflich waren beide eingespannt. 1961 gönnten sie sich den ersten Urlaub. „Eigentlich hat sich unser Leben nur zu Hause abgespielt“, sagt Charlotte Andres. „Differenzen gab es selten und wenn, dann waren sie nie so groß, dass wir an Trennung gedacht hätten“, antworten beide auf die Frage, warum ihre Ehe bis heute hält. „Man sollte die Vorzüge des anderen genießen und die Nachteile akzeptieren“ lautet der Rat an alle, die es ihnen gleich tun wollen.

Gefeiert wird am Dienstag nur im kleinen Rahmen. Erst zur nachträglichen Feier im Januar kommt die ganze Familie samt vier Enkeln und einem Urenkel zusammen. Die Geschichte von der kleinen Bank im Wald, damals vor 73 Jahren, müssen sie dann sicherlich noch einmal erzählen.

Von Uwe Klemens

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