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Bald per Rad durchs Schleusenviertel

Kleinmachnower Kleinod zum Entdecken Bald per Rad durchs Schleusenviertel

Die Gemeinde Kleinmachnow und der Eigentümer des Schleusenviertels am Teltowkanal wollen einen öffentlichen Fuß- und Radweg durch die Siedlung entlang der Kleingärten befestigen lassen. Damit soll die Kanalaue ein weiteres Stück erschlossen und die denkmalgeschützte Siedlung den Menschen näher gebracht werden.

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Michael Linckersdorff an einem der beiden Häuser mit historischem Sgraffito.

Quelle: Bernd Gartenschläger

Kleinmachnow. Es ist ein Ort, der trotz aller Entwicklungen und Verkehrsströme seine Idylle erhalten hat: Das Schleusenviertel. Noch heute kennen viele Einwohner der Gemeinde die kleine Siedlung mit den Doppelhäusern direkt am Teltowkanal nur aus der Ferne. Eine Privatstraße der benachbarten Wasserbauschule führt in das Viertel, wo allen Mietern in den sieben Häusern und dem Plattenbau aus DDR-Zeiten der Wasserblick vergönnt ist. Und selbst aus den 16 Schrebergärten mit viel Wiese und alten Obstbäumen hat man Wasserblick. Dort erholen sich jetzt Kleinmachnower und müde Städter aus Berlin und Potsdam.

Auch diese jungen Leute aus Berlin lieben das Schrebergarten-Idyll der Schleusensiedlung in Kleinmachnow

Auch diese jungen Leute aus Berlin lieben das Schrebergarten-Idyll der Schleusensiedlung in Kleinmachnow

Quelle: Bernd Gartenschläger

Künftig könnte ein befestigter Fuß- und Radweg, der über das Grundstücksgelände entlang der Kleingärten führt, das Kleinod auch für andere erlebbar machen und den Uferweg durch die Teltowkanalaue um einen weiteren Abschnitt aufwerten.

„Es ist doch traumhaft“, schwärmt Michael Linckersdorff. Der in Berlin lebende Kunsthändler hat die denkmalgeschützte Siedlung vor etwa sechs Jahren von der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima) erworben. Er war im Internet über die Ausschreibung gestolpert und erhielt als Meistbietender den Zuschlag. „Ich hatte mich sofort in das Ensemble verliebt“, sagt er bei einem Spaziergang unter stahlblauem Himmel. Während er von seiner Vorliebe für interessante Denkmäler erzählt – er lässt in Potsdam gerade die ehemalige Kaiserliche Matrosenstation Kongsnæs wieder aufbauen – weist er auf Schmuckelemente an den alten Schleuser-Häusern: verzierte Türrahmen und sogenannte Sgraffito mit floralen Elementen, Rehen, Fischen und Enten an zwei Giebelfassaden. Sgraffito bezeichnet eine Dekorationstechnik zur Bearbeitung von Wandflächen. Sie spielte besonders während der Renaissance in Italien eine große Rolle und wurde im 16. Jahrhundert von den Renaissancebaumeistern nach Deutschland und Österreich gebracht. Während sie in Thüringen, Sachsen und Bayern verbreitet ist, findet man die Technik in der hiesigen Region sehr selten.

Der Investor will den einstigen Siedlungscharakter erhalten und den Wohnwert weiter erhöhen. Dazu zählen schrittweise Sanierungen in den Häusern, deren Hälften je ungefähr 80 Quadratmeter Wohnfläche haben. Moderner Komfort zieht ein, wo Wohnungen leer sind. Etwa die Hälfte der Innensanierungen ist geschafft, auch in dem DDR-Plattenbau auf der kleinen Anhöhe. Nach außen hin bekommen die Häuser aus den 1930er Jahren einheitlich grüne Fensterläden und Kalksandsteinputz. Die Dächer werden mit Biberschwänzen neu gedeckt.

Der kleine Plattenbau stammt noch aus der DDR-Zeit

Der kleine Plattenbau stammt noch aus der DDR-Zeit.

Quelle: Bernd Gartenschläger

Keine Gnade finden die alten 14 Garagen, von denen die Hälfte leer steht. Sie sollen abgerissen und durch drei Doppelhäuser ersetzt werden. Mit einem vierten möchte Linckersdorff die Lücke füllen, die eine Kriegsbombe gerissen hat. Das Doppelhaus Nummer 13/14 kommt in gleicher Kubatur wie einst an seine alte Stelle in der Straße Machnower Schleuse 1-17. Historische Kopien für die Neubauten seien nicht erwünscht. Die Zusammenarbeit mit den mittelmärkischen Denkmalschützern bezeichnet Linckersdorff als „ausgesprochen angenehm“.

Diese alten Garagen sind dem Investor ein Dorn im Auge

Diese alten Garagen sind dem Investor ein Dorn im Auge. Er will dafür zwei kleine Doppelhäuser neben dem Plattenbau errichten lassen.

Quelle: Bernd Gartenschläger

Um die Kleinmachnower Bürger an das Siedlungsdenkmal „heranzuführen“, ist Linckersdorff bereit, den geplanten öffentlichen Radweg, der aus Richtung Augustinum kommt, teilweise mitzufinanzieren. Pflege, Reinigung und Winterdienst sollten hingegen in Händen der Gemeinde bleiben.

Überall Wasserblick

Das Schleusenviertel in Kleinmachnow wurde in den Jahren zwischen 1932 und 1936 gebaut. 1951 entstand die Wasserbauschule.

Die Idee dahinter war, eine Siedlung für die Schleusenmitarbeiter zu schaffen. So entstanden acht Doppelhäuser direkt am Kanal.

Für die Selbstversorgung der Beschäftigten wurden gleich noch 16 Schrebergärten mit je rund 250 Quadratmetern und kleinen Gerätehäuschen, wenige Meter von den Wohnhäusern entfernt, angelegt.

Die Schrebergärten sind heute separat an Nutzer etwa aus Kleinmachnow, Potsdam und Berlin vergeben.

In der DDR wurde 1987 noch ein kleiner Plattenbau für vier Mietparteien in dem Viertel errichtet. Auch von dort haben die Mieter Wasserblick.

Auch diese Garagen sollen fallen

Auch diese Garagen sollen fallen. Daneben ist ein Doppelhaus in Anlehnung an die Originale in der Siedlung geplant. Im Vordergrund der bislang unbefestigte Weg, der künftig befestigt als Geh- und Radweg benutzt werden kann.

Quelle: Bernd Gartenschläger
Hier würde die Verlängerung des bisherigen Radweges durch die Teltowkanalaue aus Richtung Augustinum weitergehen

Hier würde die Verlängerung des bisherigen Radweges durch die Teltowkanalaue aus Richtung Augustinum weitergehen. Immer an den Schrebergärten entlang. Oberhalb zu sehen die Hallen der Wasserbauschule.

Quelle: Bernd Gartenschläger

Von Claudia Krause

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