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Potsdam-Mittelmark Bahnhof Michendorf: Das plant der Besitzer
Lokales Potsdam-Mittelmark Bahnhof Michendorf: Das plant der Besitzer
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20:23 04.05.2017
„Ich mag Baudenkmäler“: Thomas Drechsel mit seiner Frau Barbara am Michendorfer Bahnhof. Quelle: Jens Steglich
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Michendorf

Der Berliner Thomas Drechsel hat den Michendorfer Bahnhof für 313.000 Euro ersteigert. Der 56-Jährige will noch dieses Jahr mit der Sanierung beginnen.

Um die Zukunft des Bahnhofs wurde in Michendorf heftig gerungen. Im Hintergrund stand immer die Frage: Kommt der Bahnhof in gute Hände, wenn ihn die Gemeinde nicht kauft? Ist er jetzt in guten Händen?

Ich habe dem Bürgermeister angeboten, sich bei der Bauaufsicht und bei den Denkmalpflegern in den Berliner Bezirken zu erkundigen und sich selbst einen Eindruck zu verschaffen. Wir haben bei Bahnhofssanierungen immer gut mit den Behörden zusammengearbeitet. Die Bahnhöfe, die wir entwickelt haben, sind ganz gut geworden.

Was haben Sie mit dem Michendorfer Bahnhof vor?

Geplant ist, mit der Inhaberin des Bahnhofslokals einen längerfristigen Mietvertrag abzuschließen, damit sie auch Planungssicherheit bekommt. Ich finde die Kneipe sehr witzig eingerichtet. Mit der Inhaberin der Psychotherapie-Praxis stehen die Gespräche noch aus. Der Bürgermeister hat uns außerdem den Kontakt zur gemeinnützigen Gesellschaft Kubus vermittelt. Sie hat Interesse, im Bahnhof zwei oder drei Etagen anzumieten. Alles, was dann noch frei bleibt,wird wohl zu Gewerberäumen. Möglich ist auch eine kleine Pension. Wer Interesse hat, kann sich gern melden.

Sie wollten ursprünglich auch neue Wohnungen einrichten?

Das kann man an S-Bahnhöfen machen. Wenn in Michendorf auch Güterzüge vorbeirauschen, wird es dafür einfach zu laut.

Im kommunalen Konzept war von einem Kiosk im Eingangsbereich die Rede. Wird es ihn geben?

Den Eingangsbereich stellen wir wieder her und wenn es möglich ist und die Brandschutzauflagen es zulassen, soll dort ein Kiosk mit Imbiss entstehen. Der Gewölbekeller des Bahnhofs ist als kleiner Veranstaltungssaal nutzbar, den der Theaterverein der Kleinen Bühne mit nutzen könnte. Erst muss aber geprüft werden, ob die Brandschutzauflagen das zulassen und wie die Fluchtweg-Situation ist.

Haben Sie schon einen Zeitplan, wann die Sanierung beginnen soll?

Die Übergabe des Bahnhofs ist jetzt im Mai. Dann braucht der Architekt bis Ende Mai, bis er seine Pläne fertig hat. Zuerst müssen die Brandschutzauflagen erfüllt werden. Ich schätze, dass wir mit dem Innenausbau dann im Herbst beginnen. Für die Außenfassade steht noch die Untersuchung einer Restauratorin an. Es geht dabei um die Frage, welche Farben ursprünglich die Fenstereinlassungen hatten. Über den Winter wollen wir die Etagen im Bahnhof fertig stellen und wahrscheinlich im Frühjahr die Außenfassade sanieren.

Haben Sie schon überschlagen, wie viel die Sanierung kosten wird?

Ich schätze, zwischen 150.000 und 200.000 Euro.

Sie haben den Michendorfer Bahnhof für 313.000 Euro gekauft. Oben drauf kommen noch Neben- und Sanierungskosten. Wie machen Sie das, dass sich es am Ende auch für Sie rechnet?

Ich brauche keine Bankenfinanzierung und zahle bar. Ich glaube, es ist eine langfristige Geldanlage. Es ist mir sicherer, als wenn das Geld auf der Bank liegen würde. Außerdem mag ich einfach alte Dinge wie Baudenkmäler. Ich frage mich vor dem Erwerb von Immobilien immer, ob ich dort selbst einziehen würde. Wenn da ein Ja rauskommt und Interesse da ist, beißen wir uns fest.

Holen Sie sich das Geld über hohe Mieten zurück?

Es wird nur kleinere Anpassungen geben. Wir sind keine Wohltäter oder das Rote Kreuz, aber wir wissen, dass wir hier nicht in Berlin sind und in Michendorf niedrigere Mieten gezahlt werden.

Wie sind Sie eigentlich darauf gekommen, den Michendorfer Bahnhof zu ersteigern?

Die Deutsche Bahn hatte vor drei Jahren in einer anderen Grundstückssache schon mal angekündigt, den Bahnhof verkaufen zu wollen. Das ursprüngliche Angebot der Gemeinde, den Bahnhof für 50.000 Euro zu erwerben, war übrigens für die Bahn eher ein Angebot unter der Gürtellinie, weil sie angehalten ist, Immobilien meistbietend zu verkaufen. Der Michendorfer Bahnhof war dann im Auktionsprospekt zu sehen.

Hat er Ihnen gleich gefallen?

Es ist ein schönes Baudenkmal, wenn man allein schon die hohen Fenster im Bahnhofslokal sieht. Auch die Klinkersteine mag ich, weil sie einfach zu reinigen sind.

Warum kaufen und sanieren Sie so gern Bahnhöfe?

Es sind Spezialimmobilien. Sie liegen oft im Ortszentrum und haben durch den Bahnverkehr eine hohe Besucherfrequenz. Das führt dazu, dass Gewerbemieter genug Kundschaft haben. Wir haben meistens auch Bahnhofskneipen dabei, die alle gut laufen – in Berlin am Mexikoplatz oder in Nikolasee etwa.

Können Sie etwas über sich selbst erzählen?

Ich habe 1981 in Westberlin mit der Currywurstbude „Wurstmaxe“ angefangen. Da gab es noch kein McDonald’s oder Burger King und auch noch keine vakuumgezogenen Currywürste im Supermarkt. Es waren paradiesische Zeiten. Danach habe ich angefangen, das ein oder andere Haus zu kaufen. Ich habe Freude daran, alte Dinge zu erneuern und wieder schön zu machen. Die Entwicklung von Immobilien ist inzwischen das Hauptgeschäft.

Wie viele Bahnhöfe haben Sie schon erworben?

Sieben.

Sie waren jetzt in Michendorf und haben auch eine Sitzung der Gemeindevertreter miterlebt. Was hatten Sie für einen Eindruck?

Ich finde, hier ist fast alles in einem guten Zustand. Die Michendorfer haben sogar einen guten Fußballplatz. Da kommen mehr Zuschauern als bei unserem Fußballverein FV Wannsee. Erschreckt hat mich, wie man in der Gemeindevertretung miteinander umgegangen ist. Der Ton ist rau und es gibt Angriffe, die unter der Gürtellinie sind. So große Probleme hat die Gemeinde doch nicht, da muss man sich nicht persönlich so angehen.

Was meinen Sie, wann ist der Michendorfer Bahnhof fertig saniert und voller Mieter?

Ein bisschen ist das abhängig vom Wohlwollen der Behörden. Ich denke, die Michendorfer werden sich Ende 2018 darüber freuen, wie sich der Bahnhof verschönert hat. Ich habe den Bahnhof für meine 18-jährige Tochter gekauft, die gerade ihr Abitur macht. Es gibt also auch ein familiäres Interesse, dass alles schön wird und auch so bleibt.

Von Jens Steglich

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