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Banküberfall in Görzke: Prozess beginnt

Landgericht Potsdam Banküberfall in Görzke: Prozess beginnt

Gleich internationale Prozess- und Gefängniserfahrungen bringen die beiden Angeklagten aus Tschechien mit, die sich seit Dienstag wegen eines Banküberfalls im Juni 2012 auf die Görzker Sparkasse verantworten müssen. Die Staatsanwaltschaft Potsdam wirft den beiden Männern räuberische Erpressung vor.

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Die Sparkasse in Görzke (Potsdam-Mittelmark) war im Juni 2012 Schauplatz eines Banküberfalls. Jetzt sitzen die mutmaßlichen Täter vor Gericht.

Quelle: Silvia Zimmermann

Görzke/ Bad Belzig. Zwei mutmaßliche Bankräuber aus Tschechien müssen sich seit Dienstag vor dem Landgericht Potsdam für einen Überfall auf die Sparkasse in Görzke am 14. Juni 2012 verantworten, den ihnen die Potsdamer Staatsanwaltschaft zu Last legt. Einer der beiden Angeklagten, der 31-jährige Pavel L., ist bereits wegen des Überfalls auf die Bad Belziger VR-Bank Fläming vom 25. Juli 2012 verurteilt worden.

Pavel L. verfügt durch seine kriminelle Karriere über internationale Prozesserfahrung. In Tschechien, Österreich und Deutschland saß er in Gefängnissen. Auch der zweite Angeklagte, Josef K., kann auf eine kriminelle Vergangenheit zurück blicken. Der in Görzke lebende 35-Jährige hat 13 Einträge im Bundeszentralregister, der erste stammt von 2004 über Behinderung der Justiz. Zusammen standen die beiden Männer, die während der Verhandlung am Dienstag kein Wort miteinander wechselten, schon im österreichischen Salzburg vor Gericht.

Die Täter erbeuten 5400 Euro

Laut Anklage sollen Pavel L. und Josef K. am 14. Juni vor fünf Jahren gegen 14 Uhr die Sparkasse in Görzke überfallen und dabei 5400 Euro erbeutet haben. Pavel L. soll dabei mit einem Hammer drei Mal auf den Schaltertresen geschlagen haben, um der Forderung Nachdruck zu verleihen.

Zum Tatzeitpunkt befanden sich zwei Angestellte, aber keine Kunden in der Bank. Verletzt wurde niemand. Auch deswegen bot der Vorsitzende Richter der 4. großen Strafkammer, Axel Gerlach, den Angeklagten an, bei einem glaubwürdigen Geständnis einer Verfahrensabsprache zwischen Staatsanwaltschaft und Verteidigung für ein milderes Urteil zuzustimmen.

Dass sei zu verantworten, weil bei der Tat zwar ein Hammer verwendet wurde, „dieser aber nicht gegen Personen gerichtet war und Personen auch nicht in Gefahr gewesen waren“, so Gerlach. Doch während Josef K. diese Chance ergriff und die Tatbeteiligung in vollem Umfang über eine Erklärung seines Anwalts Mario Schink gestand und auch die Beteiligung von Pavel L. bestätigte, lehnte dieser das Angebot ab und verweigerte die Aussage. Er war nach der Tat in Bad Belzig nach Tschechien geflohen, dort jedoch gefasst und nach Deutschland ausgeliefert worden. Sein Komplize, ein dritter Tscheche, war nach dem Überfall in Bad Belzig in Brandenburg an der Havel festgenommen worden.

Der Überfall in Bad Belzig

Am 24. Juli 2012 haben zwei maskierte Männer die Bad Belziger Volks- und Raiffeisenbank Fläming gestürmt. Sie hatten eine Schreckschusspistole dabei.

Bei den Tätern handelte es sich um Pavel L. und einen Komplizen aus Brandenburg/Havel. Eine Bekannte (19) fuhr sie gegen Spritgeld zu der Bank. Sie wusste nichts vom Plan. Die Täter flohen ohne Beute und wurden gefasst.

Pavel L. sitzt seit einem Jahr in der Martin-Gropius-Fachklinik in Eberswalde. Er war dort per Gerichtsurteil in die Forensische Klinik zur Suchttherapie eingewiesen worden. Es ist ein Maßregelvollzug mit JVA-ähnlichen Mauern samt Nato-Stacheldraht, Personenkontrollen und Sicherheitsschleusen. Das Landgericht hatte ihn 2015 für den Bad-Belziger Überfall zu knapp vier Jahren Haft und einer Entziehungskur verurteilt.

Ärzte sprechen bei L. von Gefühlskälte und fehlender Reue

Der Vorsitzende Richter Gerlach verlas ein Gutachten der Klinik, wonach L. zwar Fortschritte mache und an seinem Schulabschluss der 9. Klasse arbeite. Auch setzt er sich für andere Mitpatienten ein. Sie bescheinigen Pavel L. aber auch Gefühlskälte, fehlende Empathie und Reue und gehen von einem erhöhten Rückfallrisiko aus. Seine Taten seien geprägt von zunehmender Gewaltbereitschaft und Verlust von Skrupeln. L. soll die Überfälle begangen haben, um seine Drogensucht zu finanzieren. Mit acht Jahren begann er zu rauchen, mit 13 nahm er Haschisch und mit 17 synthetisch hergestellte Drogen. Mit 19 Jahren scheiterte ein erster Entzugsversuch. Einen Beruf hat L. nie ausgeübt, eine Beziehung nie geführt. Bei seiner Festnahme galt er als sozial verwahrlost.

Vor der 4. großen Strafkammer, besetzt mit zwei Richtern und zwei Schöffen, sind drei Verhandlungstage angesetzt. Am Freitag wird der Prozess fortgesetzt.

Von Marion von Imhoff

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