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Potsdam-Mittelmark Band Drei gegen das Vergessen
Lokales Potsdam-Mittelmark Band Drei gegen das Vergessen
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00:18 31.12.2017
Inge Richter (links) und Bärbel Kraemer haben Schicksale von Roederhof-Gefangenen zusammengetragen. Quelle: Victoria Barnack
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Bad Belzig

„Meine Mutter ist in Brittany am 20. April 1908 geboren. Sie heiratete meinen Vater, Roger Levy, 1940. Roger war Jude und in den ersten Kriegsjahren Kapitän in der französischen Luftwaffe. Er bekam Kontakt zur französischen Widerstandsgruppe, operierte als Leiter des Widerstandes im Bezirk Savoie. Meine Mutter war im Widerstand in Lyon aktiv“, schreibt Nicole Hooper. Die inzwischen 73-Jährige war lange auf der Suche nach Antworten über das Leben und Sterben ihrer Mutter. Wo die Insassin des Zwangsarbeiterlagers Roederhof begraben ist, weiß die Tochter bis heute nicht.

Halbes Jahr Arbeit

Jeanne Marie Pois, verheiratete Levy, ist nur eine der Frauen und Männer, deren Schicksale im dritten Band der Bücherreihe des Förderkreises Roederhof erzählt werden. Ein halbes Jahr intensive Arbeit haben die Redakteurinnen Bärbel Krämer und Inge Richter in „Schicksale, Teil 3“ gesteckt. „Die ersten Recherchen stammen von Gerhard Dorbritz, dem langjährigen Vorsitzenden des Förderkreises, der inzwischen verstorben ist“, sagt Inge Richter, die heute den Kreis leitet.

Dorbritz gehört ebenfalls zu den Schicksalen, von denen das neue Buch erzählt. Sein Vermächtnis zu erfüllen, sehen sich die Frauen und Männer des Förderkreises verpflichtet. „Auch, weil sieben Jahrzehnte nach Ende des Zweiten Weltkrieges noch immer Menschen nach Antworten suchen, warum Angehörige in Konzentrations- und Zwangsarbeiterlagern interniert wurden und zu Tode gekommen sind“, schreiben Krämer und Richter in dem Buch mit 120 Seiten. Wie die ersten beiden Teile der „Schicksale“-Reihe berichten Angehörige darin über die Insassen des Außenlagers des KZ Ravensbrück.

Historische Forschung wird fortgesetzt

Viele von ihnen, so auch Nicole Hooper, betonen, dass sie ohne die Hilfe des Bad Belziger Ehrenbürgers Dorbritz wohl nie so viel über ihre getöteten Familienmitglieder erfahren hätten. Während der Arbeiten zum dritten Band zeigte sich nun, dass die Mitglieder des Förderkreises auch die historische Forschung von Dorbritz fortsetzen. „Es gibt noch viele offene Kapitel“, sagt Inge Richter.

Alljährlich findet in dem ehemaligen KZ-Außenlager bei Bad Belzig eine Gedenkveranstaltung zur Erinnerung an die kampflose Übergabe am 3. Mai 1945 statt. Quelle: Christiane Sommer

Auf den letzten Seiten des Buches ist eine Namenslisten von Ausländern aufgeführt, die 1944 und 1945 in dem Lager bei Bad Belzig starben und beerdigt wurden. Am 29. November 1944 ist Nicole Hoopers Mutter verzeichnet mit dem Vermerk „aus Frankreich, KZ-Nummer 10289, gestorben an Lungenentzündung“.

„Aber es sind längst nicht alle Namen, die im Buch aufgeführt sind“, sagt Helga Kästner, Bad Belzigs Chronistin und ebenfalls Mitglied im Förderkreis Roederhof. Erst über die Anfrage von Nicole Hooper hätten die engagierten Bad Belziger Einblick in das Totenbuch der Kirche von 1937 bis 1945 erhalten. Nun liegt eine lange Liste vor mit Namen, die bisher nie gefallen waren. Helga Kästner hat eine Vermutung, um wen es sich auf den Listen handeln könnte. „Am Bach hinter dem Friedhof standen beschriftete Kreuze“, erzählt sie, „aber keiner wusste, was sie bedeuten.“ Offenbar hatte Pfarrer Erich Tschetschog sie aufgestellt und notiert, um den Ermordeten eine letzte Ruhestätte zu geben.

Möglicher vierter Band

Künftig und mit Blick auf einen möglichen vierten Band der „Schicksale“-Reihe gilt es für den Förderkreis nun, die Forschung um das Lager Roederhof weiter voranzutreiben. Dafür möchte Vereinsvorsitzende Inge Richter vermehrt auch Jugendliche gewinnen. Die Teilnahme am landesweiten Projekt zur Jugendgeschichtsarbeit „überLAGERt“ sei ein erster Schritt in diese Richtung, sagt Richter. Der dritte Band „Schicksale“ könnte ebenfalls dazu beitragen, denn er ist das erste Buch des Förderkreises, das finanziell gefördert wurde und kostenlos an Schulen verteilt wird.

Die Geschichte des Roederhof

Von August 1944 bis zur Kapitulation am 8. Mai 1945 existierte am Rande von Bad Belzig ein Außenlager des Frauenkonzentrationslagers Ravensbrück. Ab Herbst 1944 unterstand es dem KZ Sachsenhausen.

Etwa 1000 Frauen, überwiegend aus Polen, der ehemaligen Sowjetunion, Belgien, Frankreich, der ehemaligen Tschechoslowakei, Italien und anderen europäischen Ländern wurden in dem Lager gefangen gehalten. In der nahegelegenen Munitionsfabrik mussten sie in Zwölf-Stunden-Schichten Zwangsarbeit leisten.

Bewacht, geschlagen und erniedrigt von SS-Aufseherinnen, erhielten sie fast nichts zu essen und keinei medizinische Versorgung.

Etwa 200 Frauen wurden in dem Lager getötet, starben an ihren Verletzungen oder aus Erschöpfung. Es wird vermutet, dass auch 40 unbekannte Kinder im Roederhof umkamen.

Neben dem Außenlager befand sich das Zwangsarbeiter- und Kriegsgefangenenlager „Grüner Grund“, mit dessen Bau bereits 1942 begonnen worden war. Die Insassen waren unter ähnlichen Bedingungen interniert.

Die etwa 1200 Frauen und Männer aus der ehemaligen Sowjetunion, Polen und Kroatien mussten Zwangsarbeit im Roederhof und in Betrieben der Umgebung leisten. 1943 wurde das Lager um 300 Kriegsgefangene aus Frankreich und Italien erweitert

Das Buch „Schicksale, Teil 3“ ist in der Bad Belziger Touristeninformation, in der Buchhandlung „Ritter“ sowie beim Förderkreis Roederhof erhältlich. Zur Deckung der Entstehungskosten bittet der Förderkreis um eine Spende von drei Euro. ISBN: 978-3-941175-81-5

Von Victoria Barnack

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