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Potsdam-Mittelmark Bauern fordern Schutzjagd wie in Schweden
Lokales Potsdam-Mittelmark Bauern fordern Schutzjagd wie in Schweden
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21:42 30.05.2018
Marie-Luise Dött, umweltpolitische Sprecherin der CDU/CSU-Fraktion, informiert sich hier bei Landwirt Ralf Engelhardt (3.v.r.) über die Probleme. Quelle: JST
Potsdam-Mittelmark

Landwirt Jürgen Frenzel hat im vergangenen Jahr 40 Kälber bei Wolfsangriffen verloren, 2018 bisher elf. „Das ist eine neue Qualität. Wenn das so weiter geht, halten wir das nicht mehr durch“, sagte er am Mittwoch an einer Weide bei Beelitz, die über sechs Kilometer Länge mit einem stromführenden Zaun aus fünf Drähten gesichert ist, um das Raubtier fernzuhalten. So hat ein Wolfsschutzzaun auszusehen, damit der Landwirt nach einem Wolfsangriff eine Entschädigung für gerissene Tiere geltend machen kann.

Welchen Aufwand Tierhalter in den Wolfsgebieten Brandenburgs betreiben müssen, um ihre Herden vor Angriffen zu schützen, haben sich Marie-Luise Dött, umweltpolitische Sprecherin des CDU/CSU-Bundestagsfraktion, und CDU-Bundestagsabgeordnete Dietlind Tiemann angesehen. Sie tourten durch die Region und trafen drei Landwirte, die Tiere bei Wolfsangriffen verloren haben und schonungslos Klartext redeten. Nach Angaben der Landwirte nehmen die Kosten, die direkt oder indirekt durch Wölfe verursacht werden, für hiesige Weidetierhalter existenzbedrohende Ausmaße an.

„Von 21 Tieren haben wir gar keine Überreste gefunden“

Von den 40 verlorenen Kälbern hat der Betrieb von Jürgen Frenzel für 16 eine Ausgleichszahlung erhalten. „Von 21 Tieren haben wir gar keine Überreste gefunden“, erzählte er. Einige Kälbchen konnten noch keine Ohrmarken haben, weil sie nachts zur Welt kamen und gleich von Wölfen geholt wurden, so Frenzel. Das Dobbrikower Rudel hat sich offenbar darauf spezialisiert, gerade geborene Kälber zu holen, sagte Mittelmarks Kreisbauernchef Jens Schreinicke. Kühe legen nach dem ersten Säugen instinktiv ihre Jungen erst einmal in hohes Gras oder am Rande der Weide ab.

Indirekte Folgekosten hat keiner außer die Landwirte auf der Rechnung

Frenzel schilderte auch indirekte Folgekosten, die bisher keiner außer die Landwirte auf der Rechnung haben: „Eine Kuh, die ihr Kalb verloren hat, wird ihre Milch nicht mehr los. Es kommt zu Euterentzündungen. Die Kuh bekommt unter Umständen kein Kalb mehr und geht auf den Schlachthof.“ Der Riebener Landwirt Ralf Engelhardt berichtete, er habe aus Furcht die Herde viel länger in Stallnähe stehen lassen und Heu zugefüttert. Früher habe er seine Tiere Anfang Mai auf entferntere, eiweißreiche Weiden gebracht. Im vergangenen Jahr tat er es erst im Juli. Folge:Die Kälber blieben schmaler, weil sie erst später die eiweißreiche Kost fressen konnten. Kälber werden aber nach Kilopreisen verkauft.

Unterhaltung der Schutzzäune kostet jährlich Geld

Engelhardt hat schon Kälber verloren, obwohl sie hinter einem Wolfsschutzzaun weideten. Allein der Aufwand, seine Zäune zu erhalten und das Gras unter dem untersten Draht so klein zu halten, dass der Strom nicht ins Erdreich fließt, kostet ihn nach eigenen Angaben 19 500 Euro jährlich. „Die Gesellschaft will den Wolf, dann müsste sie das auch bezahlen“, sagte er. Beim Aufbau der Zäune bekommen Landwirte Zuschüsse, nicht aber für die spätere Unterhaltung. Für den Bau der fünfdrahtigen Schutzzäune, die Landwirte kritisch sehen, „weil sie die Landschaft zerschneiden und für andere Wildtriere Barrieren bilden“, gibt es maximal 15 000 Euro.

Schutzjagd in Schweden verstößt nicht gegen EU-Recht

Schreinicke brachte ins Spiel, hierzulande die Schutzjagd wie in Schweden einzuführen, um den Wolfsbestand zu regulieren. Treten in schwedischen Weidegebieten Probleme auf, werden im Rahmen fester Abschussquoten „Wölfe entnommen“. Das verstößt nicht gegen EU-Recht, sagte er. In Deutschland müsste auf Bundesebene der gesetzliche Rahmen dafür erst noch geschaffen werden. „Dafür gibt es derzeit in Deutschland keine Mehrheiten“, sagte Marie-Luise Dött. „Angesichts der dynamischen Populationsentwicklungen werden wir aus meiner Sicht künftig aber auch über eines Bestandsregulierung nachdenken müssen.“ Dött will sich auf Bundesebene dafür einsetzen, dass die wirtschaftlichen Schäden stärker in den Blick genommen werden und „beim Überleben der Betriebe im ländlichen Raum die Dimension Wolf mit beachtet wird“.

Sie wunderte sich, dass solche Rechnungen, wie sie die Landwirte gestern vorbrachten, bei Anhörungen im Bundestag zur Wolfsproblematik bisher keine Rolle spielten.

Von Jens Steglich

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