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Potsdam-Mittelmark Bäume wie Streichhölzer umgefallen
Lokales Potsdam-Mittelmark Bäume wie Streichhölzer umgefallen
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11:54 27.02.2018
Nicht nur in Bad Belzig musste die Feuerwehr herumfliegende Bauteile sichern. Quelle: Feuerwehr Bad Belzig
Bad Belzig

Auch einen Tag nachdem das Sturmtief Xavier vielerorts im Hohen Fläming für Verwüstungen gesorgt hatte, hielten am Freitag in den Orten sowie vor allem an den Straßen die Aufräumarbeiten an. Der Deutsche Wetterdienst hatte in Wiesenburg Windspitzen mit bis zu 102 Stundenkilometer ermittelt. Das Entspricht der zweithöchsten Stufe 10.

Überflutungsgefahr gebannt

Besonders dramatisch wurde es am Freitag in Treuenbrietzen. Nahe der alten Steinmühle hatte der Sturm mehrere ausgewachsene Pappelbäume samt ihren Wurzelballen umstürzen lassen. Damit wurden Löcher in den seit Jahren als marode eingestuften Damm der Nieplitz gerissen. „Durch den Einsatz schwerer Technik und mit Hilfe des Wasser- und Bodenverbandes Nuthe-Nieplitz gelang es ab dem Mittag, eine Überflutung der Wohnhäuser an der Steinmühlenstraße zu verhindern“, berichtet Bürgermeister Michael Knape (parteilos). Anlieger wurden dennoch informiert und um Vorsichtsmaßnahmen an ihren Häusern gebeten.

Das Wasser der Nieplitz wurde zwischenzeitlich über eine Notvorrichtung in die Böllrichwiesen abgeleitet. „Der Betrieb der Forellenzucht ist inzwischen wieder gegeben“, sagt Michael Knape am Nachmittag der MAZ. Er hatte zwischenzeitlich erwogen, den Partnerschaftsbesuch in Nordwalde abzubrechen. „Das Wochenende über sollen Inspektionen und am Montag Sicherungsarbeiten am Damm erfolgen“, kündigte der Bürgermeister an. Er will den erneuten Notfall zudem zum Anlass nehmen, um das beim Landesumweltamt seit Jahren stockende Verfahren zur Umverlegung der Nieplitz zur Gefahrenabwehr „endlich auf den Weg zu bringen“.

Die am Nieplitzdamm samt Wurzelballen umgekippten Pappeln wurden abgesägt und die Stümpfe per Bagger zunächst wieder in die Löcher gesetzt. Quelle: Marco Harbach

Allgemein hatten in der Fläming-Region seit Donnerstagnachmittag vor allem umgestürzte Bäume vielerorts für Gefahren und Probleme gesorgt. Bei Aufräumarbeiten waren drei Leute der Feuerwehr Treuenbrietzen sowie ein Mann der Bad Belziger Wehr verletzt worden. Ansonsten blieb es nach ersten Erkenntnissen bei mehr oder weniger großen Sachschäden. Der Bahnverkehr war auch noch am Freitag ausgesetzt.

Schwerpunkt war Landesstraße 95

Besonders schwer getroffen hatte es offenbar den äußersten Südwestzipfel des Kreises Potsdam-Mittelmark. Es kam zu Ausfällen des Telefon- und Stromnetzes bis Freitagmittag. „Tausende Kunden sind betroffen“, bestätigt Thomas Lennecke. Wie der Netzbetriebsmeister der Edis der MAZ erklärte, sind allerorten Äste und Bäume in die noch zahlreichen Freileitungen gestürzt und haben so zu Störungen geführt. Mitarbeiter des Regionalversorgers und dessen Partnerfirmen waren am Freitag damit befasst, Schäden zu lokalisieren und zu beseitigen. „Das nimmt mindestens den ganzen Tag in Anspruch“, so Lennecke. Er verglich die Schäden mit jenen von Sturm Kyrill im Jahr 2007. Dabei dauerte der Sturm dieses Mal nur gut drei Stunden an.

Auch Freitag blieb noch viel zu tun entlang der Straßen. Quelle: Thomas Wachs

Schwerpunkt für die Feuerwehrleute der Kreisstadt Bad Belzig war die Landesstraße 95 zwischen Bad Belzig und Lübnitz. Dort knickten Bäume wie Streichhölzer um. Die Piste war vorübergehend komplett gesperrt worden. Alle Autos, die in dem fünf Kilometer langen Abschnitt noch unterwegs waren, wurden aus der Gefahrenzone geholt. Zwischenzeitlich war von den Blauröcken auch der Rückzug erwogen worden, berichtet Ortswehrführer Raphael Thon. Doch letztlich mussten mindestens die Rettungswege frei gehalten werden.

Alle Ortswehren waren im Einsatz

Mehr als drei Dutzend Mal waren die Kur- und Kreisstädter am Donnerstag zwischen 15.30 und 21.30 Uhr angefordert worden. Vom Gerätehaus in der Niemöllerstraße, wo abends auch Bürgermeister Roland Leisegang (parteilos) zugegen war, sind die Kräfte aller Ortswehren eingeteilt und geführt worden. Die Drehleiter wurde zur Unterstützung nach Michendorf entsendet. Derweil unterstützte vor Ort der THW-Ortsverband Bad Belzig. „Diese Zusammenarbeit im Einsatz ist erstmalig“, bestätigt Ortswehrführer Raphael Thon.

Auch im Hohen Fläming blieben die Menschen nicht von Sturm „Xavier“ verschont. Noch am Freitag ging das große Wundenlecken und Aufräumen weiter, viele Einsatzkräfte und freiwillige Helfer legten Hand an. Die MAZ hat Eindrücke davon eingesammelt.

Ebenfalls bis weit nach Mitternacht und am Folgetag waren die Wehren des Amtes Niemegk sowie der Gemeinde Wiesenburg/Mark gefordert. „Bei uns im Amt Brück hielt die Chaos-Phase bis Freitag gegen 9 Uhr an“, sagt Amtsbrandmeister Uwe Paul. Mit der Feuerwehr Brück richtete er schon am Donnerstagnachmittag im Gerätehaus eine gesonderte Zentrale ein. Rund 150 Einsätze wurden von dort insgesamt koordiniert. Probleme gab es, „weil unsere alte W 50-Drehleiter aus DDR-Zeiten in der Werkstatt ist und der Förderantrag auf eine neue leider seit Jahren keinen Erfolg hat“, sagt Paul. Für diese Tage hätten wir sie gut gebrauchen können, um an Bäume und Häuser heranzukommen“, so der Amtsbrandmeister.

Für seinen Kollegen Olaf Fetz, Stadtbrandmeister in Treuenbrietzen, kamen anderer Sorgen zur Bilanz von gut 60 Einsätzen hinzu. „Zwei Leute der Wehr aus Pflügkuff wurden bei Aufräumarbeiten von einem weiteren umstürzenden Baum getroffen und verletzt, erzählt Fetz. Ähnlich erging es einem Feuerwehmann aus Rietz, der nun im Krankenhaus liegt. Auch den Freitag über blieben die Ehrenamtler fast pausenlos im Einsatz. Zwischenzeitlich auch zu einem Verkehrsunfall. Es folgte Einsätze mit der Drehleiter bis in den Raum Michendorf und Teltow zur Unterstützung dortiger Kräfte.

Wie hier am Abzweig Rietz von der B 102 wurden Bäume vielfach zur Gefahr. Quelle: Victoria Barnack

Immer wieder griffen vor allem am Donnerstag auch Autofahrer auf Bundesstraßen und weiteren Strecken im Hohen Fläming zur Selbsthilfe und leisteten Gefahrenabwehr. Sie räumten größere Äste und kleiner Bäume von Fahrbahnen. Mehrfach unter anderem zwischen Bad Belzig und Treuenbrietzen. Allgemein werden die Aufräumarbeiten nach Sturm Xavier im Hohen Fläming vielerorts noch weitere Tage andauern.

Von Thomas Wachs und René Gaffron

Die unzähligen Sturmschäden in Potsdam-Mittelmark waren für die Feuerwehr allein kaum zu bewältigen. Deshalb kamen das Technische Hilfswerk (THW), viele Privatpersonen, aber auch Sicherheitspartner der Gemeinden zum Einsatz. So auch auf der Straße zwischen Caputh und Ferch, wo mehrere umgestürzte Bäume Autos und einen Bus einkesselten.

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