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Bauern ernten weniger Äpfel

Obstanbaufläche im Land Brandenburg deutlich geschrumpft Bauern ernten weniger Äpfel

Zum Start der Brandenburger Apfelernte am Montag auf einer Plantage am Obstpanoramaweg in Werder gehen die Bauern zwar von einer guten Ernte aus, doch mit weniger Erträgen als im Vorjahr. Aber die Zuversicht kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Anbaufläche in und um Werder in den vergangenen Jahren dramatisch geschrumpft ist.

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Auch Werders Blütenkönigin Tamara Thierschmann liebt die Werderaner Äpfel aus der Plantage auf der Glindower Platte.

Quelle: dpa-Zentralbild

Werder . In der Plantage auf der Glindower Platte tragen Bäume reihenweise reichlich knackige, rote Äpfel. Schon der Anblick ist ein Genuss. Die Erntehelfer der Havelfrucht GmbH Groß Kreutz haben reichlich zu tun. Geschäftsführer Thomas Giese erwartet wie die meisten Obstbauern im Land Brandenburg eine gute Apfelernte. Einige Betriebe jedoch müssen nach Blütenfrost auch Einbußen hinnehmen. „Doch die erhofften 22 500 Tonnen Äpfel im Land Brandenburg liegen unter dem Rekord vom vergangenen Jahr“, sagte Thomas Bröcker vom Gartenbauverband Berlin-Brandenburg am Montag zur Saisoneröffnung auf einer Plantage der Havelfruchtgesellschaft am Obstpanoramaweg in Werder. In diesem Jahr wollen die Brandenburger Obstbauern 269 Hektar Dezitonnen je Hektar einbringen, im Vorjahr waren es 318 Dezitonnen.

Doch die relativ gute Ernte kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass von der einstigen Anbaufläche im Havelländischen Obstanbaugebiet über 10 000 Hektar im Jahr 1990 heute nur noch 840 Hektar bewirtschaftet werden. „Gerade deshalb verdienen Betriebe wie die Havelfrucht in Groß Kreutz, die gute Erträge erreichen und vor allem auch in neue Plantagen investieren hohe Anerkennung“, sagte Landwirtschaftsminister Jörg Vogelsänger (SPD) zum Auftakt der Ernte auf der Havelfrucht-Plantage.

Für Bröcker war der kurzzeitige Ernteeinsatz von Vogelsänger Anlass, auf die unbefriedigende Situation der Obstbauern aufmerksam zu machen. „Wenn das Land Brandenburg die Bauern nicht unterstützt, kein Programm mit Investitionszulagen anbietet, dann wird eine Reihe von Familienbetrieben nicht überleben“, warnt Bröcker. Für Havelfrucht-Geschäftsführer Giese sind diese Aussichten durchaus nachvollziehbar. „Jede neue Plantagenpflanzung kostet je Hektar annähernd 30 000 Euro. Für kleine Betriebe ein Kraftakt, der kaum zu bewältigen ist“, rechnete Giese vor. Er hat in den vergangenen Jahren mehr als 50 Hektar neu bepflanzt. Hinzu kommt, dass viele Plantagen auf märkischem Sand regelmäßig bewässert werden müssen, um Erträge zu erzielen, mit denen der Betrieb wirtschaftlich arbeiten kann.

Die Stadt Werder unterstützt die Obstanbaubetriebe seit Jahren durch das alte Brauchwasserwerk. Es pumpt das kostbare Nass aus dem Glindower See auf die Felder. „Doch jetzt muss es saniert werden, und wir hoffen, dass vom Land eine Förderung möglich ist“, sagte Werders Bürgermeisterin Manuela Saß (CDU) an Vogelsänger gerichtet.

Er konnte am Montag keine festen Fördermaßnahmen weder für die Betriebe noch die Stadt Werder geben. Dennoch will er notwendige Unterstützungen prüfen. „Mit das Schlimmste ist aber auch das Russlandembargo. Das Importverbot für europäische Lebensmittel trifft auch unsere Obstanbaubetriebe hart.“ Polen habe 10 000 Hektar Obstflächen, beliefere sonst vorrangig Russland, nun die EU und Deutschland, und das zu niedrigen Preisen.“ Darum hatte die Rekordernte im Vorjahr den Bauern wenig genutzt. Sie bekamen für ihre Produkte so wenig Geld wie lange nicht. Unter diesen Bedingungen ist es für die Betriebe alles andere als leicht, den Mindestlohn zu zahlen, wollte Bröcker vom Gartenbauverband nicht unerwähnt lassen. „Ich bin nicht gegen den Mindestlohn, aber die Zahlungen fordern Betrieben viel ab, wie auch die unterschiedlichen Bestimmungen in den Ländern der EU beim Umgang mit Pflanzenschutzmitteln“, sagt Bröcker.

Jungbauer Giese lässt sich dennoch nicht beirren, baut seinen Betrieb weiter aus. Er bewirtschaftet inzwischen 582 Hektar, beschäftigt 65 Mitarbeiter und jährlich 500 Saisonkräfte.

Förderprogramm zu bürokratisch

Mit neun Kilo-Äpfel-Verbrauch im Jahr gehört das Kernobst zu den Lieblingsfrüchten der Deutschen.

Äpfel aus der Familie der Rosengewächse sind weiterhin die am meisten angebaute Obstart in Brandenburg.

Die Schwerpunktgebiete des Apfelanbaus liegen in den Landkreisen Märkisch-Oderland, Potsdam-Mittelmark und in der kreisfreien Stadt Frankfurt (Oder).

Das EU-Programm zur Unterstützung der Gartenbauunternehmen wurde auch 2015 nicht in Anspruch genommen weil es aus der Sicht der Gartenbauunternehmen zu bürokratisch ist.

Die Havelfrucht GmbH in Groß Kreutz gehört zu den größten Betrieben im Havelland. Der Betrieb wurde 2001 gegründet, übernahm neben Neuanpflanzungen 150 Hektar der Werder Frucht Gartenbau GmbH und 250 Hektar der Havelobst Bochow e.G.

Die Produkte der Havelfrucht werden zu 100 Prozent über die Werder Frucht GmbH vermarktet. Familienbetriebe in der Region haben sich zum größten Teil für die eigene Direktvermarktung entschieden.

Von Regine Greiner

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